Das Frauenteam von Soudal - Quick Step-Chef Patrick Lefevere hält auch in dieser Saison an seiner Vision der konsequenten Nachwuchsförderung fest. Mit den Neuzugängen Romy Kasper (GER) und Ashleigh Moolman-Pasio (RSA) sollen zwei gestandene Profis den jungen Kader des Continental-Teams als Road Captains führen. Durch den Teamwechsel hat Moolman sicher mehr Freiheiten, um aufs Gesamtklassement zu fahren.
Arkea Pro Cycling ist mit einem sehr dünnen Teamkader in die Saison gegangen (zehn Fahrerinnen). Geschäftsführer Emmanuel Hubert wünscht sich ein würdiges Auftreten seiner Equipe – viel mehr ist bei der Tour de France der Frauen wohl nicht zu erwarten. Die größte Herausforderung für das Continental-Team wird es sein, eine vollständige und wettbewerbsfähige Mannschaft an den Start zu bringen.
Teammanager Ronny Lauke musste in Lisa Klein und Mikayla Harvey zwei namhafte Abgänge aus dem World-Tour-Team verkraften. Die Polin Kasia Niewiadoma bleibt trotzdem eine der Tour-Favoritinnen. Mit Ricarda Bauernfeind aus Ingolstadt steht Niewiadoma eine kletterstarke Helferin zur Seite.
Das derzeit bestplatzierte Continental-Team in der Weltrangliste hat das Karriereende von Lisa Brennauer gut kompensieren können. Ceratizit kann sicherlich bei einigen Etappen mit den World-Tour-Teams auf Augenhöhe fahren. Starke Klassikerauftritte der Mannschaft um den früheren Profi Dirk Baldinger lassen sie selbstbewusst in die Auvergne fahren.
Bei Team Cofidis fehlen, wie schon in den vergangenen Jahren, weiterhin die ganz großen Namen im Kader der Continental-Equipe. Top-20-Ergebnisse bei Strade Bianche und Gent-Wevelgem lassen zwar Potenzial erkennen, reichen aber nicht, um sich bei der Tour in Szene zu setzen. Einzig die Deutsche Clara Koppenburg, die 2022 zum Team stieß, könnte bei guter Form auf bergigen Etappen ein Ergebnis einfahren.
Klein, aber fein – so könnte man die Transferpolitik von Teammanagerin Rachel Hedderman für diese Saison nennen. Von den drei Neuzugängen überzeugten Alison Jackson (CAN) mit ihrem sensationellen Paris-Roubaix-Sieg und Junioren-Cross-Weltmeisterin Zoe Bäckstedt (GBR) mit einem sehr soliden Frühjahr auf Anhieb. Mit Veronica Ewers (USA) hat die Equipe zudem eine Rundfahrerin mit Top-Ten-Ambitionen im Aufgebot.
Sollte Marta Cavalli ihren Horrorsturz der vergangenen Austragung mental komplett verarbeitet haben, ist FDJ-SUEZ in der Spitze sehr breit aufgestellt. Mit der Dänischen Meisterin Cecilie Uttrup Ludwig und Zwift-Weltmeisterin Loes Adegeest (NED) hat Cavalli starke Bergfahrerinnen an ihrer Seite. Das Team kann um das Podium mitfahren!
Die Betreibergesellschaft der belgischen Roodhooft-Brüder hat auch dieses Team in Besitz. Es erhielt für die Saison 2023 die letzte World-Tour-Lizenz und verdrängte das deutsche Team Ceratizit-WNT. Ein Viertel des gesamten Kaders sind Weltklasse-Crosserinnen. Yara Kastelijn könnte für eine Überraschung sorgen.
Das US-Team konnte mit Alice Barnes (GBR, von Canyon SRAM Racing) und Audrey Cordon-Ragot (FRA) zwei namhafte Fahrerinnen an Bord holen. Die Französin kam aufgrund ausbleibender Gehaltszahlung bei Zaaf Cycling erst vor ein paar Wochen ins Team.
Teammanager Ruben Contreras setzt in dieser Saison auf Umbruch und hat nahezu den gesamten Kader ausgetauscht. Erfolgsgarantin Tamara Dronova-Balabolina (RUS) hat Verstärkung erhalten – das Team verpflichtete überraschend Olympiasiegerin Anna Kiesenhofer (AUT), die allerdings nicht bei der Tour de France der Frauen am Start steht.
Ist Lizzie Deignan in Form, kann man ihr trotz Babypause einen Top-Ten-Platz zutrauen. Ansonsten haben Lucinda Brand (NED) und Amanda Spratt (AUS) schon bewiesen, dass sie einwöchige Rundfahrten können.
