| Gewicht | 7.38 kg |
| Schaltung | Shimano Dura Ace Di2 |
| Bremse vorne | Shimano Dura Ace |
| Laufradsatz | Black Inc Sixty Two |
| Reifen vorne | Continental Grand Prix 5000TT TR 28-622 |
Zum ersten Mal gesehen haben wir das Rad als Protoytpen bei der letztjährigen Tour de France. Es erfüllte dort schon einen Zweck, nämlich um Aufmerksamkeit zu heischen. Im Einerlei der meist ähnlichen Zutaten schneller Räder sticht das One mit seiner massiven Gabel vor, deren Scheiden 125 Millimeter auseinander liegen. Das ist das Gegenteil von dem, was fast alle anderen machen, nämlich die Scheiden möglichst dicht am Vorderrad zu führen.
Angefangen mit diesem Trick hat Hope. Die Briten hatten die Bahnräder für Olympia 2021 in Tokio entworfen und erstmals Rahmen und Gabel so gedacht, dass sie den menschlichen Körper bzw. dessen Strömungseigenschaften beeinflussen und nutzen. Breit ausgestellte Gabelscheiden sollen vor den Beinen liegen – was zum einen die Stirnfläche des Gesamtsystems verringert, zudem aber auch die Luft vor den Beinen ordnet. Zum Hope Original-Rezept gehören auch weit ausgestellte Sitzstreben, die Luftverwirbelungen der Beine beruhigen sollen. Dieses Feature deutet Factor nur an, die Streben weisen oben nur 110 Millimeter Abstand auf. Der Preis für die weit ausgestellten Gabelscheiden konterkariert ein wenig die Bemühungen um eine verkleinerte Silhouette: Der Gabelkopf muss wuchtig ausfallen, um die Gabel ausreichend steif zu gestalten. Im Lenkkopf ist das One dafür schlank wie kein anderes: Zwischen den Lagerpunkten der Bajonett-Lenkung verjüngt sich das Steuerrohr, oder besser gesagt der flächige Bug des Rahmens, auf eine Breite von nur 22 Millimetern bei einer Tiefe von 153 Millimetern.
Im Windkanal schneidet das One auf Augenhöhe mit anderen bekannten Konstruktionen ab (Canyon Aeroad, Cervélo S5), kann sich aber nicht deutlich absetzen. Das ist eine leise Enttäuschung. Die außergewöhnliche Form bringt keinen messbaren Vorteil. Trotzdem ist das Rad absolut gesehen sehr schnell und lässt sich mit besserer Bereifung noch beschleunigen: Versuchsweise stecken wir einen Satz DT Swiss ARC 1100 65, bereift mit dem schlanken Conti Aero 111 in 26 Millimeter Breite, in das Rad. Damit durchbricht das Factor One die 200-Watt-Schwelle und landet bei 198,2 Watt. Ohne Umwerfer, den wir für das Experiment entfernen, schiebt sich das Rad auf 196,8 Watt – dorthin, wo es nach der Formensprache gehört.
Der ungewohnte Style liegt auch aus Fahrersicht im Blick und ist animierend. Das One ist kein Rad zum Rumschleichen. Lang und langsam? Eher nicht. Der Blick nach unten sagt: Gas geben! Und das macht durchaus Freude. Das Rad liegt satt auf der Piste und lenkt sich ausgewogen – wenn die komplizierte Scharnierlenkung nicht zu viel Reibung aufweist, wie bei unserer ersten Fahrt. Der Rahmen ist messtechnisch bockhart, aber die 28er Conti TT-Reifen blähen sich effektiv 31 Millimeter breit auf den Black Inc-Laufrädern; dadurch kann man den Reifendruck etwas reduzieren und dann federn die schnellen Gummis ordentlich, was dem Ritt die Härte nimmt. Die Steifigkeitswerte liegen im grünen Bereich, und mit 7.380 Gramm ist das Rad für einen Aero-Spezialisten mit ausladenden Formen auch akzeptabel leicht, zumal eine vollwertige 2x12-Schaltung montiert ist. Der geschwungene Lenker liegt gut in der Hand und ist nicht ultraschmal: 340 Millimeter beträgt der Abstand der leicht angewinkelten Griffe, 410 Millimeter liegen die Lenker enden auseinander – fast weit für heutige Verhältnisse und UCI-konform. Eine Vielzahl von Cockpits steht zur Auswahl, um das Rad trotz nur fünf Rahmengrößen an den Fahrer anzupassen, was zum Verkaufsprozess gehört. Gut so, denn bei 15.099 Euro sollte selbstverständlich sein, dass das Rad passt. Eisdiele oder Rennstrecke? Das Factor One punktet in beiden Disziplinen, ganz nach Vorliebe des Piloten.