Leon Weidner
· 24.02.2026
Traditionell läutet der Omloop Het Nieuwsblad am sogenannten „Opening Weekend“ die Klassikersaison ein, bevor am darauffolgenden Tag Kuurne–Brüssel–Kuurne folgt. Typisch für den belgischen Frühjahrsklassiker sind Kopfsteinpflasterpassagen sowie kurze, dafür umso steilere Anstiege. In diesem Jahr müssen die Männer dabei rund acht Kilometer mehr absolvieren, während sich die Distanz im Frauenrennen nur um wenige hundert Meter verschiebt. Im Finale gibt es außerdem eine entscheidende Änderung - neu sind die Anstiege Tenbosse und Parikeberg. Auch die Wetterbedingungen können entscheidend sein: Einstellige Temperaturen, Werte knapp über dem Gefrierpunkt und Regen sind keine Seltenheit – für Samstag sagt die Prognose jedoch ideales Rennwetter voraus.
Der Omloop Het Nieuwsblad 2026 überschreitet wieder die 200-Kilometer-Marke: Mit mehr als 207 Kilometern ist das Rennen deutlich länger als bei der vergangenen Ausgabe mit 197 Kilometern. Die erste Rennhälfte bleibt – wie bereits zuvor – vor allem ein kontrolliertes Einrollen, bevor später ein intensives Auf und Ab folgt. In diesem Abschnitt warten mit dem Leberg (insgesamt dreimal im Programm) und dem Eikenberg zunächst nur zwei der insgesamt zwölf Hellingen. Insgesamt müssen die Fahrer in diesem Jahr einen Anstieg mehr bewältigen als im Vorjahr. Auch bei den Kasseien hält sich der Aufwand bis zur Rennmitte in Grenzen: Bis dahin stehen erst zwei Kopfsteinpflasterpassagen an.
Anschließend geht es zur Sache. Anstiege und Kopfsteinpflasterpassagen wechseln sich in den Ardennen zwischen Oosterzele und Ninove munter ab. Mit Leberg, Berendries, Tenbosse und Parikeberg beginnt das Finale. Dabei wurde die Streckenführung nach dem Berendries-Anstieg geändert, Tenbosse und Parikeberg ersetzen dort Elverenberg-Vossenhol. Die 1100 Meter lange und berüchtigte Mauer von Geraardsbergen (Kapelmuur) 16 Kilometer vor dem Ziel mit ihren bis zu 20 Prozent steilen, gepflasterten Rampen sowie die rund 1000 Meter den Bosberg hinauf, vier Kilometer später, sind dann wieder die aus den Vorjahren bekannten, letzten Anstiege. Von da aus geht es für die Männer hauptsächlich bergab bis ins Ziel.
Dann wird es ernst: In den Ardennen rund um Oosterzele folgen aufeinander Anstiege und Kopfsteinpflasterpassagen in schneller Abfolge. Mit Leberg, Berendries, Tenbosse und Parikeberg beginnt das Finale. 16 Kilometer vor dem Ziel wartet die 1100 Meter lange, berüchtigte Mauer von Geraardsbergen (Muur–Kapelmuur) mit ihren gepflasterten Rampen von bis zu 20 Prozent Steigung. Nur vier Kilometer später setzt der rund 1000 Meter lange Bosberg den nächsten Stich und dürfte die Vorentscheidung erzwingen. Ab dort geht es für die Männer überwiegend bergab Richtung Ziel.
Für die Frauen sind 137,2 Kilometer angesetzt. Ab der Kopfsteinpflasterpassage Holleweg gleichen die letzten rund 60 Kilometer der Strecke dem Kurs der Männer, und auch die Anfangsphase bis Westrem verläuft identisch. Die Vorentscheidung dürfte im anspruchsvollen Finale fallen – mit der Mauer von Geraardsbergen und dem Bosberg als entscheidende Schlüsselstellen.
Der Omloop Het Nieuwsblad 2026 ist in Deutschland sowohl im TV als auch per Live-Stream zu verfolgen. Eurosport 2 überträgt die Rennen ab 13:30 Uhr live: zunächst den Wettbewerb der Männer, anschließend nach deren Zieleinlauf das Rennen der Frauen. Über Discovery Plus (kostenpflichtig) gibt es ebenfalls Live-Streams – ab 13:30 Uhr für das Männerrennen und ab 16:00 Uhr für den Frauenwettbewerb.
Wie üblich ist es beim Omloop Het Nieuwsblad eine enge Angelegenheit zwischen Massensprint und Ausreißersieg. Genau das macht dieses Rennen so spannend - es kann gefühlt alles passieren. Im letzten Jahr konnten sich Tim Wellens (UAE Team Emirates - XRG) und Toms Skujiņš (Lidl - Trek) nicht entscheidend vom verbleibenden Feld absetzen, sodass es zum Massensprint kam, bei dem Søren Wærenskjold (Uno-X Mobility) sich gegen seine Konkurrenten durchsetzen konnte. 2024 gelang Jan Tratnik, der damals noch für Team Visma | Lease a Bike fuhr, und Nils Politt (UAE Team Emirates - XRG) die erfolgreiche Flucht nach vorne - für den Deutschen sprang dabei jedoch nur der 2. Platz heraus.