Ähnlich wie das Team von Hotel Valkenburg, das dieses Jahr von der ASO nicht eingeladen wurde, steht Lifeplus Wahoo (vorher Le Col) für Nachwuchsförderung und als Sprungbrett in die World Tour. Acht Fahrerinnen aus dem Kader von 2022 haben es aktuell in die höchste Liga des Frauenradsports geschafft. Für sie gibt’s deshalb bei der Tour de France der Frauen 2023 nur eine Priorität: weiter lernen!
Mit Mavi García (ESP) konnte vom UAE Team ADQ eine bergfeste Klassementfahrerin auf Weltniveau verpflichtet werden. Sie wird die alleinige Leaderin in der niederländischen Equipe sein, die durch Platz zwei von Katia Ragusa (ITA) bei Paris-Roubaix mit viel Selbstvertrauen anreisen dürfte.
Ähnlich wie das Movistar-Männerteam um Enric Mas dürfen sich die Frauen berechtigte Hoffnungen auf einen Podiumsplatz in Pau machen. Annemiek van Vleuten brennt in ihrem letzten Profijahr unverändert, die Deutsche Liane Lippert (von DSM) steht für die Nachfolge bereit. Welcher der beiden Fahrerinnen wird Teammanager Sebastian Unzue die Leaderrolle zuschreiben?
Das erst 2022 gegründete Team hat in den vergangenen Monaten einen enormen Sprung gemacht. Laufradhersteller Mavic konnte als Co-Sponsor gewonnen werden – das gibt Aufwind, wie der fünfte Platz von Marion Borras bei Paris-Roubaix zeigt. Mit der einen oder anderen Überraschung durch die kleine Mannschaft aus dem Nordwesten Frankreichs kann man rechnen.
Als der Organisator der Tour de France Mitte April das Aufgebot der teilnehmenden Teams bekannt gab, war die Nominierung vom Team Coop-Hitec Products durchaus überraschend. Mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren wird die sehr junge Mannschaft bei ihrer ersten Tour-Teilnahme hauptsächlich Erfahrungen sammeln.
Mit den Abgängen von Liane Lippert und Floortje Mackaij (beide zu Movistar) sowie Lorena Wiebes (zu SD Worx) hat Teamchef Iwan Spekenbrink drei Leistungsträgerinnen verloren. Die Transfers werden diese Lücke bei der Tour wohl nicht schließen können. Jetzt müssen sich andere Fahrerinnen beweisen, beispielsweise Brügge-de Panne-Siegerin Pfeiffer Georgi (GBR).
Mit den Australierinnen Amanda Spratt und Georgia Williams musste das Team zwei starke Rundfahrerinnen abgeben. Alexandra Manly, Gewinnerin der Thüringen-Rundfahrt 2022, wird versuchen, diesen Verlust zu kompensieren. Das Team Jayco-AlUla muss man für Etappensiege und einen vorderen Rang in der Gesamtwertung im Blick haben.
Trotz durchwachsenem Frühjahr ist Marianne Vos immer noch erfolgshungrig. Etappensiege sind möglich, bei der Verteidigung des Punktetrikots werden ihr Lotte Kopecky und Lorena Wiebes (beide Team SD Worx) aber das Leben schwer machen.
Der Branchenprimus der World Tour nimmt als Favorit die acht Etappen unter die Räder. Demi Vollering (NED) zeigte in der Vergangenheit keine Schwäche, mit der Verpflichtung von Sprinterin Lorena Wiebes (NED) dürfte auch das Punktetrikot an die Oranjes gehen. Anna van der Breggen, Sportliche Leiterin und ehemalige Gewinnerin von La Course und Giro Donne weiß genau, wie man Rundfahrten gewinnt.
Die italienische Fraktion um die Neuzugänge Silvia Persico und Chiara Consonni sowie Ex-Weltmeisterin Marta Bastianelli war in der bisherigen Saison der Garant für Resultate. Bastianelli hat vor der Tour de France der Frauen ihre Karriere beendet. So muss es vor allem Persico für das Team aus dem Nahen Osten richten.
Was der Sponsor – eine norwegisch-dänische Tankstellenkette – mit dem männlichen Pro-Continental-Team seit Jahren anstrebt, ist der Frauen-Equipe auf Anhieb gelungen – der Sprung in die World-Tour! Mit Hannah Ludwig steht auch eine deutsche Fahrerin im Aufgebot für die Tour de France der Frauen.