Ein Blick zurück - Hautacam

Unbekannt

 · 23.07.2014

Ein Blick zurück - HautacamFoto: Tim de Waele

Die Tour de France steckt voller Geschichten. TOUR erinnert an vergangene Höhepunkte bei Etappenankünften, die auch eine entscheidende Rolle in diesem Jahr spielen könnten.Ein Blick zurück auf 9. Etappe der Tour de France 2000 von Dax nach Hautacam

Hautacam ist am 24. Juli Ziel der 18. Etappe der Tour de France 2014. Im Jahr 1994 macht die Tour erstmals Station dort und ist in diesem Jahr das fünfte Mal zu Gast im Skigebiet in den französischen Pyrenäen.

Im Jahr 2000 erreicht Javier Otxoa, gezeichnet von den Strapazen der Etappe und dem schlechten Wetter, als Erster den Zielstrich in Hautacam. Hinter ihm jagt Lance Armstrong den Anstieg hoch, doch der Spanier kann wenige Sekunden vor ihm ins Ziel retten.

Es ist damals die erste Gebirgsetappe der Tour de France 2000. Zuvor hatten Sprinter und Ausreißer die Rundfahrt dominiert, jetzt wird gespannt ein erster Schlagabtausch der Favoriten um Armstrong, Ullrich und Pantani erwartet.
Das Teilstück ist als Königsetappe ausgerufen, da außer dem Schlussanstieg nach Hautacam noch der Col de Marie-Blanque und der Col d´Ausbisque bezwungen werden müssen.
Als wäre das nicht schon schwer genug, macht den Profis zusätzlich das Wetter zu schaffen. Schon zu Beginn der Etappe herrscht Kälte und Dauerregen, Nebel verhüllt die vor den Fahrern liegenden Berge – Bedingungen, die sich die gesamte Etappe über nicht bessern.

Javier Otxoa schließt sich früh der Ausreißergruppe um den Belgier Nico Mattan und den französischen Ausreißer-König Jacky Durand an. Die Gruppe hat zwischenzeitlich mehr als 16 Minuten Vorsprung, zerfällt aber an den Anstiegen - Otxoa erweist sich als der stärkste Kletterer.

Die letzten 50 Kilometer vor dem finalen Anstieg nach Hautacam legt er als Solist zurück. Den Beginn der Steigung erreicht er mit elf Minuten Vorsprung auf die Gruppe um Armstrong – Zeit, die er auch brauchen wird.

In das Rennen der Favoriten kommt schnell Bewegung zu Beginn des Anstieges.
Marco Pantani durchbricht das übliche Belauern und attackiert frühzeitig. Einzig Armstrong hängt sich an sein Hinterrad, bleibt kurz dahinter, erhöht das Tempo und lässt dann Pantani stehen. Der Italiener kann der Offensive des Amerikaners nichts mehr entgegensetzen, Ullrich ist zuvor schon machtlos bei der Temposteigerung.
Armstrong setzt ab da zu einem furiosen Ritt an, fährt fast den gesamten Anstieg in seinem typischen Wiegetritt.
Schnell schließt er zu der am vorletzten Anstieg enteilten Gruppe mit dem französischen Kletterer Richard Virenque und den Spaniern Fernando Escartin, Joseba Beloki und Jose-Maria Jimenez auf und lässt alle hinter sich. Alle bis auf einen. Der Vorsprung von Javier Otxoa schmilzt rapide auf den letzten Kilometern. Die lange Soloflucht und die Anstrengungen des letzten Anstieges sind im deutlich anzusehen, doch der Spanier kämpft, unterstützt von den vielen baskischen Fans an der Strecke, und rettet 42 Sekunden vor den heranstürmenden Armstrong ins Ziel nach Hautacam.
Der Etappensieg ist der größte Erfolg seiner Karriere. Er beendet die Tour am Ende als 13.

  Javier Otxoa bei der Tour 2008Foto: Tim de Waele
Javier Otxoa bei der Tour 2008

Ein halbes Jahr später ist Javier Otxoa in einen tragischen Unfall verwickelt. Er und sein Bruder werden auf einer Trainingsfahrt von einem Auto angefahren. Sein Bruder verstirbt noch an der Unfallstelle, Javier liegt anschließend 65 Tage im Koma und ringt um sein Leben. Er überlebt, muss aber mit Gleichgewichtsstörungen und bleibenden Hirnschäden kämpfen. Trotzdem kehrt er zum Radsport zurück und feiert bei den Paralympics 2004 in Athen großartige Erfolge – er gewinnt Silber bei der 3.000 Meter- Verfolgung auf der Bahn und Gold im Zeitfahren auf der Straße.

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