Für sein viel beachtetes Comeback suchte sich Lance Armstrong 2009 das Team Astana aus, dem Rennstall seines ehemaligen Sportlichen Leiters Johan Bruyneel. Die kasachische Mannschaft stieg mit diesem Transfer fortan zu einer Über-Mannschaft auf, schließlich gehörten bereits große Namen wie Alberto Contador, Andreas Klöden oder Levi Leipheimer zur Mannschaft. Die vielen Egos boten allerdings auch Konfliktpotenzial, was sich während der Tour de France insbesondere zwischen Contador und Armstrong offenbarte. Der Erfolg gab dem Team jedoch recht: Contador gewann das Gelbe Trikot, Armstrong wurde Dritte und Astana sicherte sich die Mannschaftswertung.
Von Dauer war die Konstellation jedoch nicht. Für 2010 gründeten Armstrong und Bruyneel mit RadioShack-Nissan ihren eigenen Rennstall und nahmen den Großteil der Fahrer mit ins neue Team. Contador blieb indes bei Astana. Eine weitere Zusammenarbeit mit Armstrong war für den Spanier undenkbar. “Ich will in einem Team sein, dass hundert Prozent für mich fährt”, sagte Contador zu jener Zeit. Ein Überblick, wie es den neun Fahrern aus dem damaligen Tour-Aufgebot von Astana seitdem erging.
Bei den großen Rennen ist Contador noch heute ein präsentes Gesicht als Experte beim TV-Sender Eurosport. Bei der Tour de France 2009 war der Spanier indes selbst im Mittelpunkt der Diskussionen: Zum einen wegen seiner Leistungen, zum anderen wegen der Rivalität zu Armstrong. Die schwierigsten Tage bei der Tour habe er im Hotel gehabt, beteuerte der Spanier nach der Rundfahrt. Vielsagend fügte Contador an: “Meine Beziehung zu Lance ist nicht existent. Auch wenn er ein großer Champion ist, habe ich ihn nie bewundert und werde es nie tun.”
Sportlich war Contador indes die überragende Figur der Tour 2009 und dominierte die Konkurrenz nicht nur in den Bergen, sondern auch im Zeitfahren. Am Ende feierte er seinen zweiten Gesamtsieg nach 2007. Allerdings lag über seinen Auftritten zu jener Zeit der Schatten von Dopingverdächtigungen. Einen Nachweis gab es allerdings nicht. Ein Jahr später gewann Contador erneut die Frankreich-Rundfahrt, verlor den Gesamtsieg 2010 jedoch wegen eines Dopingbefundes. Nach Comeback gewann Contador 2012 und 2014 die Vuelta a Espana und 2015 den Giro d’Italia. Seine Karriere setzte er bis 2017 fort.
Bereits während seiner Laufbahn startete der heute 42-Jährige eine Radsport-Akademie mit seiner Stiftung Fundacion Contador mit dazugehörendem Nachwuchsteam, das seit 2021 mit einer Pro-Continental-Lizenz ausgestattet ist. Contador führt das Team, das aktuell unter den Namen Polti-Kometa firmiert, mit seinem Bruder Francisco Contador und Ivan Basso. Beim Giro d’Italia gelangen dem Team bereits zwei Tagessiege.
Neben dem Profiradsport ist Contador im Breitensport tätig und veranstaltet jährlich in Spanien den “Gran Fondo Alberto Contador”, an dem rund 4000 Hobby-Radsportler teilnehmen. Mit Basso gründete Contador 2020 zudem die Rennrad-Marke Aurum.
Nach dreijähriger Pause war Armstrong 2009 mit 38 Jahren zurück im Peloton. Sein Ziel, erneut die Tour de France zu gewinnen, verhinderte ausgerechnet sein Teamkollege Contador. Armstrong musste sich in Paris mit Platz drei begnügen. Insgesamt blieb seine Rückkehr allerdings von überschaubarem Erfolg – 2010 beendete er seine Laufbahn endgültig.
Im Anschluss geriet er in die Schusslinie der US-Antidopingagentur USADA, deren Ermittlungen sich um Armstrongs Zeit bei US Postal und seinen Tour-Siegen von 1999 bis 2005 drehten. Fortan belasteten immer mehr ehemalige Teamkollegen Armstrong, sodass es 2012 zur Anklage kam. 2013 legte Armstrong in einem TV-Interview bei Oprah Winfrey sein Dopinggeständnis ab: Bei allen sieben Tour-Siegen war er gedopt. Es folgte die Aberkennung seiner Erfolge und eine lebenslange Sperre. Außerdem musste sich der Texaner zahlreichen gerichtlichen Klagen von Versicherungen und ehemaligen Partnern stellen, die ihn nahe an den finanziellen Ruin führten.
