Das sportliche Geschehen der Vuelta a España wurde auf der 5. Etappe beim Mannschaftszeitfahren von Protesten beeinträchtigt. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie einige Demonstranten mit palästinensischen Fahnen die Straße versperrten und somit das israelische Team stoppten. Das Rad-Team um Sprinter Ethan Vernon musste kurz abbremsen, die Fahrer kamen fast zum Stillstand. Auch nachdem einige Profis durch die Protestierenden hindurchgefahren waren, versuchten diese noch, einzelne Fahrer daran zu hindern, die Fahrt fortzusetzen. Die Mannschaft verlor einiges an Zeit und belegt am Ende nur den 19. Platz unter 23 Teams. Der Rückstand auf das siegreiche UAE-Team betrug 54 Sekunden. Im Nachgang schrieben die Organisatoren dem Team jedoch 15 Sekunden gut, womit sie auf den 14. Platz vorrückten.
Dass eine solche Blockade nicht als harmloser Protest einzuordnen ist, dürfte schnell klar sein, wenn man sich die Geschwindigkeiten der Profis bei einem Mannschaftszeitfahren anschaut. Die Fahrer fliegen je nach Streckenabschnitt auch mal über 60 km/h über die Straße. Beim Mannschaftszeitfahren kommt eine besondere Herausforderung dazu. Nur der erste Fahrer hat die volle Sicht auf die vor dem Team liegende Strecke, die dahinter fahrenden Teamkollegen müssen dem Vordermann und den Ansagen aus dem Teamauto blind vertrauen.
“Es war sehr ärgerlich für uns als Team, ärgerlich für die Fahrer. Viele Jungs sind von dem Vorfall erschüttert. Es war ein Schock für uns”, sagte Sportdirektor Daryl Impey und betonte: “Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, das ist in Ordnung. Schwierig wird es jedoch, wenn man unser Leben aufs Spiel setzt, wenn die Fahrer mit dieser Geschwindigkeit fahren. Letztendlich will niemand verletzt werden.” Nach Berichten verschiedener Medien wurde ein Mann wegen “Verursachung einer ernsthaften Gefahr für den Verkehr, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Ungehorsam gegenüber den Behörden und Störung der öffentlichen Ordnung” festgenommen. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.
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Der Vorfall ist jedoch bei Weitem nicht der Einzige. Schon bei der Tour de France sah sich die israelische Mannschaft wegen des Nahost-Konflikts vereinzelt Protesten ausgesetzt. Vor Ort fiel uns während der Frankreich-Rundfahrt nicht nur der besondere Polizeischutz auf, sondern auch der fehlende Schriftzug auf dem Teambus. Vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme des Teams, um gezielte Vorgehen gegen den Teambus zu verhindern. Auf den Trikots der Fahrer waren die Sponsoren hingegen weiterhin sichtbar. Aber auch ohne die direkte Beteiligung eines Fahrers des Teams Israel - Premier Tech versuchte ein pro-palästinensischer Protestant auf der 11. Etappe das Finale zu stören. Ein Ordner konnte den Mann rechtzeitig an die Bande drücken, weshalb der Sprint zwischen Mauro Schmid (Team Jayco AlUla) und Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility), außer einer kurzen Verwirrung, kaum beeinträchtigt wurde.
Der dänische Ex-Profi Jakob Fuglsang gab im Interview mit dem dänischen Magazin Feltet seine Gedanken preis: “Es ist natürlich schöner, das Trikot nicht mehr zu tragen. Ich möchte mich nicht in das politische Geschehen einmischen, aber es ist definitiv schöner, ohne Israel-Logo herumzufahren als mit.“ Der 40-jährige wurde zwar selbst nicht Opfer von Protesten, nannte aber einen möglichen Grund für diese. “Während der Tour de France gibt es auch Klimademonstrationen. Das sind große Veranstaltungen, die viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen”, mutmaßte der ehemalige Radsportler.