Andreas Kublik
· 13.04.2026
Sie galt schon bei ihrem Profi-Debüt im Jahr 2019 als großes Talent für die Frühjahrsklassiker: Franziska Koch, die schon im zarten Alter von 19 Jahren ihr Debüt bei einer Profi-WM gab. Zu Saisonbeginn wechselte sie nach langen Jahren bei ihrem ersten Profiteam Picnic PostNL nach Frankreich zu FDJ-Suez und blühte sichtbar auf. Schon mit Rang drei bei Strade Bianche zeigte sie beim Sieg von Teamkollegin Elise Chabbey zeigte sie, dass sie endgültig in der Weltspitze angekommen ist. Nun feierte die 25-jährige professionelle Radsportlerin den mit Abstand größten Erfolg ihrer Karriere.
Nach dem packenden Zielsprint gegen die Niederländerin Marianne Vos im Velodrom von Roubaix feierte Koch den größten Erfolg ihrer Karriere. Zuvor hatte sie nur dreimal als Siegerin gejubelt: In ihrem Debütjahr als Profi 2019 auf einer Etappe der Boels Ladies Tour in den Niederlanden und zweimal als Deutsche Meisterin im Straßenrennen in den Jahren 2025 und 2025. Bei Paris-Roubaix war zuvor Rang sieben im Jahr 2021 ihr bestes Resultat.
Der Name Koch steht für einige erfolgreiche Radsportler und Radsportlerinnen. Mutter Petra war unter ihrem Mädchennamen Stegherr zweimal an der Tour de France der Frauen in den Jahren 1985 und 1987. Bei der ersten Teilnahme beendete sie das Etappenrennen als Zwölfte. Zudem war die Mama WM-Zwölfte im Jahr 1983. Der neun Jahre ältere Bruder Michel Koch fuhr in den Jahren 2013 und 2014 als Profi beim italienischen Rennstall Cannondale. Er erhielt aber nach zwei Jahren keinen neuen Vertrag und musste seine Karriere beenden, obwohl er zu den größten deutschen Talenten seines Jahrgangs zählte. Auch Vater Christian fuhr als Amateur Radrennen.
Koch lebt mittlerweile wie viele Radprofis in Girona, einer 108.000-Einwohner-Stadt im Nordosten Spaniens. Dort hat sich eine internationale Radsport-Community gebildet. Lance Armstrong lebte dort zu seiner aktiven Zeit.
Die Deutsche teilt Leidenschaft und Beruf Radsport mit ihrem Freund. Riley Pickrell ist ein Kanadier und fährt für das Pro-Team Modern Adventure Pro Cycling von Ex-Profi und Lance-Armstrong-Buddy George Hincapie. Zuvor stand der 24-Jährige beim Team Israel-Premier Tech unter Vertrag. Im Gegensatz zu seiner Freundin hat er bisher eher kleine Erfolge zu verzeichnen. Als Profi siegte er auf zwei Etappen der Sibiu Tour in Rumänien. Pickrell empfing seine Liebste im Velodrom - er hatte zuvor das Rennen der Männer aufgegeben.
Erst um 4:30 kam die Roubaix-Siegerin ins Bett. Nach dem Triumph in Frankreich nahm eine Teamkollegin die Deutsche mit an die deutsche Grenze, wo sie ihre Eltern abholten und ins Elternhaus nach Mettmann brachten. Die Familie hatte den Erfolg der Tochter per Live-Übertragung zuhause verfolgt.
Viel Party gibt es laut Franziska Koch nicht nach dem historischen Erfolg. Sie will ihre Form nutzen. Am kommenden Sonntag steht das Amstel Gold Race in ihrem Einsatzplan. Dort wird sie nach eigener Einschätzung wieder in eine Helferrolle für Teamkapitänin Demi Vollering schlüpfen. Die Tour-de-France-Siegerin von 2023 ist beim Klassiker in ihrer Heimat Niederlande die Nummer eins bei der Equipe FDJ-SUEZ und an Anstiegen wie im Limburger Hügelland stärker einzuschätzen als Koch.
Koch profitierte bei Paris-Roubaix auch von der Vielseitigkeit, die sie in jungen Jahren vermittelt bekam. Sie fuhr Bahnrennen und nutzte diese Erfahrung auf den eineinhalb Schlussrunden im Radstadion von Roubaix. Zudem bestritt sie Wettkämpfe auf dem Mountainbike - ruppiger Untergrund wie das Kopfsteinpflaster sind für sie keine ungewohnte Herausforderung.
Kaum zu glauben: Aber die junge Deutsche steht bereits im achten Jahr als Profi. Beim Team Sunweb, DSM und Picnic-PostNL entwickelten sie ihr Talent langsam - selten bekam sie die Chance, ihr Fähigkeiten zu zeigen. Zu Jahresbeginn wechselte sie zur französischen Equipe FDJ-SUEZ, wo man ihr großes Potenzial sah und ihr Führungsrollen in wichtigen Rennen zutraute. Schon während des gesamten abgelaufenen Frühjahrs zeigte die Deutsche Meisterin, dass in den wichtigsten Radrennen ganz vorne mitfahren kann.
Dem fast schon ewigen Talent hat der erste große internationale Sieg Lust auf mehr gemacht. Es soll nicht ihr letzter Sieg bei der Fahrt durch die “Hölle des Nordens” gewesen zu sein, ließ sie am Tag danach die deutschen Medien wissen. Und Weltmeisterin würde sie auch gerne werden. “Du musst an deine Träume glauben” - das ist ihr Credo. Jetzt wissen alle: Sie träumt nicht nur, sie macht ihre Träume wahr.

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