Mittlerweile hat sich Armstrong jedoch eine neue erfolgreiche Existenz aufgebaut. Zum einen verdiente er sich sein Geld als Investor, unter anderem setzte er früh auf das Unternehmen Uber, zum anderen gründete Armstrong 2016 das Unternehmen WEDU, mit dem er früh in das Podcast-Business einstieg. Insbesondere das Radsport-Format “The Move” ist bis heute einer der erfolgreichsten Sportpodcasts der USA und brachte Armstrong viele neue Markenpartnerschaften ein.
Heute ist der 49-Jährige Markenbotschafter für das Radunternehmen Schmolke, für das er unter anderem Rennradevents für Hobbyfahrer begleitet. In der breiten Öffentlichkeit tritt Klöden jedoch selten auf. Auch zum Profi-Radsport hat er kaum noch Verbindungen.
Seine größten Erfolge feierte Klöden im Trikot von Team Telekom: 2004 stellte er als “Kronprinz” Teamkollege Jan Ullrich bei der Tour de France in den Schatten und belegte hinter Armstrong den zweiten Platz, 2006 erreichte er ebenfalls Rang drei, der später nach der Disqualifikation von Tour-Sieger Floyd Landis zu Platz zwei wurde.
Früh begleiteten Klöden allerdings Dopingverdächtigungen. Im Abschlussbericht zum Verfahren um die Sportmediziner der Universitätsklinik Freiburg, die auch das Team Telekom betreuten, wurde Klöden 2009 mit dem Vorwurf des Eigenblutdopings belastet. Klöden dementierte und trat zeitweise in einen Presseboykott. Später wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Zahlung eingestellt.
In der starken Astana-Mannschaft des Jahres 2009 beendete Klöden die Tour de France auf Platz sechs. Im Anschluss wechselte er mit Armstrong zum Team RadioShack und beendete 2013 seine Laufbahn.
Der US-Amerikaner hinterließ im deutschen Radsport seine Spuren als Kapitän des Team Gerolsteiners: Zwei Jahre fuhr er den Rennstall von Hans-Michael Holczer und erreichte 2005 den fünften Platz bei der Tour de France. Bei der Frankreich-Rundfahrt 2009 war Leipheimer bei Astana als wichtiger Berghelfer vorgesehen, musste die Rundfahrt nach der 12. Etappe jedoch wegen eines Handgelenkbruchs verlassen.
Mit Lance Armstrong fuhr Leipheimer derweil schon ab 2000 für zwei Jahre bei US Postal zusammen – und sagte 2012 als Kronzeuge im USADA-Ermittlungsverfahren gegen Armstrong aus. Leipheimer gab zu, bis 2007 Epo und Eigenblutdoping verwendet zu haben. Er bekam eine sechsmonatige Sperre.
Sein damaliges Team Omega Pharma Quick-Step trennte sich daraufhin von ihm. Ein neues Team fand Leipheimer nicht und erklärte im Mai 2013 sein Karriereende. Seine Ergebnisse wurden rückwirkend bis 2007 gestrichen – darunter auch sein dritter Platz bei der Tour de France 2007.
Bereits 2009 organisierte der heute 51-Jährige erstmals den “Levi’s Granfondo”, der inzwischen durch die Wein-Region Sonoma County führt und jährlich über 7000 Hobby- und Amateurfahrer anlockt.
Vielen Radsportinteressierten dürfte der Name des Kasachen heute nicht mehr zwingend etwas sagen. 2009 bestritt Muravyev seine erste Tour de France und zog ein Jahr später mit dem Großteil des Teams zu Armstrongs neuem Team Radioshack-Nissan weiter. Dort gehörte er im hochkarätigen Aufgebot zwei weitere Male zum Tour-Kader. Muravyevs Stärke war das Zeitfahren, dreimal gewann er die kasachische Meisterschaft. Bei den großen Rundfahrten war er aber vor allem als Helfer geschätzt.
2012 kehrte er zu Astana zurück und beendete 2014 seine Laufbahn. Ein drittes Mal stand er ab 2020 bei Astana unter Vertrag, dieses Mal als Sportlicher Leiter. Diese Aufgabe erfüllte er bis zum Saisonende 2021. Über seinen weiteren Weg im Anschluss ist öffentlich nichts bekannt.
Nach dem Karriereende wechselte der Portugiese in die Radtouristik. Für das Reiseunternehmen inGamba organisiert und begleitet Paulinho inzwischen exklusive Radtouren durch Portugal, Italien oder Frankreich.
