Julian Schultz
· 23.07.2024
Bevor das Team UAE Emirates die Feierlichkeiten in Nizza einläutete, sprachen wir mit Edelhelfer Nils Politt über seine persönliche Leistung als bester Deutscher bei der Tour de France 2024 und natürlich über seinen Teamkollegen Tadej Pogacar, der der Frankreich-Rundfahrt mit insgesamt sechs Etappensiegen und seinem ungefährdeten Gesamtsieg den Stempel aufdrückte.
TOUR: Herr Politt, es ist geschafft: Mehr als drei Wochen beim härtesten Radrennen der Welt liegen hinter Ihnen. Wie fällt Ihr erstes Fazit kurz nach der letzten Etappe aus?
Nils Politt: Sechs Etappen gewonnen. Gesamtwertung gewonnen. Teamwertung gewonnen. Das Fazit fällt natürlich rundum positiv aus.
TOUR: Und Ihr persönliches Resümee?
Nils Politt: Ich war sehr gut in Form. Wir haben uns auch als Team extrem gut auf die Tour vorbereitet und eine starke Mannschaft mitgebracht.
TOUR: Waren Sie mitunter sogar selbst von sich überrascht? Uns ist noch ihre beeindruckende Fahrt über den Col du Tourmalet im Kopf, als Sie den gesamten Anstieg an der Spitze gefahren sind.
Nils Politt: (lacht) Das Team hatte einen Plan. Der erste Fokus waren im Frühjahr die Klassiker, die bin ich schon stark gefahren (u.a. Vierter bei Paris-Roubaix, Anm. d. Red.). Danach hat mich das Team in Ruhe gelassen und ich konnte im Höhentrainingslager mit der Mannschaft einen Neuaufbau machen. Da haben wir natürlich viel in den Bergen trainiert. Zuvor hatte ich schon wieder im Schwarzwald mit dem Training angefangen und insgesamt etwas berglastiger trainiert. Das hat sich ausgezahlt.
TOUR: Wir müssen natürlich auch über Ihren Kapitän sprechen...
Nils Politt: Einfach nur Chapeau! Ich war jetzt vier Wochen um ihn herum, er ist einfach eine wahnsinnig große Persönlichkeit. Mit welcher Gelassenheit und wie viel Spaß er den Radsport betreibt, ist einfach Wahnsinn. Er ist ein Riesentalent und hat bewiesen, dass er der weltbeste Fahrer ist.
TOUR: Sie sind in Ihrer Karriere schon mit vielen Top-Fahrern in einem Team gewesen. Worin unterscheidet sich Pogacar von den anderen?
Nils Politt: Er ist ein extrem gelassener Fahrer und hat einfach Spaß an seinem Job. Es ist egal, ob es eine Bergetappe ist oder eine Sprintetappe, bei der er dann auf einmal vorne rumfährt. Als Teamkollege denkt man sich dann eher, dass man ihn aus dem Gedränge zurückziehen muss. Wenn er merkt, dass er gute Beine hat, dann lässt er das auch auf der Straße liegen. Da kann er schon noch das eine oder andere Korn sparen. Er hatte dieses Jahr keinen Einbruch und hat immer an seine Stärken geglaubt. Sowas hatte ich vorher bei anderen Fahrern, die ich bei der Tour am Hinterrad hatte, noch nicht.
TOUR: Das klingt danach, als ob man ihn bremsen muss. Mit dem Giro und der Tour hat er bereits das Double. Gibt es im Team Gedankenspiele, dass er auch noch bei der Vuelta startet und das Triple in Angriff nimmt?
Nils Politt: Nein, ich weiß aus erster Hand, dass er die Vuelta auslässt. Er wird jetzt erstmal durchatmen. Es fällt natürlich auch von ihm ein bisschen Druck ab, nachdem er beide Grand Tours geschafft hat. Er wird eine Pause einlegen und das Regenbogen-Trikot wird er sich dann sicher auch gerne anziehen.

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