Sebastian Lindner
· 20.09.2023
Reusser sicherte sich damit den dritten EM-Titel im Zeitfahren in Serie - und dass an ihrem 32. Geburtstag. Obwohl die Elite erst seit 2016 um Europameister-Titel kämpfen, ist die Eidgenossin damit trotzdem nicht Rekord-Siegerin, denn die ersten vier Austragungen gewann Ellen van Dijk aus den Niederlanden.
Auf dem 29,5 Kilometer langen Kurs mit Start im Zoo von Emmen und Ziel in der Stadt blieb Reusser jederzeit unangefochten. Keine der 30 Starterinnen konnte ihr nahe kommen. Am ehesten schaffte das noch ihre SD-Worx-Teamkollegen Anna Henderson (Großbritannien) und machte damit die Silbermedaille perfekt. Keine ganze Sekunde dahinter fuhr Christina Schweinberger zu Bronze.
“Es ist wirklich etwas Besonderes, zum dritten Mal in Folge gewonnen zu haben”, sagte Reusser im Siegerinterview. “Der Kurs lag mir gut, wobei ich momentan auch sehr gut klettere. Dass es nicht so technisch war, kam mir aber entgegen.”
Die beiden deutschen Starterinnen Katharina Fox (Maxx-Solar - Rose) und Lisa Klein (Lidl-Trek) lieferten mit Platz 11 und 12 unter 30 Fahrerinnen ordentliche Resultate ab. Mit 1:27 und 1:33 Minuten hielt sich der Rückstand zudem in Grenzen. Gerade für die 27-Jährige Fox, eigentlich Lehrerin, ist es bei ihrer ersten EM ein großer Erfolg.
Ähnlich deutlich wie im Rennen der Frauen war es auch bei den Männern. Der erst 19-jährige Tarling, jüngster Starter im Feld, deklassierte die durchaus namhafte Konkurrenz, auch wenn Weltmeister Remco Evenepoel (Belgien) und sein Vize Filippo Ganna (Italien) nicht am Start waren.
Dafür aber Schweizer Vorjahres-Sieger Stefan Bissegger, der diesmal Zweiter wurde, 42 Sekunden hinter Tarling. Und eine vor Wout Van Aert, dem Bronze und vor allem der große Rückstand auf den Youngster nicht schmecken dürfte. “Ich habe mich schlechter gefühlt als bei den Weltmeisterschaften”, sagte Tarling, WM-Dritter von Glasgow, dann auch noch.
Für die beiden deutschen Starter reichte es zu Plätzen im Mittelfeld. Max Walscheid wurde 15., 1:44 Minuten hinter Tarling, und war damit zufrieden. “Ich habe ein gutes Rennen gemacht, bin das gefahren was ich konnte. Den Wind fand ich nicht so schlimm, aber mental war es sehr hart, einfach nur Kopf runter und geradeausfahren. Das hat sich ein bisschen angefühlt wie Rolle fahren, und das ist nicht unbedingt mein Favourite.“ Miguel Heidemann landete auf Platz 21.
Lange war auch Ex-Europameister Stefan Küng auf Medaillenkurs. Doch der Schweizer stürzte auf den letzten Kilometern auf gerader Strecke, nachdem er für einen Moment die Kontrolle über seine Rennmaschine verloren hatte. Blutverschmiert mit mehreren Wunden im Gesicht und kaputtem Helm schleppte er sich aber dennoch ins Ziel und war als Elfter immer noch besser als ein Großteil der 32 Starter.