Seinen Durchbruch erlebte er mit 24 Jahren als Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, woraufhin er einen Vertrag bei Liberty Seguros erhielt. Bei der Vuelta a Espana 2006 sowie bei der Tour de France 2010 gewann der heute 44-Jährige jeweils eine Etappe. Nach dem Ende des Teams Tinkoff kam Paulinho 2016 allerdings nur noch beim portugiesischen Continental-Team Efapel unter. Dort setzte er bis 2021 seine Karriere fort.
Der Ukrainer hat sich nach der aktiven Karriere als Sportlicher Leiter im Profi-Radsport etabliert: Seit 2016 füllt er diese Rolle beim Team Lidl-Trek aus, dem heutigen Nachfolgerteam vom RadioShack-Nissan, das 2010 Armstrong ins Leben rief. Popovych ist inzwischen als Sportlicher Leiter regelmäßig bei den großen Rennen wie der Tour de France dabei. Seine Laufbahn beendete er nach Paris-Roubaix 2016.
Aufsehen erregte Popovych erstmals mit dem Gewinn des U23-Weltmeistertitels 2001 und bestätigte sein Talent 2003, als er im Trikot von Landbouwkrediet einen überraschenden dritten Gesamtrang beim Giro d’Italia einfuhr. Ein Jahr später trug er zwei Tage das Rosa Trikot und landete auf Platz fünf.
Bei Discovery Channel sollte er ab 2005 zum Nachfolger von Lance Armstrong aufgebaut werden. Gleich im ersten Jahr gewann er als Gesamtzwölfter die Nachwuchswertung der Frankreich-Rundfahrt, doch die hohen Erwartungen konnte er anschließend nicht bestätigen – auch wenn er 2006 eine Tour-Etappe gewann und 2007 auf Platz acht im Klassement landete. In den Folgejahren wuchs der heute 44-Jährige in die Rolle eines Edelhelfers und Road Captains.
Als ehemaliger Teamkollege bei Discovery Channel von Armstrong sagte auch Popovych 2010 im Zuge der USADA-Ermittlungen aus, verneinte damals jedoch jegliche Kenntnis über Dopingpraktiken im Team. Im Ukraine-Krieg engagiert sich Popovych derzeit mit privaten Hilfsleistungen in seiner Heimat und war 2022 für diese Aufgaben von Lidl-Trek sogar freigestellt.
Der Schweizer wechselte ebenfalls vom Rad hinters Steuer als Sportlicher Leiter und hat einen ähnlichen Weg wie Popovych hinter sich: Denn auch Rast ging vom Karriereende 2018 direkt ins sportliche Management des amerikanischen Rennstalls über. Zuvor fuhr er zwei Jahre unter Popovych als Vorgesetzten.
Bis 2018 gehörte Rast 17 Jahre zum Profi-Peloton und etablierte sich vor allem als Helfer. Seine größten Erfolge waren 2004 und 2006 der Gewinn der Schweizer Straßenmeisterschaft sowie 2013 ein Etappensieg bei der Tour de Suisse. Einen Schwerpunkt seines Rennkalenders nahmen aber stets die flämischen Klassiker ein – so stand Rast 16-Mal am Start der Flandern-Rundfahrt.
Wenig überraschend verantwortet der heute 44-Jährige inzwischen auch als Sportlicher Leiter die Pavé-Klassiker für Lidl-Trek und arbeitet eng mit Fahrern wie Jasper Stuyven und Mads Pedersen zusammen.
Erst mit 40 Jahren beendete der Baske 2017 seine lange Karriere, die ihm bereits 2003 einen fünften Platz bei der Tour de France bescherte. Im Anschluss etablierte sich der heute 47-Jährige als einer der beständigsten und besten Rundfahrer im Peloton und erreichte fünf weitere Top-Ten-Platzierungen bei der Frankreich-Rundfahrt. Seine Konstanz ging jedoch auf Kosten von Siegen. Daher stand Zubeldia stets im Ruf, ein guter, aber unauffälliger Fahrer zu sein. Lediglich drei Einzelsiege stehen in seiner Vita – zwei davon sind Gesamterfolge bei kleineren Rundfahrten.
Sein Instagram-Profil weist Zubeldia heute als Markenbotschafter für das Sporternährungs-Unternehmen Powerbar und den Fahrradhersteller Orbea aus. Außerdem soll er als Produktentwickler bei der Bekleidungsfirma Etxeondo sowie bei Abus, einem Hersteller von Fahrradhelmen und -schlössern, tätig sein. Im Breitensportbereich ist er in die baskische Veranstaltung “Haimar Zubeldia Klasikoa” involviert.