Neues Cannondale SuperSix EvoFulminante Rennpremiere bei der Tour Down Under

Julian Schultz

 · 22.01.2026

Rennpremiere: Cannondale zeigte bei der Women's Tour Down Under erstmals einen bislang unveröffentlichten Nachfolger des SuperSix Evo.
Foto: Getty Images
Perfekte Bühne für Cannondale:Noemi Rüegg (EF Education-Oatly) krönte ihren Gesamtsieg bei der Women’s Tour Down Under auf einem neuen SuperSix Evo des US-Herstellers. Das überarbeitete Race-Allround-Bike ist offiziell noch nicht vorgestellt – TOUR ordnet die auffälligsten Neuerungen gegenüber dem Vorgängermodell ein.

Radsport-Fans blicken im Januar nicht nur wegen der ersten Standortbestimmung nach Australien zur Tour Down Under. Der Auftakt der World-Tour-Saison bei Frauen und Männern gibt traditionell auch den Blick auf neues Material frei. So auch bei EF Education-Oatly um Gesamtsiegerin Noemi Rüegg (Schweiz) und Weltmeisterin Magdeleine Vallières (Kanada): Das Duo war wie ihre Teamkolleginnen auf einem SuperSix Evo unterwegs, das Cannondale bislang nicht offiziell vorgestellt hat. Auch die Profis von EF Education-Easypost werden das erste World-Tour-Rennen der Saison auf dem neuen Modell bestreiten.



​Das überarbeitete SuperSix Evo schaut dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich und dürfte seinen Charakter als vielseitiges Wettkampfrad behalten. Bereits dem alten Modell gelang im TOUR-Test der schwierige Spagat aus Speed, Leichtbau und Komfort. Mit der Gesamtnote 1,7 zählte die exklusive Lab71-Version, die auch von Rüegg & Co. gefahren wird, zu den besten Race-Modellen der Welt. Unser 6,8 Kilogramm leichtes Testrad benötigte im Windkanal 210 Watt zur Überwindung des eigenen Luftwiderstands.

Aero-Tuning an der Front

Damit fuhr das SuperSix Evo zwar in der dicht gestaffelten Spitzengruppe der schnellsten Profiräder mit, gegenüber den absolut schnellsten Boliden war es aber ein paar Watt langsamer. Die Updates beim neuen Modell dürften nun genau darauf abzielen, den mitunter rennentscheidenden Rückstand zu minimieren. Speziell am Steuerrohr sind Änderungen zu erkennen. Insgesamt fällt der Lenkkopf beim neuen Cannondale länger aus. Zudem lassen die Rennbilder aus Australien erkennen, dass die Ingenieure auch die Stirnfläche des Steuerrohrs reduzierten.

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Das Steuerrohr fällt länger aus als beim bisherigen SuperSix Evo von Cannondale. Auch der Übergang zum Unterrohr erhielt ein neues, kantigeres Design.Foto: Getty ImagesDas Steuerrohr fällt länger aus als beim bisherigen SuperSix Evo von Cannondale. Auch der Übergang zum Unterrohr erhielt ein neues, kantigeres Design.

Noch mehr Federkomfort?

Der Hinterbau erfuhr ebenfalls ein Update. Die Sitzstreben sind auf Höhe der Ausfallenenden “abgeknickt”, das Sitzrohr wirkt noch filigraner als beim 2023 vorgestellten SuperSix Evo. Das Design ist bereits vom Marathonrad Synapse und Gravelbike SuperX bekannt. Die neue Rennmaschine von Cannondale könnte dadurch noch komfortabler abgestimmt sein als das bisherige Bike, das Unebenheiten im Fahrbahnbelag bereits exzellent schluckte.

Eine weitere wichtige Änderung zeigt sich am Cockpit: Fuhren die Profis im Vorjahr noch mit Modellen von Vision, sind sie nun offenbar mit einer Eigenentwicklung von Cannondale unterwegs. Die Steuerzentrale zeichnet sich vor allem durch einen leicht geschwungenen Oberlenker aus, was auf einen langen Reach und damit auf eine gestreckte Sitzposition hindeutet. Die US-Marke setzt beim neuen SuperSix Evo außerdem auf UDH-Ausfallenden, womit sich das Bike unkompliziert mit einem 1x13-Setup von SRAM konfigurieren lässt. Die beiden EF-Teams sind seit dieser Saison mit Antrieben der US-Amerikaner unterwegs, nachdem im Vorjahr noch Shimano als Ausrüster fungierte.

Ähnlich wie beim Vorgänger wird das Sitzrohr Richtung Tretlager immer schlanker. Neu ist außerdem der “Knick” in den Sitzstreben und die UDH-Ausfallenenden.Foto: Getty ImagesÄhnlich wie beim Vorgänger wird das Sitzrohr Richtung Tretlager immer schlanker. Neu ist außerdem der “Knick” in den Sitzstreben und die UDH-Ausfallenenden.

Wann das neue SuperSix Evo auf den Markt kommt, ist nicht überliefert. Durch die erfolgreiche Rennpremiere in Australien müssen Hobbysportler vermutlich aber nicht mehr lange warten. Das aktuelle Modell listet Cannondale in verschiedenen Qualitätsstufen zu Preisen zwischen 3999 und 15499 Euro.

Julian Schultz ist studierter Sportwissenschaftler und gelernter Sportjournalist und zeichnet für Tests von Kompletträdern verantwortlich. Vom Wettkampfboliden bis zum Gravelbike testet er die neuesten Modelle und hält die Augen nach aktuellen Trends offen. So auch bei der Tour de France, wo sich der Test-Redakteur seit 2022 auf die Suche nach technischen Details und Geschichten aus dem Fahrerlager macht.

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