Mit neuer TOUR-BestnoteDas Giant Propel Advanced SL im Test

Jens Klötzer

 · 08.05.2026

Das neue Giant Propel Advanced SL verfolgt weiter den Anspruch eines perfekten Allrounders, statt "nur" ein schnelles Aero-Bike zu sein
​Das Giant Propel mutierte über die Jahre vom reinen Aero-Boliden zum vielseitigen Race-Allrounder. Die Neuauflage folgt dem Anspruch weiter: Schneller wurde das Rad nicht – dafür unfassbar leicht

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Fazit zum Test des GIANT Propel Advanced Red

​Das Giant Propel mutierte über die Jahre vom reinen Aero-Boliden zum vielseitigen Race-Allrounder. Die Neuauflage folgt dem Anspruch weiter: Schneller wurde das Rad nicht – dafür unfassbar leicht

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor1,5
Ausstattung1,2
Endnote1,4

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum GIANT Propel Advanced Red

Gewicht6.43 kg
SchaltungSRAM Red AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzGiant Cadex Max 50
Reifen vorneGiant Cadex Aero TR Hookless 28-622

​Es gehört zum Handwerk von Rennradbauern, das technisch Mögliche aus ihrem Produkt herauszuholen. Weil das naturgemäß nie aufhört, fallen immer wieder neue Rekorde. Zuletzt viele im Windkanal, wo die aerodynamisch immer bessere Performance der Rennräder in messbaren Zahlen sichtbar wird. Als das Propel 2012 erstmals ins Giant- Programm rückte und den leichten Race- Klassiker TCR ergänzte, zählte es nach unseren Tests zu den aerodynamisch schnellsten Rennrädern auf dem Markt. Das Genre der Aero-Renner war seinerzeit noch jung und die Konkurrenz nicht besonders groß. Den Anspruch, mit dem Propel zu den absolut windschnittigsten Rennrädern des Planeten zu gehören, verfolgt man beim weltgrößten Fahrradhersteller mit der mittlerweile vierten Genration aber nicht mehr. Schon der Vorgänger positionierte sich als Allround-Rennmaschine, die Aerodynamik, Gewicht und Komfort in eine ausgewogene Balance bringt, um auf allen Strecken zu brillieren. Dennoch bricht das neue Propel Advanced SL Rekorde: Das Bike wiegt sagenhafte 6,4 Kilogramm und dürfte aktuell das leichteste dezidierte Aero-Bike der Welt sein.

Gewichtswunder Laufräder

Dabei war schon der Vorgänger mit 6,7 Kilogramm filigraner als viele Leichtbaumodelle anderer Hersteller. Möglich machten das schon damals insbesondere die Laufräder der Eigenmarke Cadex: Felgen, Nabenkörper und Speichen aus Carbon, Hookless-Profil, laminierte Verbindungen anstelle mechanischer Befestigungen aus Metall. Die Cadex Max wurden für das neue Propel erneut überarbeitet und sind noch leichter geworden. In Verbindung mit einem ebenfalls neuen, aerodynamisch optimierten Reifen spart allein der Laufradsatz fast 200 Gramm; insgesamt wurde das neue Propel 265 Gramm leichter, verglichen mit dem Vorgänger-Testrad mit gleicher Schaltgruppe.

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Betörend ohne Zugeständnisse

Das Fahrgefühl auf diesem Rad ist, solange die Eindrücke noch frisch sind, erwartungsgemäß betörend. Es lässt sich explosiv beschleunigen und spielerisch dirigieren, wirkt dabei aber stets kontrollierbar, auch bei zackigen Richtungswechseln. Nach längerer Fahrt wird einem nach und nach bewusst, wie ausgewogen und komplett das neue Propel geworden ist. Keines der Zugeständnisse, die viele andere Spezialisten verlangen – egal ob ultraleicht oder rasend schnell – erfordert das Giant. Es lenkt auch bei hohem Tempo präzise, die fest anlaminierte Sattelstütze federt so gut wie bei einem Endurance-Rad und deutlich besser als noch beim Vorgänger. Auch die Ausstattung ist frei von irgendwelchen Kompromissen: Ein vollwertiger 2x12-Antrieb statt lückenhafter Ein-Kettenblatt-Spezifikation, ein gut gepolsterter Sattel statt eines minimalistischen Sitzbretts; ein Leistungsmesser gehört mit der SRAM-Gruppe zum Lieferumfang.

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Aerodynamisch sind andere schneller

Allein der Cadex Aero-Reifen überzeugt uns nicht vollumfänglich, er wirkt durch seine spitz zulaufende Form schmal und etwas kippelig. Wir würden breitere Pellen aufziehen, auch wenn das Rad dadurch minimal schwerer würde. Zumal der neue Pneu auch im Windkanalversuch seine vermeintliche Stärke nicht ausspielen kann. Das Propel landet in unserem Test punktgenau auf dem Niveau seines Vorgängers, sowohl im Serien-Trimm (209 Watt) als auch mit unseren Referenz-Laufrädern von Zipp (210 Watt). Das mag in Anbetracht der Aero-Kompetenz des Riesenkonzerns – Giant testet mit einem eigenen beweglichen Vollkörper-Dummy und verfügt über deutlich größere Entwicklungsressourcen als die meisten Wettbewerber – eine kleine Enttäuschung sein. Durch die großen Sprünge der Konkurrenz wirkt das Propel aerodynamisch fast abgehängt, die meisten Boliden der etablierten Marken sind inzwischen deutlich schneller.

“Zweite Reihe” konkurrenzfähig mit Top-Modellen

In unserer Gesamtnote drückt sich aber aus, dass das Propel als Gesamtpaket einen gehörigen Sprung nach vorne macht: Aktuell kann es als einziges Wettkampfrad die Note 1,4 erzielen und darf bis auf Weiteres als wohl bestes Racebike der Welt gelten. Freilich trifft das nur auf die getestete Top- Variante Advanced SL zu, die es auch nur in der gezeigten Ausstattung mit SRAM Red gibt. Das nächstpreiswertere Advanced Pro kommt mit einem etwas schwereren Rahmen mit klassisch geklemmter Sattelstütze sowie anderen Laufrädern, was insgesamt etwa ein halbes Kilo Mehrgewicht ausmachen dürfte. Trotzdem ist auch das Pro für hohe Ansprüche eine Empfehlung: Mit Shimanos Top- Gruppe Dura-Ace und Cadex-Laufrädern mit Carbonspeichen kostet das Propel Advanced Pro-DA 7.999 Euro. Es dürfte noch knapp unter sieben Kilogramm wiegen und ist mit der Ausstattung, vom fehlenden Powermeter abgesehen, vielen Top-Modellen anderer Hersteller ebenbürtig, aber bedeutend günstiger. Den Einstieg bildet eine mechanische 105-Gruppe samt Alu-Laufrädern für 2.999 Euro; das Rahmen-Set gibt es nur für die SL-Variante zum Preis von 3.899 Euro

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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