Nach den Klassiker-Etappen kommt die Tour mutmaßlich in ruhigeres Fahrwasser. Das vorläufige Klassement steht, alle haben ihre Rolle gefunden, das spricht für einen ruhigen Verlauf der achten Etappe, die voraussichtlich mit einem Massensprint enden wird.
Nennenswerte topographische Hindernisse sind nicht zu überwinden, die Höhenmeter verteilen sich auf viele kleine Hügel. Die Zielanfahrt in Laval beinhaltet die typischen französischer Straßen- Hindernisse: Bei 3.000 Meter umrundet das Feld einen Kreisverkehr für einen U-Turn. Zwei weitere Kreisverkehre werden gerade durchfahren.
Die Zielgerade ist 1,5 km lang, 6,5 Meter breit und steigt auf den letzten 1.000 Metern um 27 Meter. 200 Meter vor dem Ziel macht die Straße einen leichten Linksknick, hier sollte man vorne sein, um im Sprint Chancen zu haben.
Das Feld der Sprinter ist schon etwas ausgedünnt. Trotzdem gibt es zahlreichen Kandidaten für den Sprint. Die Favoriten sind mutmaßlich Jonathan Milan, Tim Merlier und Biniam Girmay. Vielleicht gelingt Phil Bauhaus oder Pascal Ackermann eine Überraschung.
Aufgrund der Kurve kurz vor dem Ziel simulieren wir einen Sprint über 200 Meter auf der leicht steigenden Zielgeraden.
Im Schlussspurt auf dem Boulevard Pierre Elaine setzen sich einmal mehr die aerodynamischsten Bikes durch. In unserer Simulation liegt das S5 zeitgleich vorne mit dem Van Rysel RCR-F Pro. Van Rysels Top-Aerodynamik und das geringere Gewicht des S5 neutralisieren sich auf der leicht ansteigenden Zielgeraden, sie sind rechnerisch zeitgleich.
Mit einem Leichtbike, das kein Sprinter verwenden wird, würde der Rückstand im Ziel 0,14 Sekunden betragen. Neben der Rad-Aerodynamik kommt es im Sprint natürlich auch sehr darauf an, wie tief sich der Fahrer übers Rad duckt. Mark Cavendish war der erste Sprinter, der seinen Sprint diesbezüglich perfektionierte und gezielt trainierte, in möglichst strömungsgünstiger Haltung seine Power auf die Straße zu bringen.
Welchen Unterschied das machen kann, konnten wir auf der dritten Etappe beobachten. Tim Merlier gewann um Reifenstärke gegen Jonathan Milan, der zunächst vorne lag. Merlier duckte sich dabei sichtlich tiefer über sein Rad als sein italienischer Konkurrent, der mutmaßlich mehr Power aufbrachte.
Die Tabelle zeigt: Im Sprint sind die Aero-Boliden unter sich. Das Gewicht spielt auf der leicht ansteigenden Zielgeraden nur eine kleine Nebenrolle.
*) Die Berechnungen beruhen auf den von TOUR in Labor und Windkanal getesteten Rädern. Die Maschinen bei der Tour de France können in Details davon abweichen. Auch Last-Minute-Prototypen konnten wir natürlich noch nicht untersuchen. Hintergründe zur Simulation.
Robert Kühnen ist studierter Maschinenbauer, schreibt für TOUR über Technik- und Trainingsthemen und entwickelt Prüfmethoden. Die Simulationsrechnungen verfeinert Robert seit Jahren, sie werden auch von Profi-Teams genutzt.