Strade BiancheTour-Siegerin Ferrand-Prévot geht als Favoritin in das spektakuläre Radrennen

Andreas Kublik

 · 06.03.2026

Strade Bianche: Tour-Siegerin Ferrand-Prévot geht als Favoritin in das spektakuläre RadrennenFoto: Getty Images/Dario Belingheri
Wellenreiter: Das Pelton der Frauen bei Strade Bianche im Vorjahr
Das Rennen hat Kultstatus im Radsport: Bei Strade Bianche trifft sich die Weltelite des Frauenradsports um den neuen Topstar Pauline Ferrand-Prévot zum großen Kräftevergleich auf den Schotterstraßen

Wenn sich am Samstag der Staub lichtet und man einen klaren Blick auf den Verlauf des Rennens Strade Bianche hat, die Besten auf der Piazza del Campo im historischen Zentrum von Siena angekommen sind, dann weiß man einiges über die aktuelle Hackordnung im Frauenradsport. Das Frauenrennen ist ein Stelldichein der Weltelite - alle aktiven Siegerinnen der Tour de France, Olympiasiegerinnen, Weltmeisterinnen stehen am Start. Vorjahressiegerin Demi Vollering geht mit Startnummer eins ins Rennen. Für viele Experten gilt aber nicht die Niederländerin als Topfavoritin, sondern Pauline Ferrand-Prévot: Die Französin hatte im vergangenen Jahr die Tour de France dominiert, und zuvor bei ihrem Sieg bei Paris-Roubaix auch bewiesen, wie stark sie bei Eintagesrennen auf schwierigem Geläuf ist. Wie bei den Männern Tour-Sieger Pogacar, gibt auch bei den Frauen die Tour-Siegerin bei Strade Bianche ihr Saisondebüt. Ferrand-Prevot weiß sich akribisch vorzubereiten und sie ist ehrgeizig genug, sich auch als Beste bei der Fahrt über die weißen Schotterstraßen beweisen zu wollen. “Ich fühle mich sehr gut”, sagte “PFP auf einer Pressekonferenz ihres Teams Visma-Lease a bike, zurück von einem dreiwöchigen Höhentrainingslager auf Teneriffa. Mit der mehrmaligen Cross-Weltmeisterin Marianne Vos dürfte sie eine kongeniale Partnerin im Team haben, wenn es darum geht, im Rennen flexibel zu reagieren.

Wird es eine neue Rekordsiegerin geben?

Im Vorjahr war Ferrand-Prévot hinter Siegerin Vollering und der Zweitplatzierten Anna van der Breggen ins Ziel gekommen. Aber da war sie erst ganz frisch als Mountainbike-Olympiasiegerin erneut aufs Straßenrad gestiegen - es war aber schon zu sehen, dass ihr der Wechsel zurück in den Straßenradsport ohne große Anpassungsprobleme gelingen würde. Im Vorjahr war van der Breggen die letzte Begleiterin der späteren Siegerin. Aber diesmal sagte die Siegerin von 2018 vor dem Rennen, sie sei vor allem als Helferin im Rennen für ihre Teamkollegin bei SD Worx-Protime, Lotte Kopecky. Doch bei der zweimaligen Straßenweltmeisterin hat man noch nicht genau gesehen, wie gut sie sich von ihrer Formkrise Ende der vergangenen Saison erholt hat. Ihr Saisondebüt vor einer Woche beim Omloop Het Nieuwsblad ließ nicht wirklich Rückschlüsse zu. Kopecky und Vollering waren einst Teamkolleginnen - nun sind sie Rivalinnen. Eine von beiden könnte im Falle eines Sieges zur alleinigen Rekordhalterin aufsteigen.

