Die fünfte Auflage des Merida Reacto glänzt mit Verfeinerung und verbindet Top-Aero-Performance mit guter Allroundtauglichkeit
| Gewicht | 7.66 kg |
| Schaltung | Shimano Dura Ace Di2/Classified |
| Bremse vorne | Shimano Dura Ace |
| Laufradsatz | DT-Swiss ARC 1100/ARC650 |
| Reifen vorne | Continental Aero 111 29-622 |
Die Grundform des Reacto erinnert an seine Vorgänger, aber jedes Rohrprofil und jeder Rohrknoten wurde optimiert. Schaut man genau hin, offenbaren sich weitaus komplexere Übergänge als bislang, beispielsweise die markanten Kanten am Steuerkopf. Die Modifikationen geben dem Rad einen feineren Look, wozu auch das auffällig gestaltete Cockpit einen Beitrag leistet, das schmaler ist als von der UCI erlaubt: 24 Zentimeter von Griff zu Griff. Legales Mindestmaß sind 28 Zentimeter. Aber die Entwickler waren vom schmalsten Lenker so angetan, dass sie diesen an ihren privaten Rädern nicht missen und uns am schnellen Fahrgefühl teilhaben lassen wollten.
Geholfen haben bei der Entwicklung Aerodynamiker vom Laufradhersteller Reynolds. Nach Computer-Vorarbeit wurden in Windkanalsitzungen verschiedene Varianten getestet und schließlich die Version gewählt, die die beste Performance bot. Und die hat es in sich. Das Reacto macht einen großen Sprung nach vorne und verbessert sich von 208 auf 197 Watt, das ist der zweitbeste Wert, den wir bislang für ein Serienrad messen konnten. Für gewöhnlich geht die Entwicklung in deutlich kleineren Schritten.
Diese gewaltige Verbesserung ist das Ergebnis einer ganzheitlichen Betrachtung. Nicht nur Rahmen, Gabel und Cockpit wurden verbessert, sondern auch die Anbauteile konsequent ausgesucht, zumindest für die auf maximalen Speed getrimmte und von uns getestete Ausstattungsvariante One. Laufräder und Aero-Reifen sind ideal aufeinander abgestimmt. Das führt dazu, dass es am Vorderrad zu keinem Strömungsabriss bei unserem 20-Grad-Schwenk kommt. Frontal machen sich das schlanke Steuerrohr und die tieferen Gabelscheiden bemerkbar. Die letzten zwei bis drei Watt holt die Classified-Nabenschaltung, die den Umwerfer einspart, zusammen mit dem Aero-Kettenblatt.
Das Fahrgefühl ist das vertraute, aber in schneller. Die Geometrie ist fast komfortabel im Vergleich zu den anderen Extremisten, insgesamt etwas ruhiger, aber nicht langweilig. Der schmale Lenker ist im Wiegetritt gewöhnungsbedürftig, nach einer Einfahrzeit aber vermutlich nicht mehr störend. Die legale Lenker-Version setzt nur die Hebel auseinander, der Unterlenker bleibt gleich. Damit ist die Eingewöhnungsphase mutmaßlich kürzer, aber der Top-Speed geringer; die Bremsgriffhaltung mit abgeklappten Armen erweist sich regelmäßig als schnellste bei Messungen mit Fahrer. Das Rad fährt sicher, federt gut für einen Aero-Renner und nimmt bis zu 35 Millimeter breite Reifen auf. Das Fahrgefühl lässt sich daher beliebig tunen. Die montierte Kombi mit 29/30 Millimetern schafft bereits Federkomfort auf normalen Straßen, aber auch schlechte Straßen sind mit breiteren Reifen kein Problem. Das Gewicht liegt mit 7,7 Kilo etwas höher, das ist der Tribut an das innovative Nabenschaltungssystem. Das Reacto One ist in der Summe der beste Allrounder unter den Superbikes, weil frei von jeder Einschränkung. Dies mündet auch in die beste Gesamtnote in diesem Test. Das Rad kann Kopfsteinpflaster, bereitet aber auch auf der schnellen Hausrunde Freude. Es ist bergauf wie bergab ohne Kompromisse fahrbar. Wer ein schnelles Rennrad für alles will, findet im Reacto One eine hervorragende Basis. Der Preis ist hoch, aber nicht maßlos. Für 10.999 Euro in Top-Ausstattung ist der Gegenwert höher als bei manch anderer Marke, zumal auch ein Powermeter von Rotor inkludiert ist.