Franziska KochAlles, was Radsportfans über die erste deutsche Roubaix-Siegerin wissen müssen

Andreas Kublik

 · 13.04.2026

Franziska Koch: Alles, was Radsportfans über die erste deutsche Roubaix-Siegerin wissen müssenFoto: Getty Images/Dirk Waem
In Stein gemeißelt: Franziska Koch stemmt die Siegertrophäe im Velodrom von Roubaix in die Höhe
Franziska Koch hat als erste Deutsche den härtesten Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix gewonnen. Auch bei den Männern haben das nur zwei Landsleute geschafft: Die Münchner Joseph Fischer im Jahr 1896 und John Degenkolb 2015. TOUR hat zusammengefasst, was man über die 25-jährige Radsportlerin aus Mettmann wissen muss

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Sie galt schon bei ihrem Profi-Debüt im Jahr 2019 als großes Talent für die Frühjahrsklassiker: Franziska Koch, die schon im zarten Alter von 19 Jahren ihr Debüt bei einer Profi-WM gab. Zu Saisonbeginn wechselte sie nach langen Jahren bei ihrem ersten Profiteam Picnic PostNL nach Frankreich zu FDJ-Suez und blühte sichtbar auf. Schon mit Rang drei bei Strade Bianche zeigte sie beim Sieg von Teamkollegin Elise Chabbey zeigte sie, dass sie endgültig in der Weltspitze angekommen ist. Nun feierte die 25-jährige professionelle Radsportlerin den mit Abstand größten Erfolg ihrer Karriere.

Der größte Erfolg

Um Reifenbreite: Franziska Koch (rechts) lag am Zielstrich nach 143 Kilometern ganz knapp vor Marianne VosFoto: Getty Images/Jasper JacobsUm Reifenbreite: Franziska Koch (rechts) lag am Zielstrich nach 143 Kilometern ganz knapp vor Marianne Vos

Nach dem packenden Zielsprint gegen die Niederländerin Marianne Vos im Velodrom von Roubaix feierte Koch den größten Erfolg ihrer Karriere. Zuvor hatte sie nur dreimal als Siegerin gejubelt: In ihrem Debütjahr als Profi 2019 auf einer Etappe der Boels Ladies Tour in den Niederlanden und zweimal als Deutsche Meisterin im Straßenrennen in den Jahren 2025 und 2025. Bei Paris-Roubaix war zuvor Rang sieben im Jahr 2021 ihr bestes Resultat.

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Sie stammt aus einer Radsportfamilie

Gute Gene: Mama Petra war unter ihrem Mädchennamen Stegherr eine erfolgreiche Radsportlerin - hier im Bild bei der WM 197 in Villach/ÖsterreichFoto: dpa/pa/RothGute Gene: Mama Petra war unter ihrem Mädchennamen Stegherr eine erfolgreiche Radsportlerin - hier im Bild bei der WM 197 in Villach/Österreich
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Der Name Koch steht für einige erfolgreiche Radsportler und Radsportlerinnen. Mutter Petra war unter ihrem Mädchennamen Stegherr zweimal an der Tour de France der Frauen in den Jahren 1985 und 1987. Bei der ersten Teilnahme beendete sie das Etappenrennen als Zwölfte. Zudem war die Mama WM-Zwölfte im Jahr 1983. Der neun Jahre ältere Bruder Michel Koch fuhr in den Jahren 2013 und 2014 als Profi beim italienischen Rennstall Cannondale. Er erhielt aber nach zwei Jahren keinen neuen Vertrag und musste seine Karriere beenden, obwohl er zu den größten deutschen Talenten seines Jahrgangs zählte. Auch Vater Christian fuhr als Amateur Radrennen.

Wohnort: Von Mettmann nach Girona

Koch lebt mittlerweile wie viele Radprofis in Girona, einer 108.000-Einwohner-Stadt im Nordosten Spaniens. Dort hat sich eine internationale Radsport-Community gebildet. Lance Armstrong lebte dort zu seiner aktiven Zeit.

Auch der Lebensgefährte ist Radprofi

Riley Pickrell während der Saison 2025Foto: Getty Images/Rhode Van ElsenRiley Pickrell während der Saison 2025

Die Deutsche teilt Leidenschaft und Beruf Radsport mit ihrem Freund. Riley Pickrell ist ein Kanadier und fährt für das Pro-Team Modern Adventure Pro Cycling von Ex-Profi und Lance-Armstrong-Buddy George Hincapie. Zuvor stand der 24-Jährige beim Team Israel-Premier Tech unter Vertrag. Im Gegensatz zu seiner Freundin hat er bisher eher kleine Erfolge zu verzeichnen. Als Profi siegte er auf zwei Etappen der Sibiu Tour in Rumänien. Pickrell empfing seine Liebste im Velodrom - er hatte zuvor das Rennen der Männer aufgegeben.

