Tour de FranceEin Blick zurück - Saint-Lary-Soulan/ Pla d´Adet

Unbekannt

 · 22.07.2014

Ein Blick zurück - Saint-Lary-Soulan/ Pla d´AdetFoto: Tim de Waele

Die Tour de France steckt voller Geschichten. TOUR erinnert an vergangene Höhepunkte bei Etappenankünften, die auch eine entscheidende Rolle in diesem Jahr spielen könnten.Ein Blick zurück auf die 14. Etappe der Tour de France 1976 von Saint-Gaudens zum Pla d´Adet nach Saint-Lary-Soulan

Am Pla d´ Adet findet am 23. Juli das Finale der 17. Etappe der Tour de France 2014 statt. Es ist die zehnte Befahrung des Berges in den französischen Pyrenäen. Das erste Mal macht die Frankreich-Rundfahrt 1974 dort Station.

Bei der Ankunft 1976 feiert Lucien van Impe im Ziel nicht nur den Etappensieg, sondern legt auch den Grundstein für seinen ersten und einzigen Gesamtsieg bei der Tour de France. Seinen härtesten Konkurrenten Joop Zoetemelk überrascht er mit einer frühen Attacke, deren Gefahr der Niederländer viel zu spät erkennt.

Das 14. Teilstück zum Pla d'Adet 1976 ist die vorletzte schwere Gebirgsetappe und mit vier schweren Anstiegen die Königsetappe.
Der Ausgang der Tour de France ist in jenem Jahr offen. Seriensieger Eddy Merckx hatte seine Teilnahme abgesagt; Vorjahressieger Bernard Thévenet und dem spanischen Kletterer Luis Ocaña mangelt es an Form. Joop Zoetemelk ist für viele Experten der ausgemachte Favorit, da er die Rundfahrt zuvor schon zweimal als Zweiter beendet hatte.

Am Start der 14. Etappe trägt der Franzose Raymond Delisse das Gelbe Trikot. Ein Ausreißversuch in den Bergen zwei Tage zuvor hat ihm das Maillot Jaune beschert. Zoetemelk konnte zwei Etappen in den Alpen gewinnen, liegt im Klassement allerdings sechs Sekunden hinter Lucien van Impe auf Platz drei.
Der Belgier van Impe gilt als ausgewiesener Kletterer, dem aber in den Jahren zuvor die Bergwertung wichtiger schien als die Gesamtwertung – immerhin hat er die 1971, 1972 und 1973 gewonnen.

Die Etappe verläuft in Nähe der spanischen Grenze, daher setzt sich Luis Ocaña früh am ersten Anstieg mit einer Attacke in Szene. Die Favoriten lassen ihn gewähren - der Spanier liegt bereits weit zurück im Klassement.
Dann entschließt sich Lucien van Impe, davon zufahren. Sein Sportdirektor Cyrille Guimard hatte sich diese Etappe ausgesucht und von seinem Schützling verlangt, früh in die Offensive zu gehen.
Raymond Delisse im Gelben Trikot und vor allem Joop Zoetemelk reagieren auch diesmal nicht. Zoetemelk wird später zitiert, er habe gedacht, van Impe sei nur auf die Bergpunkte am Gipfel des Berges aus. Van Impe allerdings zieht durch und erreicht die Ausreißergruppe um Luis Ocana.

Die Gruppe arbeitet gut zusammen, der Vorsprung wächst und erst am vorletzten Berg der Etappe, dem Col du Peyresoude, realisiert Zoetemelk, dass er was machen muss, sonst droht er die Tour de France zu verlieren.

Delisse im Gelben Trikot ist ihm dabei keine Hilfe. Er zollt seinem Attacke zwei Tage zuvor Tribut und kann den Niederländer bei der Verfolgung nicht unterstützen.

Van Impe und Ocaña sind zu Beginn der 10,7 Kilometer langen Schlusssteigung zur Skistation Pla d´Adet noch zu zweit, Zoetemelk jagt die beiden dagegen völlig alleine.
Der Belgier ist an diesem Tag der Stärkste, löst sich erfolgreich von Ocaña und erreicht das Ziel schließlich als Solist.
Zoetemelk kämpft verbissen, holt sogar noch Ocaña ein und wird Etappenzweiter, verliert aber 3:12 Minuten auf seinen Landsmann und damit die Tour de France. In Paris hat er 4:14 Minuten Rückstand.

Lucien van Impe ist vor allem als sechsmaliger Bergkönig der Tour de France bekannt. Die Bergwertung 1976 verpasst er um einen Punkt, dafür gelingt ihm aber der viel größere Triumph: Der Gesamtsieg der Tour de France.
Von da an beginnt eine bis heute andauernde Sehnsucht der Belgier nach dem nächsten Tour-Sieger aus ihrem Land.

1981 wiederholt Lucien van Impe seinen Etappensieg am Pla d'Adet und wird in jenem Jahr noch einmal Zweiter der Tour de France.

Für Joop Zoetemelk ist es 1976, nach 1970 und 1971, ein weiterer zweiter Platz bei der Tour de France. Auch 1978 und 1979 wird er nur Zweiter und hat bereits den Ruf, nie die Tour gewinnen zu können, als er 1980 Paris doch noch als Sieger erreicht. 1982 wird er nochmals Zweiter. Insgesamt 16-mal nimmt an der Tour de France teil und erreicht jedes Mal Paris.

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