Jens Klötzer
· 17.02.2026
Der US-Marke Cannondale war mit dem SuperSix EVO der letzten Generation, erstmals vorgestellt Anfang 2023, ein guter Wurf gelungen: Das Modell wartete in seiner Konkurrenz mit einem sehr leichten Rahmenset auf und gilt als typische Allround-Rennmaschine, die geringes Gewicht mit guter Aerodynamik und viel Komfort verbindet. Bei den ersten Rennen der Saison 2026 offenbarte sich, dass das Flaggschiff offenbar vor einem Modellwechsel steht: Bei der Tour Down Under waren einzelne gesponserte Athleten bereits auf einer formal veränderten Maschine unterwegs.
Die neue Generation des legendären SuperSix signifikant besser zu machen, dürfte die Ingenieure vor eine schwierige Aufgabe gestellt haben. Hauptaugenmerk bei der fünften Evolutionsstufe des SuperSix EVO lag für Cannondale nach eigenem Bekunden auf dem Ziel, das Gewicht weiter zu reduzieren und die Aerodynamik zu verbessern. Herausgekommen ist nach Herstellerangaben das leichteste Rennrad mit Scheibenbremsen in der Firmengeschichte. In seiner leichtesten Aufbauvariante soll das Rad weniger als 6,4 Kilogramm wiegen. Die fünfte Generation des Modells setzt dabei auf drei verschiedene Carbon-Qualitäten mit unterschiedlichen Gewichten.
Der Rahmen der sogenannten “Series 0”-Version, die den Top-Varianten LAB71 vorbehalten bleibt, soll nur 728 Gramm bei Größe 56 wiegen. Die Hi-Mod-Variante bringt 781 Gramm auf die Waage, die schwerste Ausführung, die an allen Kompletträdern ab dem SuperSix 2 verbaut ist, 910 Gramm. Bei der Gabel liegt das Gewicht bei 392 Gramm für Series 0, 414 Gramm für Hi-Mod und 427 Gramm für die einfachste Carbon-Version. Alle Gewichtsangaben beziehen sich auf vollständig lackierte Rahmen und Gabeln.
Das Carbon-Layup und damit die Rahmensteifigkeiten sind dabei auf jede Rahmengröße speziell abgestimmt. Die Rohrprofile variieren je nach Größe, um die Steifigkeit und Effizienz für unterschiedliche Körpergrößen zu gewährleisten. Cannondale nennt dieses Konzept Proportional Response. Die LAB71- und SuperSix EVO1-Modelle verwenden Titan-Befestigungsteile im Bereich der Sattelklemmung, um weiteres Gewicht einzusparen.
Die Rohrprofile wurden mithilfe von CFD-Analysen und Windkanaltests weiterentwickelt. In Vergleich zum Vorgänger fällt vor allem das schlankere und in die Länge gezogene Steuerrohr als Unterschied auf, ansonsten ist das Facelift eher Feintuning: In der Gesamtschau behält das SuperSix EVO seine markante Silhouette mit den tief angesetzten Sitzstreben und einem sich zum Tretlager stark verschlankenden Sitzrohr. Der Luftwiderstand soll laut Hersteller gegenüber der vierten Generation dennoch deutlich reduziert worden sein. Ein dreieckiger Gabelschaft verringert die Stirnfläche des Steuerrohrs und ermöglicht eine innenliegende Zug- und Leitungsführung.
Bestandteil des Aero-Konzepts sind außerdem eine neue Lenkereinheit sowie neue integrierte Flaschenhalter und seitlich abgeflachte Trinkflaschen, die das System aerodynamisch noch schneller machen sollen. Sie gehören jedoch nur bei den LAB71- und Hi-MOD-Modellen zum Lieferumfang. Spezielle SL-Varianten der LAB71- und Hi_MOD-Serie, die auf maximalen Leichtbau zielen, sind neben besonders leichten Laufradsätzen auch mit einer leichteren Lenkereinheit ausgestattet, die über einen klassischen runden statt tragflächenförmigen Oberlenker verfügt.
Die Geometrie und das Fahrverhalten werden im Wesentlichen vom Vorgänger übernommen. Das Konzept zielt auf agiles Handling und Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und neutrales Handling in schnellen Kurvenfahrten ab. Leichte Verschiebungen ergeben sich bei den Abmessungen in den verschiedenen Größen, denn das neue SuperSix EVO gibt es in acht statt bislang sieben Größen, die etwas feiner abgestuft sind. Das Spektrum deckt weiterhin Rahmengrößen von 44 bis 61 Zentimetern ab. Die Sitzposition zeigt sich für einen Race-Boliden weiterhin eher komfortabel und nicht zu extrem. Die Reifenfreiheit wurde moderat von 30 auf 32 Millimeter vergrößert.
Insgesamt neun Komplettrad-Varianten und zwei unterschiedliche Rahmensets bietet Cannondale vom neuen SuperSix Evo an. Die höchste Carbonqualität bleibt den beiden LAB71-Versionen vorbehalten, die zweithöchste (Hi-MOD) dem SuperSix Evo 1. Beide gibt es als Rahmenset zum Selbstaufbau zu kaufen. Ab dem SuperSix Evo 2 gibt es die günstigste Qualität mit rund 990 Gramm Rahmengewicht.
Bis auf die Einstiegsvariante mit mechanischer Shimano 105-Schaltung, deren Preis und Gewicht beim Marktstart noch nicht mitgeteilt wurden, sind alle Modelle mit elektronischen Schaltungen und Felgen aus Carbon ausgestattet. Powermeter sind nur beim SuperSix Evo 1 und den LAB71-Versionen serienmäßig an Bord. Bei den Komponenten stampft Cannondale nun die Eigenmarke Hollowgram final ein: Die Generation 5 des SuperSix ist mit Laufrädern von Reserve oder DT Swiss ausgestattet, die Lenkerkombi läuft unter der Marke Cannondale.

Redakteur
Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.