Mit dem Dopingfall von Patrik Sinkewitz vor der Tour de France 2007 zog der Vorstand der Deutschen Telekom die Reißleine und beendete damals das langjährige Sponsoring des Team T-Mobiles. Als Teamchef fungierte zu jener Zeit der US-Milliardär Bob Stapleton, dessen Betreibergesellschaft daraufhin die Lizenz des Rennstalls übernahm. Allerdings zunächst ohne Hauptsponsor: Erst im Laufe des Jahres gewann Stapleton die Outdoor-Bekleidungsfirma Columbia Sports aus den USA.
Da ein Großteil der Fahrer aus T-Mobile-Zeiten weiterhin zum Kader gehörte, zählte die überwiegend junge Mannschaft ab Saisonbeginn zu den erfolgreichsten Teams. Das setzte sich ebenfalls bei der Tour de France fort, bei der 2008 der Stern von Mark Cavendish aufging. Ein Überblick, wie es den Fahrern aus dem damaligen Tour-Aufgebot seitdem ergangen ist.
Ein Platz in den Geschichtsbüchern ist dem Briten sicher. Mit dem Etappensieg in Saint-Vulbas bei der Tour de France 2024 holte sich Cavendish den 35. Tagessieg in Frankreich – und löste damit Eddy Merckx in der ewigen Bestenliste ab. Der britische Sprinter ist nun der erfolgreichste Etappensieger der Tour-Historie.
Das Jahr 2008 brachte die große Karriere des heute 39-Jährigen allerdings erst richtig ins Rollen. Als riesiges Talent galt Cavendish schon damals und bestritt mit 22 Jahren 2007 für Team T-Mobile bereits sein Tour-Debüt. Doch sein Siegeszug bei der Frankreich-Rundfahrt begann erst ein Jahr später, genauer: am 9. Juli mit der 5. Etappe nach Chateauroux.
Es war ein denkwürdiges Teilstück. Denn den letzten Ausreißer Nicolas Vogondy stellte das Feld erst 200 Meter vor dem Ziel. Zu jenem Zeitpunkt war Cavendish durch Anfahrer Gerald Ciolek aber bereits in eine ideale Position gebracht worden, sodass er mit einem tiefen, aerodynamischen Sprintstil anschließend souverän seinen Premierensieg holte. Im Laufe jener Tour sollten drei weitere Etappensiege folgen. Vor der 15. Etappe stieg er jedoch aus. Bis einschließlich 2013 erhöhte Cavendish seine Anzahl an Tour-Etappensiegen auf 25.
Sein bis dato steiler Karriereweg erlebte im Anschluss jedoch diverse Einbrüche. Denn mehrmals galt Cavendish aufgrund eines Epstein-Barr-Virus und zahlreicher Stürze in den Folgejahren als abgeschrieben. Doch der Brite zeigte sich stets widerstandsfähig und als Comeback-Spezialist. Neben seinem Tour-Etappenrekord ist dies das größte Vermächtnis seiner Karriere. Zum Ende der Saison 2024 gab Cavendish sein Karriereende bekannt. Über seine Zukunftspläne ist noch wenig bekannt.
Der Luxemburger ging im Team Columbia als Mann für die Gesamtwertung in die Tour de France 2008, trug zwischenzeitlich für vier Tage das Gelbe Trikot und beendete die Rundfahrt am Ende auf Rang sieben. Kirchen galt zu jener Zeit als einer der vielseitigsten Fahrer im Peloton, gewann 2008 ebenfalls den Fleche Wallonne und die Baskenland-Rundfahrt.
2010, nach einem Wechsel zum Team Katusha, endete seine Karriere allerdings jäh: Bei der Tour de Suisse erlitt er einen Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Mehrere Tage lag er im Koma. Ins Peloton kehrte er anschließend nicht mehr zurück.
Seit 2015 arbeitet der heute 46-Jährige im luxemburgischen Sportministerium und kümmert sich dort um politische Themen rund um die Entwicklung und Förderung von Sporteinrichtungen. Den Profi-Radsport verfolgt er jedoch weiterhin: Für den luxemburgischen TV-Sender RTL kommentiert er regelmäßig die großen Rennen im Kalender.
