Im Gegensatz zum Vortag ist die Strecke der zweiten Etappe hügelig und im Finale stehen gleich drei kurze Anstiege auf dem Programm, die das Rennen taktisch ganz anders lagern und auch fürs Material Bedeutung haben.
Reine Sprinter haben in dem Finale keine Chance. 9,7 Kilometer vor dem Ziel beginnt der Anstieg zur Côte de Saint-Etienne-au-Mont (1 km, 10,8%) gefolgt von der Côte d’Outreau bei Kilometer 203,8 und dem “Schlussanstieg” von 1,2 km Länge mit durchschnittlich 3,8 %. Wahrlich keine Bergriesen, aber genug, um reinen Sprintern den Stecker zu ziehen.
Taktisch sind heute Puncheure wie Mathieu van der Poel oder Wout van Aert im Vorteil, die Explosivität und Stehvermögen haben. Es wäre ein weiteres Kapitel in ihrer langen Rivalität, würden sie sich in diesem Finale direkt duellieren.
Das Finale taugt aber auch Tadej Pogačar. Gut möglich, dass er hier ein Statement setzt, auch wenn es nur um ein paar Sekunden in der Gesamtwertung geht.
Die kurzen, aber steilen Klippen im Asphalt werfen die Frage aller Fragen auf, wenn es um das Material geht: So leicht wie möglich, oder so aerodynamisch wie möglich oder lieber etwas dazwischen?
Die Antwort darauf weiß unsere Simulation. Wir simulieren einen harten Antritt am Fuße der Côte de Saint-Etienne-au-Mont - eine Attacke im Stil von Mathieu van der Poel.
14 Sekunden liegen zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Rad für das Finale der zweiten Etappe. Würde Wout van Aert das Cervélo R5 mit 6,8 kg dem aerodynamisch schnelleren, aber schwereren S5 vorziehen, würde er 14 Sekunden verlieren, nur durch die Radwahl.
Denn die beiden Räder von Cervélo bilden die Antipoden in unserer Kalkulation. Das S5 ist das schnellste Rad und sticht sogar das noch etwas aerodynamischere Van Rysel RCR-F Pro knapp aus, weil es rund 400 g leichter ist. Auf den Plätzen folgen weitere Aero-Bikes. Mathieu van der Poel ist mit dem Canyon Aeroad auch sehr gut gerüstet. Tadej Pogačar wäre mit dem Colnago Y1Rs ebenfalls gut gerüstet und damit klar besser bedient als mit dem Colnago V5Rs.
*) Die Berechnungen beruhen auf den von TOUR in Labor und Windkanal getesteten Rädern. Die Maschinen bei der Tour de France können in Details davon abweichen. Auch Last-Minute-Prototypen konnten wir natürlich noch nicht untersuchen. Hintergründe zur Simulation.
Robert Kühnen ist studierter Maschinenbauer, schreibt für TOUR über Technik- und Trainingsthemen und entwickelt Prüfmethoden. Die Simulationsrechnungen verfeinert Robert seit Jahren, sie werden auch von Profi-Teams genutzt.