Klassikerfahrer und bergfeste Sprinter stehen auch in diesem Jahr wieder im Aufgebot ihrer Teams. Sollte es auf einen Massensprint hinauslaufen, ist der Titelverteidiger wieder zuerst zu nennen. Søren Wærenskjold steht mit seinem Team, das in die WorldTour aufgestiegen ist, wieder am Start. Aber auch die Podiumsfahrer aus 2025, Paul Magnier (Soudal Quick-Step) und Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech), starten beim Omloop. Der erst 21-jährige Paul Magnier ist in der Form seines Lebens, gewann zum Abschluss der letzten Saison bei der Tour of Guangxi vier Etappen hintereinander und konnte in diesem Jahr bei der Algarve-Rundfahrt zwei weitere Etappensiege einfahren. Jasper Philipsen sucht derweil noch immer nach seiner Bestform, belegte bei der Algarve-Rundfahrt nur den vierten und zehnten Platz derselben Etappen, die Magnier gewann. Der junge Franzose ist damit der absolute Topfavorit auf den Sieg - sollte das Rennen nicht schon an den Stichen zuvor entschieden werden.
Ebenfalls für einen Sieg infrage kommen Arnaud de Lie (Lotto - Intermarché), Jordi Meeus (Red Bull - Bora - hansgrohe), Biniam Girmay (NSN Cycling Team) und Mathew Brennan (Team Visma | Lease a Bike), sollte es zu einem Sprint aus dem Feld kommen.
Aber auch die Klassikerfahrer könnten ihre Karten bei diesem Rennen ausspielen und die Sprinterkollegen an den letzten Anstiegen stehen lassen. Das UAE Team kommt zwar ohne echten Sprinter, dafür aber mit geballter Klassikerpower. Neben Tim Wellens und Florian Vermeersch, versucht auch Nils Politt wieder vorne anzugreifen, nachdem er vor zwei Jahren den Sieg nur so knapp verpasste. Aber auch Kasper Asgreen (EF Education - EasyPost), Gianni Vermeersch (Red Bull - Bora - hansgrohe), Dylan van Baarle (Soudal Quick-Step), Thomas Pidcock (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team), Toms Skujiņš (Lidl - Trek), Matej Mohorič (Bahrain - Victorious) und nicht zuletzt Wout van Aert sind echte Spezialisten und können für eine frühzeitige Entscheidung sorgen. Bei Van Aert stellt sich jedoch die Frage, ob er nach seinem Sturz beim Cyclocross schon wieder ganz vorne mitfahren kann.
Favoriten zu benennen ist beim Omloop Het Nieuwsblad nicht das Problem, es gibt eine ganze Reihe von Anwärtern auf den Sieg. Ob das Rennen jedoch von einem echten Sprinter, oder doch von einem Klassikerfahrer gewonnen wird, ist schier unmöglich vorherzusehen. Aber gerade das macht den ersten großen Klassiker der Saison aus!
Bei den Frauen sehen die Siegchancen etwas anders aus. Nur ein Mal gab es bei den letzten 15 Austragungen einen Massensprint. Die Siegerin kam in den anderen Jahren immer aus einer kleinen Gruppe, oder fuhr in einigen Fällen als Solistin ins Ziel. 2025 konnte Lotte Claes, damals noch für Arkéa - B&B Hotels Women unterwegs, gegen Aurela Nerlo (Winspace - Orange Seal) im Sprint gewinnen. Die beiden Ausreißerinnen hatten am Ende 3:25 Minuten Vorsprung vor den großen Topfavoritinnen Demi Vollering (FDJ - Suez), Puck Pieterse (Fenix Deceuninck) und kurz dahinter Lorena Wiebes (Team SD Worx - Protime). Die Titelverteidigerin Lotte Claes fährt den Omloop in diesem Jahr jedoch nicht, auch die Zweite des Vorjahres, Aurela Nerlo, steht nicht am Start.
Dafür ist Demi Vollering da, die nach ihrem Erfolg bei der Valencia-Rundfahrt zu den größten Anwärterinnen auf den Sieg des Klassikers zählt. Neben Vollering geht auch Kasia Niewiadoma (Canyon//Sram zondacrypto) an den Start. Von den großen Gesamtklassement-Fahrerinnen sind diese beiden jedoch die Einzigen beim Omloop Het Nieuwsblad. Mit Lotte Kopecky (Team SD Worx - Protime) startet auch die Siegerin von 2023, die Belgierin hat jedoch seit geraumer Zeit ein Formtief und dürfte eher als Helferin für Anna van der Breggen und und Lorena Wiebes eingeplant sein. Sollten die Sprinterinnen bis zur Zielgeraden durchkommen, stehen Wiebes jedoch auch Elisa Balsamo (Lidl - Trek) und Charlotte Kool (Fenix - Premier Tech) im Weg. Unter normalen Umständen sollte Wiebes in einem solchen Szenario den Sieg jedoch einfahren.
Neben den bereits genannten Favoritinnen gibt es noch eine Reihe weiterer Fahrerinnen, die mit einem kleinen Überraschungsfaktor beim Omloop gewinnen könnten. Dazu gehören Josie Nelson (Team Picnic PostNL), die in dieser Saison bereits mit starken Ergebnissen in Australien glänzte, die junge Cat Ferguson und Liane Lippert vom Movistar Team, Karlijn Swinkels (UAE Team ADQ), sowie Chiara Consonni (Canyon//Sram zondacrypto) und Juliette Berthet (FDJ United - Suez), die beide vermutlich der Plan B ihrer Teams sind. Die Dynamik der Gruppenbildung wird besonders spannend sein, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass diese immer wieder durchkommen können.
Da die Aufgebote der Teams für beide Rennen noch nicht finale bestätigt sind, kann es noch Änderungen geben, die in diesem Artikel nicht berücksichtigt werden können.
Werkstudent