Die Tour de France 2008 brachte Burghardt mit dem Etappensieg in St. Etienne den größten Erfolg seiner Laufbahn. Im Zweiersprint besiegter er damals auf der 18. Etappe seinen Fluchtbegleiter Carlos Barredo. Seine Karriere setzte Burghardt anschließend bis 2021 fort und erwies sich in jener Zeit als wichtiger Helfer in den Teams BMC und Bora-Hansgrohe.
In der Saison 2021 zog er sich bei einem Sturz bei der Polen-Rundfahrt mehrere Brüche zu. Da er für 2022 keinen neuen Vertrag bei Bora-Hansgrohe bekam und der Reha-Fortschritt nach seinem Sturz stockte, verkündete Burghardt im Frühjahr 2022 seinen Rücktritt vom Profiradsport.
Im selben Jahr wurde er kooptiertes Mitglied im Präsidium des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) und gewählt. 2023 übernahm er im Verband die Position als Vize-Präsident Vertragssport. Seit 2022 veranstaltet Burghardt außerdem das Jedermann-Event Shades of Speed.
Mit 18 Jahren sicherte sich Ciolek 2005 bereits den Titel des Deutschen Meisters, ein Jahr später folgte der U23-Weltmeistertitel. Erfolge, die Cioleks Karriere auf Anhieb an eine riesige Erwartungshaltung koppelten, die der heute 38-Jährige aber nie erfüllen konnte.
Trotzdem legte er eine beachtliche Karriere hin, die insbesondere immer dann große Siege vorsah, wenn keiner mit Ciolek rechnete. Stellvertretend dafür steht sein sensationeller Sieg im Schneechaos bei Mailand-San Remo 2013. Außerdem gewann Ciolek 2009 eine Etappe bei der Vuelta a Espana.
Bei der Tour de France 2008 fungierte er als Anfahrer für Cavendish. Mit 30 Jahren zog er 2017 schließlich ein Schlussstrich unter seine Karriere und ging zunächst auf Abstand zum Profi-Radsport. Seit einigen Jahren engagiert sich Ciolek jedoch im Breitensport- und Nachwuchsbereich. Ab 2019 übernahm er die Sportliche Leitung beim deutschen Continental-Team Dauer-Akkon. Ebenfalls seit 2019 engagiert sich Ciolek in dem Kölner Community-Projekt RennRad Cycling Club. Außerdem ist er ausgebildeter Barista.
Nach dem Karriereende 2019 stieg Eisel als Experte beim TV-Sender Eurosport ein und füllt diese Aufgabe bis heute aus. Auch für das Streaming-Kanal Global Cycling Network war er tätig. Seit 2022 gehört der 43-Jährige zudem als Sportlicher Leiter zum Team Red Bull-Bora-Hansgrohe.
Seine aktive Zeit ist vor allem mit den Erfolgen von Cavendish verknüpft, er selbst gewann nur selten Rennen. Immerhin steht sein Name aber in der Siegerliste von Gent-Wevelgem (2010). Vor allem von 2008 bis 2011 beim Team Columbia (später HTC-Highroad) hatte Eisel mit seiner Erfahrung im Sprintzug einen enormen Anteil an den vielen Etappensiegen von Cavendish.
2012 gingen Eisel und Cavendish dann zum Team Sky und fuhren später bei Dimension Data wieder zusammen. Auch abseits des Sports haben beide eine enge Bindung: 2013 fungierte Cavendish als Trauzeuge von Eisel.
Der Australier ist weiterhin allgegenwärtig im Profiradsport. Nach seinem Karriereende übernahm Hansen im März 2023 den Vorsitz der Radrennfahrervereinigung Cyclistes Professionnels Associes (CPA). Er ist somit Stimme und Vertreter der Profis im Dialog mit Rennleitern, dem Weltverband und anderen Interessensvertretern – und tritt bislang deutlich meinungsstärker und fordernder auf als Vorgänger Gianni Bugno.
