Die schnellsten Rennräder der WeltNeuer Aero-Bestwert: Stromm Rakkt im Test

Robert Kühnen

 · 04.04.2026

Das Stromm Raktt hat einen klaren Fokus: Für die wohl beste Aerodynamik auf dem Markt muss mancher Kompromiss gemacht werden
Foto: Wolfgang Papp
​Weltrekordler: Das neue schnellste Rennrad der Welt ist das Stromm Raktt aus den USA. Die Flunder hat Bahnrad-Gene, ist rasend schnell, aber nicht in allen Aspekten super

Fazit zum Test des Stromm Raktt

Wer ein Herz fürs Ballern hat, gerne Marken jenseits des Mainstreams bewegt und es zu schätzen weiß, auf dem momentan schnellsten Bike der Welt zu sitzen, wird in dem Raktt einen kongenialen Partner finden.

Daten und Fakten zum Stromm Raktt

Gewicht7.27 kg
SchaltungSRAM Red AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzZipp 454 NSW
Reifen vorneContinental Aero 111 29-622

​Was braucht es, um das schnellste Rad der Welt zu bauen? Hingabe, Design-Know-how und Fertigungstechnik. Hingabe hat Ben Rothacker, er rast selbst auf der Bahn. Expertise hat er auch, er war als Aerodynamiker bei Boeing beschäftigt. Und anfangs hat Rothacker zusammen mit seinen beiden Mitstreitern von Stromm Cycles auch selbst laminiert. Mittlerweile wird in Asien gefertigt und die Firma ist von Michigan nach Kalifornien umgezogen. Stromm hat seine Wurzeln auf der Bahn, das Straßenrad Raktt ist relativ neu und fand unser Augenmerk via Web-Recherche. Wenige Wochen später hielten wir das Rad in Händen, persönlich übergeben von Rothacker, der es über den Atlantik flog, nachdem das Paket am Zoll hängen geblieben war. Das entschlossene Handeln hat sich gelohnt, denn Stromm holt sich mit 196 Watt für 45 km/h im Windkanal die Krone für das schnellste bislang von TOUR gemessene Rad. Das liegt zum einen an der Auslegung mit gertenschlanken Rohrprofilen. Zum anderen sind aber auch die Anbauteile auf maximalen Speed getrimmt. Einfach-Kurbel, Aero-Reifen, hohe Laufräder und ein sehr schmaler Lenker bieten dem Wind wenig Angriffsfläche. Vor allem bei frontaler Anströmung, die dominiert, wenn wenig Wind herrscht oder sehr schnell gefahren wird, ist das Raktt überlegen flott.

Schnell, aber nicht superstabil

Dieser Eindruck ist bei der Testfahrt auch nicht von der Hand zu weisen. Die enge Armhaltung und der Blick auf das filigrane Geröhr mit den messerartigen, 75 Millimeter tiefen und 10 Millimeter dünnen Gabelscheiden animieren, ordentlich in die Pedale zu treten. Unsere Ausfahrt bei winterlichen Konditionen trifft nicht ganz den Einsatzzweck des Boliden, der eher danach ruft, in einem Einteiler rennmäßig bewegt zu werden – sei es mit Startnummer oder auf einer Vollgas-Feierabendrunde. Aber selbst mit dicken Winterklamotten rollt das Raktt leichtfüßig. Die Geometrie ist auf guten Geradeauslauf ausgelegt. Und das ist auch gut so, denn die Rahmensteifigkeit ist nicht ganz zeitgemäß. Sie erinnert an die erste Generation der Carbonräder im Profi-Peloton vor bald 40 Jahren. Die schwache Steifigkeit, vor allem die der vorderen Rahmenpartie, ist deutlich zu spüren.

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Fahrverhalten mit Fokus

Sie hindert uns aber nicht am Rasen. 80 km/h erreichen wir in der Abfahrt, ohne zu schlingern. Gleichwohl empfiehlt sich die Auslegung eher für Solofahrten als für Präzisionsmanöver in einem dicht gepackten Fahrerfeld. Die ebenfalls sehr geringe Tretlagersteifigkeit fällt beim Klettern nicht negativ auf, im beherzten Antritt fehlt allerdings das definierte Gefühl, das steifere Räder vermitteln. Allerdings bin ich als Testfahrer im Sprint keine Referenz, mein Motor ist eher auf Zeitfahren getrimmt. In dieser Disziplin ist das Raktt gut aufgehoben. Es marschiert, und es animiert. Die 1x12-Schaltgruppe mit 48-36 im ersten Gang ist nur für gute Kletterer noch praxistauglich. Alternativ ist das Rad auch mit Umwerfer erhältlich. Angeboten wir das Raktt in sechs Größen von 48 bis 61 Zentimeter. Die Sitzposition ist auf den Einsatzzweck angepasst gestreckt, aber nicht super extrem. Das Rad kommt mit einer Lenker-Vorbau-Kombi von Stromm, akzeptiert aber auch andere Fabrikate. Die Reifenfreiheit ist groß, vor allem für ein Aero-Modell, 34er-Reifen sind fahrbar. Die Schnellfahrmaschine ist damit absolut praxistauglich ausgelegt.

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Drei Ausstattungen stehen zur Wahl, das Rahmen-Kit mit Lenker ist für 6.160 Euro erhältlich. 11.563 Euro kostet das Testrad mit SRAM Red. Viel Geld, aber das Rad ist schneller und günstiger, als etablierte Hersteller es möglich machen. Wer ein Herz fürs Ballern hat, gerne Marken jenseits des Mainstreams bewegt und es zu schätzen weiß, auf dem momentan schnellsten Bike der Welt zu sitzen, wird in dem Raktt einen kongenialen Partner finden.

  • Preis: 11.563 Euro
  • Gewicht Komplettrad: 7,3 Kilo
  • Info: www.strommcycles.com
  • Rahmengrößen: 48, 51, 54, 56, 58, 61 cm

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