Rennräder für Frauen - KauftippsFoto: Ronny Kiaulehn

Rennrad DamenRennräder für Frauen - Kauftipps

Unbekannt

 5/20/2015, Lesezeit: 4 Minuten

Ein Rennrad für Frauen braucht keine rosa Blümchen: TOUR sagt Ihnen, was wirklich wichtig ist. Hier sind unsere Tipps für den Kauf eines Damen Rennrads.

Sattel
Für viele Rennradlerinnen die größte Problemzone am Rad. Die gestreckte, nach vorne verlagerte Sitzposition kann zu hoher Druckbelastung im Schambereich führen, die sich in Taubheitsgefühlen und Schmerzen äußert. Ein spezieller Frauensattel kann hier die Lösung sein. Sättel mit Loch, Stufe oder Mulde in der Sitzfläche verringern den Druck auf die Weichteile, drücken aber mitunter mehr an anderen Stellen. Das Problem verlagert sich dann lediglich. Eine pauschale Aussage zu Sätteln ist schwierig; auch Lochsättel können bequem sein.

Viele Anfänger glauben, weiche Sättel seien bequemer als straff gepolsterte. Wer sportlich fährt, dem passen dünn und straff gepolsterte Sättel aber meist besser. Wichtig ist neben der Form, dass sich der Sattel in der richtigen horizontalen Position einstellen lässt. Weil Frauensättel oft kürzere Gestelle haben, ist das mitunter schwierig – besonders, wenn ein Sattel mit kurzem Gestell auf eine Sattelstütze ohne Versatz nach hinten trifft.

Sattelstütze
Die Sattelstütze hat großen Einfluss auf den Federkomfort des Rades. Gerade leichte Fahrerinnen (und Fahrer) sollten deshalb beim Radkauf auf eine flexible Sattelstütze achten. Besonders gut federn leichte, schlanke Carbonstützen mit 27,2 Millimetern Durchmesser. Dickere Stützen im Durchmesser 31,6 Millimeter sind oft Komfort-Killer – vor allem, wenn sie schwer und aus Aluminium sind.

Um den Abstand zwischen Lenker und Sattel zu verkürzen, montieren einige Hersteller bei kleinen Rahmengrößen Sattelstützen ohne Versatz nach hinten. Dadurch rückt der Sattel weiter nach vorne. Gerade kleine Rahmen haben aber oft ein sehr steiles Sitzrohr. Wenn der Sattel fast senkrecht überm Tretlager positioniert ist, ist das nicht nur für den Federkomfort schlecht, sondern auch für die Kraftübertragung.

Lenker
Zierlich gebaute Menschen fahren mit schmalen Lenkern besser. An Rennrädern in normalen Größen sind die Lenker meist 42 oder 44 Zentimeter breit. An den Frauenrädern im Test sind außer beim günstigen Cube durchweg schmalere Lenker (meist 40 Zentimeter) verbaut. Besonders gut gefiel den Testerinnen der extraschmale, nur 37 Zentimeter breite Lenker am Liv Avail Advanced. Neben der Lenkerbreite spielt auch der Durchmesser des Lenkers eine wichtige Rolle für den Fahrkomfort. Dünne Lenker können punktuell in den Händen drücken. Besser sind Lenker mit breiter Auflagefläche für die Hände am Oberlenker. Oft empfehlen sich für kleine Fahrerinnen auch Lenker mit engem Biegeradius. Die Biegung darf aber nicht so eng sein, dass sich der Unterlenker nicht mehr erreichen lässt.

Bremshebel
Erreichen Sie die Bremshebel nur mit den letzten Fingergliedern, ist die Griffweite zu groß. Bei allen modernen Bremsschalthebel kann mittlerweile die Griffweite individuell eingestellt werden. Mitunter ist das nicht ganz einfach. Bitten Sie deshalb Ihren Händler, die Einstellung für Sie vorzunehmen.

Kurbel
170 Millimeter lange Kurbeln sind bei kleinen Rennrädern Standard. Länger sollten sie auch nicht sein. Kürzere Kurbeln werden meist auf Sonderwunsch montiert. Weil der Versender Rose diese Möglichkeit bietet, baten wir bei der Bestellung der Testräder, 165-Millimeter-Kurbeln zu montieren. Die 1,68 Meter großen Testerinnen merkten allerdings keinen Unterschied zu 170er-Kurbeln. Kürzere Kurbeln empfehlen sich vor allem für Fahrer unter 1,65 Meter Körpergröße.

Fußfreiheit
Kleine Rahmen sind nicht nur niedriger sondern auch kürzer. Deshalb rückt das Vorderrad näher ans Tretlager. Mitunter passiert es dann, dass die Fußspitzen beim Lenken in den Schwenkbereich des Vorderrades reichen. Vor allem in engen Kurven und beim Manövrieren erhöht das die Sturzgefahr. An den 15 Testrädern war die Fußfreiheit kein Problem. Bei keinem Rad kam Testerin Manuela Kletzander (Schuhgröße 39) mit den Füßen ans Vorderrad.

Allgmeine Kauftipps für Frauen
• Kaufen Sie kein Rad ohne Probefahrt
• Kaufen Sie nur bei einem Händler, der verschiedene Modelle zur Auswahl hat
• Lassen Sie sich nicht zum Kauf eine bestimmten Rades drängen – auch nicht, wenn Ausstattung, Preis oder Farbe verführerisch sein mögen. Wenn es nicht passt, kaufen Sie zweimal
• Manche Händler stellen Sättel testweise zur Verfügung und nehmen sie bei Nicht-Gefallen wieder zurück
• Wenn Sie unsicher sind, wie Sie auf dem Rad sitzen sollen, kann eine professionelle Beratung sinnvoll sein, wie sie zum Beispiel viele Specialized-Händler im Rahmen des BG-Fit-Programms anbieten
• Vor allem größere Frauen sollten nicht nur nach Frauenrädern schauen. Mit kleinen Änderungen bei Sattel und Vorbau passen meist auch Männermodelle – das vervielfacht die Auswahl
• Achten Sie besonders bei kleinen Rahmengrößen darauf, dass Sie Ihre Füße beim Lenken nicht mit dem Vorderrad kollidieren

Foto: TOUR

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