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Das Who is who des Frauenradsports steht am Start

Die besten drei des Vorjahres: Anna van der Breggen, Olympiasiegerin und mehrmalige Weltmeisterin, und die beiden Tour-Siegerinnen Demi Vollering und Pauline Ferrand-PrévotFoto: Getty Images/Dario BelingheriDie besten drei des Vorjahres: Anna van der Breggen, Olympiasiegerin und mehrmalige Weltmeisterin, und die beiden Tour-Siegerinnen Demi Vollering und Pauline Ferrand-Prévot
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Neben Vollering und Ferrand-Prévot steht Katarzyna Niewiadoma als dritte Tour-Siegerin am Start. Die Polin vom deutschen Team Canyon-SRAM-zondacrypto war bereits Gravel-Weltmeisterin, die Schotterstraßen beherrscht sie, sie war schon dreimal Zweite. Es ist zu hören, dass die 31-Jährige mit besonderem Ehrgeiz in diese Saison startet. Ebenfalls auf der Rechnung haben sollten die Konkurrentinnen die Siegerin des Giro d’Italia, Elisa Longo Borghini. Die angriffslustige Anführerin des Teams UAE-ADQ will in ihrer Heimat Italien stets besonders gut fahren - und möglichst gewinnen.

Die Besetzung ist also exquisit. Wer mäkeln will, könnte beim Blick auf die Startliste allenfalls bemängeln, dass Olympiasiegerin Kristen Faulkner und Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser nicht mit von der Partie sind. Doch Faulkner hat keine besondere Erinnerung an das Rennen, bei dem sie einst wegen der Verwendung eines nicht erlaubten Glukosemessgeräts disqualifiziert wurde. Für sie startet die amtierende Weltmeisterin Magedeleine Vallières als Kapitän beim Team EF Education. Und Reusser dürfte sich auf den rutschigen Abfahrten nicht besonders wohl fühlen - sie hat allen Grund, Risiken auf dem Weg zu den großen Saisonzielen bei der Tour de France zu vermeiden. Auch die Geländespezialistinnen Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech) und Shirin van Anroij (Lidl-Trek) dürften ein Wort um die Spitzenplätze mitreden wollen.

Liane Lippert könnte vorne mitmischen

Liane Lippert (im Vordergrund) beim Rennen Strade Bianche im VorjahrFoto: Getty Images/Ivan BenedettoLiane Lippert (im Vordergrund) beim Rennen Strade Bianche im Vorjahr

Anders als bei den Männern stehen die Chancen im Frauenrennen nicht schlecht, dass eine Deutsche am Ende vorne in der Ergebnisliste auftaucht. Liane Lippert liegen derart viele Höhenmeter (bei den Frauen sind es auf 133 Kilometer rund 2.200 Höhenmeter) eigentlich nicht so sehr, aber sie war dennoch im Jahr 2023 einmal Siebte. Und sie hat sich für diese Saison das Ziel gesetzt, an den Bergen länger mit den Besten mitzuhalten - um der Teamkollegin Marlen Reusser möglichst lange bei der Tour de France Femmes im Hochgebirge helfen zu können. Beim Rennen über die zahlreichen Gravelsektoren hat die 28-Jährige aus Friedrichshafen die Führungsrolle im Team Movistar. Die Deutsche Meisterin Franziska Koch zeigte sich zu Saisonbeginn stark, dürfte in ihrem neuen Team FDJ-SUEZ aber vor allem Positionierungsarbeit für Kapitän Demi Vollering leisten. Die Gravelspezialistin Rosa Maria Klöser (Canyon-SRAM-zondacrypto) ist als Helferin Niewiadomas einzige weitere Deutsche im Feld.


Andreas Kublik ist seit einem Vierteljahrhundert als Profisport-Experte für TOUR an den Rennstrecken der Welt unterwegs – vom Ironman in Hawaii, über unzählige Weltmeisterschaften von Australien bis Katar und festem Dienstreise-Ziel Tour de France. Selbst begeisterter aktiver Radsportler mit Hang zum Leiden – egal, ob bei Mountainbike-Marathons, Ötztaler oder einem schmerzhaften Selbsterfahrungstrip auf dem Pavé von Paris-Roubaix.

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