Paris-RoubaixDie legendären Pavés im Detail

Leon Weidner

 · 10.04.2026

Das Kopfsteinpflaster am Arenberg ist berüchtigt für zahlreiche Defekte
Foto: Getty Images/Dario Belingheri
Paris-Roubaix ist nicht einfach ein Rennen mit Kopfsteinpflaster, es ist ein Puzzle aus 30 Pavé-Sektoren, die zusammen über Sieg, Defekt, Sturz oder den ganz großen Triumph entscheiden. Einige Sektoren am Sonntag haben dabei eine ganz besondere Geschichte.

Um Paris-Roubaix zu verstehen, muss man sich mit den Kopfsteinpflaster-Sektoren, auch Pavé genannt, genauer beschäftigen. Dabei ist Pavé nicht gleich Pavé, es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren. Der Veranstalter selbst teilt die Pavés in fünf Kategorien ein, wobei die Sterne die Schwierigkeit beschreiben.

Die Schwierigkeit der Pavé-Sektoren

  • ★★★★★ (5 Sterne): maximaler Stressfaktor, hohe Defektgefahr
  • ★★★★ (4 Sterne): sehr hart, kann zu Splits führen, erhöhte Defektgefahr
  • ★★★ (3 Sterne): schwer genug, um Positionierung und Rhythmus zu brechen
  • ★★ (2 Sterne): unangenehm – aber gut zu meistern
  • ★ (1 Stern): kurz, vergleichsweise glatt – im Vergleich eher leicht zu fahren

Ranking: Die Pavés von Paris-Roubaix 2026 nach Schwierigkeit (Sterne)

5 Sterne: Die härtesten Pavés im Rennen

Diese drei Sektoren sind die Härtetests von Paris-Roubaix – ikonisch, gefürchtet und fast immer rennmitentscheidend. Hier kann ein Rennen vor allem schnell verloren gehen. Ein Defekt und die Gruppe ist weg, aufholen quasi unmöglich.

Trouée d’Arenberg

​Der Sektor Trouée d’Arenberg (Wald von Arenberg) ist ein 2,3 Kilometer langer, schnurgerader Kopfsteinpflaster-Abschnitt bei Wallers und zählt mit fünf Sternen zu den härtesten Pavé-Passagen von Paris–Roubaix. 2026 erreichen die Fahrer die Einfahrt in diesen ersten Fünf-Sterne-Sektor wieder über eine doppelte Schikane, wie bereits im Vorjahr und schon hier kann eine Vorentscheidung fallen, weil die Trouée d’Arenberg das Feld oft in kleine Gruppen zerreißt und nur noch Grüppchen ausspuckt. Vom Ausgang des Waldes bleiben noch rund 90 Kilometer bis Roubaix, mit 19 weiteren Sektoren (knapp 30 Kilometer Pavé), wobei kurz danach auch Hornaing–Wandignies (3,7 km, vier Sterne) für die nächste Selektion sorgen kann. Defekte sind am Arenberg keine Seltenheit. Am Ende der Walddurchfahrt stehen unzählige Helfer mit Ersatzmaterial, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es in diesem Abschnitt so richtig zur Sache geht.

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Mons-en-Pévèle

​Der Sektor Mons-en-Pévèle zählt mit knapp 3 Kilometern ebenfalls zu den härtesten Kopfsteinpflaster-Passagen von Paris–Roubaix: Er liegt rund 48 Kilometer vor dem Ziel und ist in zwei Teile gegliedert. Croix Blanche ist der erste Abschnitt des Sektors und ist einen Kilometer lang. Nach 100 Metern Asphalt kommt mit Blocus der zweite Teil. 1900 Meter lang, dazu kommen Richtungswechsel und leicht welliges Profil, was das Tempo extrem hoch werden lässt. Mons-en-Pévèle ist daher oft der Ort, an dem sich die Gruppen erstmals brutal ausdünnen und eine Vorentscheidung durch Selektion oder Attacken fällt. Hier verbleibt meist eine kleine Gruppe aus Favoriten.

