Radsport-Fans blicken im Januar nicht nur wegen der ersten Standortbestimmung nach Australien zur Tour Down Under. Der Auftakt der World-Tour-Saison bei Frauen und Männern gibt traditionell auch den Blick auf neues Material frei. So auch bei EF Education-Oatly um Gesamtsiegerin Noemi Rüegg (Schweiz) und Weltmeisterin Magdeleine Vallières (Kanada): Das Duo war wie ihre Teamkolleginnen auf einem SuperSix Evo unterwegs, das Cannondale bislang nicht offiziell vorgestellt hat. Auch die Profis von EF Education-Easypost werden das erste World-Tour-Rennen der Saison auf dem neuen Modell bestreiten.
Das überarbeitete SuperSix Evo schaut dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich und dürfte seinen Charakter als vielseitiges Wettkampfrad behalten. Bereits dem alten Modell gelang im TOUR-Test der schwierige Spagat aus Speed, Leichtbau und Komfort. Mit der Gesamtnote 1,7 zählte die exklusive Lab71-Version, die auch von Rüegg & Co. gefahren wird, zu den besten Race-Modellen der Welt. Unser 6,8 Kilogramm leichtes Testrad benötigte im Windkanal 210 Watt zur Überwindung des eigenen Luftwiderstands.
Damit fuhr das SuperSix Evo zwar in der dicht gestaffelten Spitzengruppe der schnellsten Profiräder mit, gegenüber den absolut schnellsten Boliden war es aber ein paar Watt langsamer. Die Updates beim neuen Modell dürften nun genau darauf abzielen, den mitunter rennentscheidenden Rückstand zu minimieren. Speziell am Steuerrohr sind Änderungen zu erkennen. Insgesamt fällt der Lenkkopf beim neuen Cannondale länger aus. Zudem lassen die Rennbilder aus Australien erkennen, dass die Ingenieure auch die Stirnfläche des Steuerrohrs reduzierten.
Der Hinterbau erfuhr ebenfalls ein Update. Die Sitzstreben sind auf Höhe der Ausfallenenden “abgeknickt”, das Sitzrohr wirkt noch filigraner als beim 2023 vorgestellten SuperSix Evo. Das Design ist bereits vom Marathonrad Synapse und Gravelbike SuperX bekannt. Die neue Rennmaschine von Cannondale könnte dadurch noch komfortabler abgestimmt sein als das bisherige Bike, das Unebenheiten im Fahrbahnbelag bereits exzellent schluckte.
Eine weitere wichtige Änderung zeigt sich am Cockpit: Fuhren die Profis im Vorjahr noch mit Modellen von Vision, sind sie nun offenbar mit einer Eigenentwicklung von Cannondale unterwegs. Die Steuerzentrale zeichnet sich vor allem durch einen leicht geschwungenen Oberlenker aus, was auf einen langen Reach und damit auf eine gestreckte Sitzposition hindeutet. Die US-Marke setzt beim neuen SuperSix Evo außerdem auf UDH-Ausfallenden, womit sich das Bike unkompliziert mit einem 1x13-Setup von SRAM konfigurieren lässt. Die beiden EF-Teams sind seit dieser Saison mit Antrieben der US-Amerikaner unterwegs, nachdem im Vorjahr noch Shimano als Ausrüster fungierte.
Wann das neue SuperSix Evo auf den Markt kommt, ist nicht überliefert. Durch die erfolgreiche Rennpremiere in Australien müssen Hobbysportler vermutlich aber nicht mehr lange warten. Das aktuelle Modell listet Cannondale in verschiedenen Qualitätsstufen zu Preisen zwischen 3999 und 15499 Euro.