Schlaflos in Mettmann

Erst um 4:30 kam die Roubaix-Siegerin ins Bett. Nach dem Triumph in Frankreich nahm eine Teamkollegin die Deutsche mit an die deutsche Grenze, wo sie ihre Eltern abholten und ins Elternhaus nach Mettmann brachten. Die Familie hatte den Erfolg der Tochter per Live-Übertragung zuhause verfolgt.

Die Siegerin wird wieder Helferin

Arbeiterin: Koch (links) leistete bei der Flandern-Rundfahrt Vorarbeit für den späteren Sieg von Teamkollegin und Europameisterin Demi Vollering | Getty Images/Jasper JacobsArbeiterin: Koch (links) leistete bei der Flandern-Rundfahrt Vorarbeit für den späteren Sieg von Teamkollegin und Europameisterin Demi Vollering | Getty Images/Jasper Jacobs

Viel Party gibt es laut Franziska Koch nicht nach dem historischen Erfolg. Sie will ihre Form nutzen. Am kommenden Sonntag steht das Amstel Gold Race in ihrem Einsatzplan. Dort wird sie nach eigener Einschätzung wieder in eine Helferrolle für Teamkapitänin Demi Vollering schlüpfen. Die Tour-de-France-Siegerin von 2023 ist beim Klassiker in ihrer Heimat Niederlande die Nummer eins bei der Equipe FDJ-SUEZ und an Anstiegen wie im Limburger Hügelland stärker einzuschätzen als Koch.

Vielseitigkeit als Trumpf

Koch profitierte bei Paris-Roubaix auch von der Vielseitigkeit, die sie in jungen Jahren vermittelt bekam. Sie fuhr Bahnrennen und nutzte diese Erfahrung auf den eineinhalb Schlussrunden im Radstadion von Roubaix. Zudem bestritt sie Wettkämpfe auf dem Mountainbike - ruppiger Untergrund wie das Kopfsteinpflaster sind für sie keine ungewohnte Herausforderung.

Der Teamwechsel als entscheidender Impuls

Kaum zu glauben: Aber die junge Deutsche steht bereits im achten Jahr als Profi. Beim Team Sunweb, DSM und Picnic-PostNL entwickelten sie ihr Talent langsam - selten bekam sie die Chance, ihr Fähigkeiten zu zeigen. Zu Jahresbeginn wechselte sie zur französischen Equipe FDJ-SUEZ, wo man ihr großes Potenzial sah und ihr Führungsrollen in wichtigen Rennen zutraute. Schon während des gesamten abgelaufenen Frühjahrs zeigte die Deutsche Meisterin, dass in den wichtigsten Radrennen ganz vorne mitfahren kann.

Lust auf große Siege

Farbenfroh: Koch im Trikot der Deutschen Meisterin (rechts) an der Seite von Rivalin und Freundin Magdeleine Vallières. Deren Trikot als Weltmeisterin würde Koch in Zukunft auch gerne tragenFoto: Getty Images/Luc ClaessenFarbenfroh: Koch im Trikot der Deutschen Meisterin (rechts) an der Seite von Rivalin und Freundin Magdeleine Vallières. Deren Trikot als Weltmeisterin würde Koch in Zukunft auch gerne tragen

Dem fast schon ewigen Talent hat der erste große internationale Sieg Lust auf mehr gemacht. Es soll nicht ihr letzter Sieg bei der Fahrt durch die “Hölle des Nordens” gewesen zu sein, ließ sie am Tag danach die deutschen Medien wissen. Und Weltmeisterin würde sie auch gerne werden. “Du musst an deine Träume glauben” - das ist ihr Credo. Jetzt wissen alle: Sie träumt nicht nur, sie macht ihre Träume wahr.


Andreas Kublik ist seit einem Vierteljahrhundert als Profisport-Experte für TOUR an den Rennstrecken der Welt unterwegs – vom Ironman in Hawaii, über unzählige Weltmeisterschaften von Australien bis Katar und festem Dienstreise-Ziel Tour de France. Selbst begeisterter aktiver Radsportler mit Hang zum Leiden – egal, ob bei Mountainbike-Marathons, Ötztaler oder einem schmerzhaften Selbsterfahrungstrip auf dem Pavé von Paris-Roubaix.

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