Andreas Kublik
· 11.03.2026
Scharfrichter nennt man sehr martialisch im Radsport die Schlüsselstellen, die im Peloton die Spreu vom Weizen trennen, über Sieger und Verlierer entscheiden. Bei der kommenden Spanien-Rundfahrt der Frauen, der Vuelta Femenina (3. bis 9. Mai 2026), müssen die Frauen auf den Schreckensberg Alto de l’Anglirù klettern. Dort wird sich das Rennen um den Gesamtsieg entscheiden. Der Anglirù ist so lang und so steil, dass voraussichtlich große Abstände auch zwischen den Besten entstehen werden: Auf 12,4 Kilometer Länge ist der mittlerweile asphaltierte, frühere Bergpfad für Viehhirten durchschnittlich 9,8 Prozent steil. In der Spitze bäumt sich die Bergstraße in Asturien mit bis zu 23,5 Prozent Steigung auf. Bei den Frauen ist die schmale Straße erstmals im Programm eines wichtigen Profirennens. Oben am Gipfel in 1.550 Metern Höhe endet das Etappenrennen am 9. Mai. Die Schlussetappe ist mit 132 Kilometern auch der längste Tagesabschnitt und mit 3.200 Höhenmetern auch der schwerste. Los geht die Vuelta Femenina am Sonntag, 3. Mai, in Marin in Galicien. Die insgesamt sieben Etappen führen über 815 Kilometer allesamt durch den nordwestlichen Teil Spaniens. Sprinterinnen dürften allenfalls auf dem weitgehend flachen fünften Tagesabschnitt gute Chancen auf einen Tageserfolg haben. Am 6. Tag wartet bereits eine kleine Bergankunft in Les Praeres. Der ehemalige Tour-Sieger Pedro Delgado bezeichnet den Anstieg als “kleinen Anglirù”.
Für das Rennen hat sich Pauline Ferrand-Prévot als Stargast angesagt. Die 34-jährige Französin, die im Trikot des niederländischen Rennstalls Visma-Lease a bike startet, gewann im vergangenen Jahr die Tour de France Femmes. Außerdem haben Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser (Team Movistar) aus der Schweiz und die Französinnen Juliette Berthet, geborene Labous, und Evita Muzic (FDJ-SUEZ) eine Teilnahme angekündigt. Außerdem sind die Namen der mehrmaligen Weltmeisterinnen Marianne Vos (Niederlande) und Lotte Kopecky (Belgien), der kletterstarken Spanierin Mavi Garcia (UAE Team) und der deutschen Topfahrerin Liane Lippert aus Reussers Team Movistar auf einer vorläufigen Startliste zu finden.

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