Aero RennradEinzeltest: Scott Foil Premium

Unbekannt

 · 15.09.2011

Einzeltest: Scott Foil PremiumFoto: Uwe Geißler

Leicht oder aerodynamisch? Mit dem Modell Foil will Scott diesen Gegensatz aufheben – das neue Rahmen-Set soll beide konstruktiven Merkmale vereinen. Auf der Schwalbe-TOUR-Transalp testete TOUR, ob der technische Spagat gelungen ist.

Ein Jahrzehnt war der Name Scott Synonym für die leichtesten serienmäßigen Rennradrahmen. Das Team Issue belegte Platz eins als leichtester Alu-Rahmen, 2003 übernahm das CR1 die Spitze: Das Carbonmodell unterbot als erster Serienrahmen die Ein-Kilogramm- Grenze und löste mit der neuartigen Tube-to-Tube-Bauweise eine zweite Innovations-Welle in der Konstruktion von Fahrradrahmen aus. 2007 legten die Schweizer noch einmal nach: Das Addict wog deutlich weniger als 900 Gramm und blieb bis zum aktuellen Modelljahrgang der Maßstab im Wettbewerb um den leichtesten Carbonrahmen aus Serienfertigung. Mit dieser Tradition bricht Scott nun. Statt am letzten Gramm zu feilen, haben die Ingenieure ihr neues Top-Modell als aerodynamisch optimierten Straßenrahmen konstruiert, für den sie gleichzeitig die technischen Eigenschaften des erfolgreichen Addict versprechen.

Individuelle Formensprache

  Die integrierte Sattelstützenklemmung ist schön, erfordert aber Sorgfalt beim AnziehenFoto: Uwe Geißler
Die integrierte Sattelstützenklemmung ist schön, erfordert aber Sorgfalt beim Anziehen

Runde Rohre sucht man am Foil vergeblich – ebenso allerdings die schlanken Rohre mit tropfenförmigem Querschnitt, wie sie für Zeitfahrräder typisch sind. Jene Rohre am Scott, die am meisten im Wind stehen, weisen auf der windabgewandten Seite ein leicht nach außen gewölbtes Profil auf. Auch die Sattelstütze folgt dieser Form. Das Steuerrohr ist oben und unten dicker als in der Mitte, Ober- und Unterrohr schmiegen sich mit etwas kleineren Querschnitten dahinter. Zum Tretlager hin weitet sich das Unterrohr und nutzt die gesamte Breite des Gehäuses, die Shimanos Pressfit-Lager bietet. Auf den gut 900 Kilometern und 19.500 Höhenmetern der TOUR-Transalp erwies sich das Scott als in allen Situationen verlässlicher und sehr schneller Begleiter. Bergauf setzte zwar eher der Trainingszustand die Grenzen als das Radgewicht von weniger als sieben Kilo; bergab vermittelten die Renner dem TOUR-Team aber das Gefühl, schneller zu rollen als viele andere Transalp-Piloten; zu einem guten Teil ging das sicher auch auf das Konto der Zipp-404-Firecrest-Laufräder.

Pfeilschnell, knallhart

Aerodynamisch optimierte Rahmen und Laufräder sind erfahrungsgemäß anfällig für Seitenwind, der Unruhe ins Fahrwerk bringt. Die Scott-Testräder nahmen solche Angriffe vergleichweise gelassen hin, was der hohen Seitensteifigkeit von Rahmen und Gabel zu verdanken ist. Das Manko dieser Auslegung: Sowohl an der Gabel als auch am Sattel bietet das Foil kaum Komfort. Der Labortest bestätigt die Fahreindrücke. Im Vergleich zum Modell Addict, das nicht weiter gebaut wird, ist insbesondere das Tretlager deutlich steifer, die Komfortwerte fallen dagegen stark ab. Mit einem bereinigten Gewicht von 954 Gramm bleibt der Rahmen deutlich unter der Marke von einem Kilogramm. Die mattschwarze Lackierung des Top-Modells Premium mit silbergrauem Dekor erwies sich als unerwartete Herausforderung beim Putzen. Trotz reichlich Wasser und Spülmittel wehrte sich mancher Schmutz hartnäckig gegen seine Entfernung. Und: Die vorbeugende Versiegelung mit Hartwachs verursachte leichte Schatten auf der Oberfläche.

Fazit: Scott ist mit dem neuen Foil eine faszinierende Fahrmaschine gelungen – leicht, steif und mit dem Versprechen des aerodynamischen Vorteils. Das Fahrgefühl will diesem Versprechen gerne glauben – ob es der Wirklichkeit standhält, überprüfen wir bei nächster Gelegenheit im Windkanal.

  Eine Bohrung hinten am Ausfallende entlässt das innen geführte Di2-Kabel zum SchaltwerkFoto: Uwe Geißler
Eine Bohrung hinten am Ausfallende entlässt das innen geführte Di2-Kabel zum Schaltwerk

Preis 9.500 Euro
Gewicht 6,7 Kilo

Bezug/Info www.scott-sports.com
Rahmengrößen** XXS (47), XS (49) S (52), M (54), L (56), XL (58), XXL (61)
Sitz-/Lenkwinkel 74°/73,5°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 510/560/165 mm plus 7 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 995/46 mm
Stack/Reach/STR*** 570/400 mm/1,42

AUSSTATTUNG
Gabel Scott Foil HMX NET Carbon
Lenklager Ritchey WCS oben 1 1/8, unten 1 1/4 Zoll
Bremsen/Schaltung/Tretlager Shimano Dura-Ace Di2 (50/34Z., Pressfit)
Laufräder Zipp 404 Firecrest Carbon (Drahtreifen)
Reifen Continental GP4000S
Lenker/Vorbau Ritchey WCS Locic Curve/Ritchey 4-Axis Matrix Carbon
Sattel/-stütze Fizik Arione CX/Ritchey Foil Aero WCS Carbon

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad 6,7 Kilo (ohne Pedale)
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager 920/375/60 g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set**** 1.328 g – 1 , 7
Lenkkopfsteifigkeit 91 Nm/° – 1 , 7
Seitensteifigkeit Gabel 48 N/mm – 2 , 0
Tretlagersteifigkeit 64 N/mm – 1 , 0
Komfort Rahmen 344 N/mm – 3 , 0
Komfort Gabel 113 N/mm – 5 , 0

Foto: Jeanette Kühn
Foto: Jeanette Kühn

* In die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Getestete Rahmengröße gefettet.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/ waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerkappe; STR (Stack to Reach): Werte zwischen 1,45 und 1,55 bedeuten eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel.
**** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.