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Carrefour de l’Arbre

​Der Carrefour de l’Arbre Sektor ist mit seinen 2100 Metern und nur wenige Kilometer vor dem Ziel eine echte Chance das Rennen zu entscheiden. Nahezu durchgehend leicht ansteigend und in zwei Hälften, wobei die erste mit engen Richtungswechseln und besonders unregelmäßigen Steinen als härterer Abschnitt gilt, bevor die zweite, geradere Passage in Richtung des Restaurants de l’Arbre verläuft, ein Ort, an dem sich im Finale das Rennen oft entscheidet. Bis zum Velodrom von Roubaix ist es nur noch eine gute Viertelstunde Rennfahrt, ab hier geht es um Alles.

Sektor (Nr.)NameLänge
19Trouée d’Arenberg2,3 km
11Mons-en-Pévèle3,0 km
4Carrefour de l’Arbre2,1 km

4 Sterne: Die wichtigsten „Vorhölle“-Sektoren

4-Sterne-Sektoren sind sehr hart und können genauso wie die 5-Sterne-Sektoren leicht zu einem Defekt führen. Nach der Hälfte des Rennens kommt eine ganze Serie dieser Pavés, gemischt mit einigen der dritten Schwierigkeitsstufe und dem Arenberg. Die Aufeinanderfolge der Sektoren ist dabei die große Hürde, die Verschnaufpausen sind kurz. Hier wird bereits ausgesiebt, viele Fahrer können das Tempo über die schwer zu fahrenden Kopfsteinpflaster nicht mehr mitgehen.

Sektor (Nr.)NameLänge
28Quiévy à Fontaine au Tertre3,7 km
20Haveluy à Wallers2,5 km
17Hornaing à Wandignies3,7 km
15Tilloy à Sars-et-Rosières2,4 km
12Auchy-lez-Orchies à Bersée2,7 km
5Camphin-en-Pévèle1,8 km

3 Sterne: Der harte Mittelteil, der Beine frisst

3 Sterne klingt moderat, ist es in Roubaix nie. Die reine Anzahl der Sektoren mit drei Sternen ist hoch, fast die Hälfte der gesamten Pavés. Hier heißt es: Die Anzahl macht die Schwierigkeit aus. Die Beine werden durch die ständigen Erschütterungen müde, das Tempo ist hier oft sehr hoch.

Sektor (Nr.)NameLänge
30Troisvilles à Inchy2,2 km
29Viesly à Quiévy1,8 km
27Viesly à Briastre3,0 km
26Briastre0,8 km
23Verchain-Maugré à Quérénaing1,6 km
22Quérénaing à Maing2,5 km
21Maing à Monchaux-sur-Ecaillon1,6 km
18Wallers à Hélesmes1,6 km
16Warlaing à Brillon2,4 km
14Beuvry à Orchies1,4 km
13Orchies1,7 km
9Pont-Thibault à Ennevelin1,4 km
7Cysoing à Bourghelles1,3 km
6Bourghelles à Wannehain1,1 km

2 Sterne: Kurze Schläge mit Langzeitwirkung

2-Sterne-Sektoren sind oft die Stellen, an denen Teams wieder ordnen wollen und genau dabei passieren die Fehler: falsche Linie, zu wenig Druck auf dem Pedal, zu spätes Reagieren. Auch die vermeintlich harmlosen Kopfsteinpflaster-Abschnitte können tückisch sein.

Sektor (Nr.)NameLänge
25Solesmes à Haussy0,8 km
24Saulzoir à Verchain-Maugré1,2 km
10Mérignies à Avelin0,7 km
8bTempleuve – Moulin-de-Vertain0,5 km
3Gruson1,1 km
2Willems à Hem1,4 km

1 Stern: Kurz und schnell

„Leicht“ heißt hier nur: kürzer und meist besser gepflegt. Dabei wird über diese Abschnitte oft “drüber gedrückt”, es wird also mit vollem Druck auf dem Pedal gefahren. Der letzte Sektor ist zugleich auch einer der Kategorie 1, kurz danach geht es ins Radstadion. Auf den letzten Metern wird meist alles gegeben, hier fliegen die Profis über die Pflastersteine.

Sektor (Nr.)NameLänge
8aTempleuve – L’Epinette0,2 km
1Roubaix0,3 km

Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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