Seine aktive Zeit begann Hansen 2007 beim Team T-Mobile und bestritt 2008 für Columbia seine erste Tour de France. In Erinnerung blieb der heute 43-Jährige vor allem dadurch, dass er zwischen 2011 und 2018 an 20 aufeinanderfolgenden Grand Tours teilnahm und diese jeweils beendete – Rekord. 2013 gewann er dabei eine Etappe beim Giro d’Italia, 2014 bei der Vuelta a Espana.
Ende 2020 verlängerte sein langjähriges Team Lotto Soudal allerdings seinen Vertrag nicht mehr. Hansen beendete daraufhin seine Karriere und stieg auf Triathlon um. Allerdings war der heute 53-Jährige schon zur seiner Profizeit umtriebig und produzierte seinen eigenen Carbon-Radschuhe, besaß mit “Hanseeno” eine eigene Mode-Marke und investierte in Immobilien-Projekte in seiner Wahlheimat Tschechien.
Als Routinier erfüllte der US-Amerikaner auch 2008 im Tour-Aufgebot von Columbia eine wertvolle Aufgabe als Helfer. Insgesamt 17-mal nahm er an der Frankreich-Rundfahrt teil, was nur von Sylvain Chavanel (18 Starts) übertroffen wird. Ein Großteil der Tour-Starts bestritt Hincapie an der Seite von Lance Armstrong für das Team US Postal.
Im Zuge der USADA-Ermittlungen rund um Armstrongs-Tour-Siege gestand Hincapie 2012, bis zum Jahr 2006 gedopt zu haben und belastete in seinen Aussagen auch Armstrong. Er selbst erhielt eine sechsmonatige Sperre und verlor seinen Tour-de-France-Etappensieg aus dem Jahr 2005. Im Anschluss beendete er 2012 seine Karriere.
Heute ist Hincapie trotzdem ein enger Vertrauter von Armstrong. Inzwischen sind beide Geschäftspartner und Hincapie regelmäßig als Co-Moderator in Armstrongs Podcast “The Move” dabei.
Bereits als Aktiver stieg Hincapie 1998 in das Sportbekleidungsunternehmen “Hincapie Sportswaear” seines Bruders Richard ein. Beide betreiben ebenfalls das Hotel Domestique in Greenville. Nach dem Karriereende etablierte Hincapie zudem das Breitensport-Event “Gran Fondo Hincapie”, das inzwischen auf fünf Veranstaltungen pro Jahr in den USA angewachsen ist.
Anfang der 2000er-Jahre galt der Schwede als eines der größten Talente im Radsport. Dieser hohen Erwartungshaltung konnte er allerdings nie gerecht werden. Beim Team Columbia waren die Hoffnungen damals allerdings noch groß auf Löfkvist.
Doch die damalige Tour de France beendete unauffällig auf Platz 39. Später fuhr der heute 40-Jährige noch für das Team Sky und IAM Cycling. 2014 beendete er aufgrund von chronischer Erschöpfung seine Laufbahn. “Mein Körper sagt, dass ich aufhören soll”, sagte er damals. Sein größter Erfolg war der Gesamtsieg bei Tour Mediterraneen 2013.
Nach der aktiven Laufbahn übte er bis 2017 die Position des Sportdirektors beim schwedischen Continental-Team Tre Berg-Bianchi aus. Im Anschluss widmete er sich einem Management-Studiengang an der Universität im schwedischen Uppsala und agierte als Einzeltrainer für einige schwedische Radsportler. Öffentlich ist jedoch nicht viel über die weitere berufliche Laufbahn von Löfkvist bekannt.
Der Belarusse war in seiner Karriere vor allem wegen seiner Zeitfahrqualitäten geschätzt. Bei der Tour de France 2008 trat er allerdings nicht groß in Erscheinung, erfüllte indes seine Aufgabe als Helfer.
2018 wurde der heute 42-Jährige positiv auf EPO getestet – damals fuhr er für Bahrain-Merida. Er bekam daraufhin eine vierjährige Sperre und beendete 2020 offiziell seine Karriere. Laut seinem Profil auf der Website Linkedin ist Sivtsov heute Manager beim Unternehmen Kosta Group, mit Sitz in Florida.