Erstmals starten Männer und Frauen im Jahr 2026 beim Radrennen Paris-Roubaix am gleichen Tag. Der Veranstalter des Frühjahrsklassiker über Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs machte dies gestern (12.2.26) öffentlich. “Die Königinnen des Kopfsteinpflaster betreten die große Bühne”, heißt es in einer Mitteilung der ASO vor der diesjährigen sechsten Auflage des Frauen-Rennens. Beide Wettbewerbe finden nun am Sonntag, 12. April 2026, statt. Zuletzt waren die weiblichen Profis am Samstag gestartet, die Männer am Sonntag. Bei den Männern führt die Stecke dieses Mal über 258,3 Kilometer über 30 Abschnitte mit Kopfsteinpflaster (insgesamt 54,8 Kilometer). Insgesamt finden am Wochenende fünf Wettbewerbe statt, für Männer, Frauen, U23-Klasse, Junioren und Hobbyradsportler. Offiziell heißt die Veranstaltung künftig Paris-Roubaix Hauts-de-France. Hauts-de-France heißt die Region im Norden Frankreichs, in der das Rennen zwischen dem Startort in Compiègne (Männer) und der Großstadt Roubaix an der Grenze zu Belgien ausgetragen wird.
Im Vorjahr hatte Mathieu van der Poel im Finale des Rennens den Zweikampf mit Tadej Pogacar für sich entschieden, als der Slowene bei seinem Debüt bei diesem Frühjahrsklassiker eine Kurve zu schnell genommen hatte und gestürzt war. Bei den Frauen setzte sich die spätere Tour-de-France-Siegerin Pauline Ferrand-Prevot nach einem langen Solo durch. Erst kurz zuvor war die Mountainbike-Olympiasiegerin von Paris 2024 wieder in den Straßenradsport gewechselt.
Auch für die Männer gibt es bei der 123. Auflage ihres Rennens Neuigkeiten. Die Streckenplaner kehren zum Design von 2024 zurück, als eine frühe, dichte Abfolge von Abschnitten mit Kopfsteinpflaster das Peloton schon rund 100 Kilometer nach dem Start in Compiègne auseinanderriss. “Die ersten vier Sektoren folgen dicht hintereinander. Vor zwei Jahren hat Alpecin-Deceuninck in diesem frühen Stadium das Peloton zerlegt”, betont Rennchef Thierry Gouvenou. Neu ist Sektor Nummer 26, der bisher selten befahren wurde und auf dem es 800 Meter lang bergauf geht. Die Veranstalter wollen durch die Veränderungen offenbar erreichen, dass ein reduziertes Feld den ersten ganz schweren und mit fünf Sternen ausgezeichneten Abschnitt, den Wald von Arenberg, erreichen, wo die Ankunft des großen Pelotons in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Stürzen geführt hatte. Insgesamt führt die Fahrt durch die “Hölle des Nordens” über 258,3 Kilometer, das ist knapp ein Kilometer weniger als im Vorjahr. Die 30 gepflasterten Sektoren summieren sich auf 54,8 Kilometer. Die Strecke wird geringfügig kürzer, aber früher anspruchsvoll als zuletzt. Wie der Wald von Arenberg (bei Kilometer 163, 2.300 Meter Länge) gelten auch die Abschnitte Mons-en-Pevèle (km 209,7 / 3.000 Meter Länge) und Carrefour de l’Arbre (241,2 / 2.100 Meter) den höchsten Schwierigkeitsgrad mit fünf Sternen.
Die Frauen starten in Denain. Die Strecke ist zwar fünf Kilometer kürzer als im Vorjahr, erhält aber drei neue Pflasterabschnitte, die sich auf insgesamt 33,7 Kilometer summieren. Das sind 4,5 Kilometer mehr als 2025. Den berüchtigten Sektor im Wald von Arenberg umfahren die Frauen. Er stand seit der Erstauflage im Jahr 2021 noch nie im Programm. “Wir haben die Schleifen um Denain gestrichen”, erläutert Rennchef Thierry Gouvenou. “Damit führen wir das Peloton ein bisschen weiter in den Süden und können mehr Kopfsteinpflaster integrieren. Haveluy ist einer der Sektoren, die sich als rennentscheidend erweisen könnten.” Bei Paris-Roubaix setzt sich damit die Gleichberechtigung fort - die Strecke der Frauen führt im Finale über die gleichen 17 Sektoren wie bei den Männern. Nun können die Fans Männer und Frauen kurz hintereinander zujubeln. Der Staub aus dem Männerrennen dürfte sich gerade erst gelegt haben, wenn die weiblichen Radprofis passieren. Der Zieleinlauf der ersten Frau wird gegen 18:00 Uhr im Radstadion erwartet, rund 90 Minuten nach den ersten Männern.
Insgesamt sollen bei den Männern 25 Mannschaften starten. Automatisch qualifiziert sind die 18 World-Tour-Teams (darunter Red Bull-Bora-hansgrohe) sowie die drei besten Pro-Teams (Cofidis, Pinarello-Q36.5 und Tudor). Rennveranstalter ASO vergab zudem vier Wildcards an die französische Equipe TotalEnergies, den ebenfalls in Frankreich lizensierten Rennstall Unibet Rose Rockets, Flanders-Baloise aus Belgien und das US-Team Modern Adventure Procycling. Letzteres steht erstmals am Start. Es wird von Ex-Profi George Hincapie geführt, der Rekordteilnehmer des Rennens ist, und im Jahr 2005 Zweiter des Klassikers war. Mit 17 Starts und 16 Finishs liegt er gleichauf mit dem Australier Mathew Hayman. “Es ist einmalig und extrem aufregend, dass wir gleich in unserem ersten Jahr als Profi-Team die Chance haben, Paris-Roubaix zu fahren”, sagte Hincapie in einer Pressemitteilung seines Rennstalls. “Es ist ein Rennen, das mir am Herzen liegt und an das ich großartige Erinnerung als Rennfahrer habe.” Bei den Frauen gehen 21 Tams an den Start, darunter Canyon-SRAM-zondacrypto aus Deutschland und Visma-Lease a bike, bei dem Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot unter Vertrag steht.
Es gibt auch ein Event für Hobbyradsportler bei Paris-Roubaix. Am Samstag, 11. April 2026, können sich Männer und Frauen auf den Pavé-Sektoren versuchen. Drei Streckenlängen sind im Angebot. Allerdings sind die insgesamt rund 6.500 Startplätze weitgehend ausverkauft. Laut Veranstalter gibt es noch Restplätze auf der 170-Kilometer-Distanz. Infos unter www.parisroubaixchallenge.com

Redakteur
Andreas Kublik ist seit einem Vierteljahrhundert als Profisport-Experte für TOUR an den Rennstrecken der Welt unterwegs – vom Ironman in Hawaii, über unzählige Weltmeisterschaften von Australien bis Katar und festem Dienstreise-Ziel Tour de France. Selbst begeisterter aktiver Radsportler mit Hang zum Leiden – egal, ob bei Mountainbike-Marathons, Ötztaler oder einem schmerzhaften Selbsterfahrungstrip auf dem Pavé von Paris-Roubaix.