“Nicht mehr überraschend”Evenepoel über Visma-Taktik und eigene Ambitionen

Leon Weidner

 · 16.07.2025

“Nicht mehr überraschend”: Evenepoel über Visma-Taktik und eigene AmbitionenFoto: picture alliance/dpa/Belga / David Pintens
Remco Evenepoel gab am Ruhetag bei der Pressekonferenz seines Teams Auskunft
Remco Evenepoel zieht nach der ersten Tour-Woche Bilanz. Der Belgier sieht sich trotz Zeitverlust in der Auftaktetappe auf Kurs. Besonders die Angriffe von Matteo Jorgenson und Simon Yates beschäftigen den Soudal Quick-Step-Kapitän. Kann Evenepoel womöglich noch vom Zweikampf der beiden Favoriten Pogačar und Vingegaard profitieren?

Remco Evenepoel blickt am ersten Ruhetag der Tour de France 2025 auf eine turbulente erste Woche zurück. Der belgische Kapitän von Soudal Quick-Step liegt nach zehn Etappen auf dem dritten Gesamtrang, 1:29 Minuten hinter dem Führenden Ben Healy und eine Minute hinter Tadej Pogačar. Trotz eines Zeitverlusts von 39 Sekunden in der Auftaktetappe zeigt sich Evenepoel mit seiner Position zufrieden. "Ich stehe, wo ich stehen sollte, denke ich. Für jetzt ist das gut", erklärte der 25-Jährige auf der Pressekonferenz seines Teams. Besonders die Taktik des Teams Visma | Lease a Bike beschäftigt den Tour-Dritten. "Ehrlich? Keine Ahnung. Ich denk sie fahren, wie sie es immer tun", analysiert Evenepoel. "Was sie in der Etappe nach Puy de Sancy gemacht haben, war vorhersehbar. Zwei Mann in der Flucht, Victor Campenaerts musste sich zurückfallen lassen. Man konnte es kommen sehen, dass sie es danach auf dem Plateau versuchen würden”, sagte der Belgier.



Remco Evenepoel zur Visma-Taktik

Evenepoel sieht in der Strategie von Visma | Lease a Bike wenig Neues: "Sie wenden seit Jahren die gleichen Taktiken an, das ist nicht mehr überraschend." Dennoch erkennt der Belgier die Stärke des Teams an: "Sie haben vier sehr starke Fahrer für das Klassement und die Berge. Aber was sie in der Etappe nach Puy de Sancy gemacht haben, war vorhersehbar."

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Zur Frage, ob er von der Rivalität zwischen Pogačar und Vingegaard profitieren könne, antwortete der Olympiasieger. "Ehrlich gesagt, weiß ich es auch nicht. Sie attackieren sich gegenseitig auf Schritt und Tritt. Das hat man auch am Montag gesehen: erst Jorgenson, dann Kuss, dann wieder Jorgenson und dann wieder Kuss. Irgendwann werden sie einbrechen. Die Taktik, die sie vor ein paar Jahren mit Primož Roglič und Jonas gegen Tadej angewandt haben, machen sie jetzt genau so weiter. Nur, dass Kuss und Yates bereits zu weit zurückliegen in der Gesamtwertung“, sagte Evenepoel am Dienstag.

Auch in Bezug auf den Topfavoriten Tadej Pogačar hat der Belgier eine klare Meinung. "Was auch ein wesentlicher Unterschied ist: Pogi ist nicht mehr der Pogačar, der er 2022 auf dem Col du Granon war (als er einen Einbruch erlitt und fast 3 Minuten auf Vingegaard verlor; Anm. d. Red.). Er ist mindestens so stark wie die Fahrer von Visma | Lease a Bike. Damit müssen sie vorsichtig sein. Für mich bedeutet das, dass sie einfach ihr Spiel spielen. Als ich am Montag angegriffen habe, haben sie mich gewähren lassen“, fuhr der Olympiasieger fort und verwies auf Oscar Onley, der ihn zurückholte. "Ich nehme es als ein gutes Zeichen, dass sie mich möglicherweise haben ziehen lassen. Nur haben wir jetzt andere Etappen vor uns."



Fokus auf Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard

Evenepoel richtet seinen Blick vor allem auf Pogačar und Vingegaard. "Ich schaue speziell auf Pogačar und Vingegaard. Mit ihnen will ich in Zukunft um den Tour-Sieg kämpfen", stellt der Belgier klar. Er sieht sich in einer Position, in der er taktisch klug agieren muss: "Für mich ist es wichtig, so lange wie möglich mit Tadej und Jonas mitzugehen. Und dass ich taktisch versuche, schlau zu fahren."

In der Ebene scheint Remco beim Zeitfahren kaum zu schlagen zu seinFoto: Getty Images/Tim de WaeleIn der Ebene scheint Remco beim Zeitfahren kaum zu schlagen zu sein

Evenepoel ist sich bewusst, dass er oft isoliert sein wird gegen die starken Teams von UAE Emirates XRG und Visma | Lease a Bike. "Das bedeutet, dass ich mit meinem Kopf fahren und in den Finales klug sein muss", erklärt er seine Strategie. Der Fahrer von Soudal Quick-Step bleibt trotz der Herausforderungen optimistisch: "Deshalb betrachte ich es Tag für Tag, Anstieg für Anstieg, und deshalb ist es sehr wichtig, gute Entscheidungen zu treffen." Mit Blick auf die kommenden Bergetappen und das Zeitfahren am Freitag zeigt sich Evenepoel zuversichtlich. "Ich kann um den Sieg mitfahren, aber es ist schwierig zu sagen, ob es am Ende gelingt", sagt er zum anstehenden Bergzeitfahren. Der Belgier betont, dass er noch nie ein Bergzeitfahren bei den Profis gefahren ist und die Entscheidung über das Material noch aussteht.

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Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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