ChatGPT, Claude, Gemini... Die KIs der letzten Jahre sorgen andauernd für Gesprächsstoff und werden immer mehr zum alltäglichen Helfer. Ob es um Fragen geht, die man noch vor fünf Jahren gegoogelt hätte, Urlaubsinspirationen für die noch nicht geplante Reise oder die einfache und beliebte Hilfestellung für Schule und Uni - die künstliche Intelligenz unterstützt. Wie gut ist sie, wenn man den Ausgang eines Sportevents vorhersagen möchte? Wir haben ChatGPT nach einer Einschätzung zu den vier verbleibenden Radsport-Klassikern gefragt.
Laut ChatGPT gibt es für den Kopfsteinpflaster-Klassiker einen glasklaren Favoriten: Tadej Pogačar. Mit einer errechneten Gewinnchance von 60 bis 65 Prozent führt an dem frisch gekürten Sieger von Mailand-Sanremo laut der KI kaum ein Weg vorbei. Mit einem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt würde er seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen und durch den Sieg 2023 seinen insgesamt dritten Triumph beim belgischen Klassiker feiern.
Der größte Konkurrent für Pogačar ist wohl der dreifache Sieger Mathieu van der Poel. Mit einer errechneten Gewinnchance von 20 bis 25 Prozent ist ein Sieg des Niederländers laut der KI zwar deutlich unwahrscheinlicher als der des Slowenen, jedoch sollte van der Poel nicht abgeschrieben werden. Die Entscheidung dürfte zwischen diesen beiden Fahrern fallen, erklärt ChatGPT.
Auch beim Klassiker Paris-Roubaix glaubt die KI an die Titelverteidigung. Mit einer errechneten Gewinnchance von 35 bis 40 Prozent stünden die Chancen für den aktuell besten Kopfsteinplaster-Fahrer und dreifachen Sieger Mathieu van der Poel leicht besser als die von Tadej Pogačar (25 bis 30 Prozent), dem nur noch dieses Monument für seinen Karriere-Grand-Slam fehlt.
Generell sei der Ausgang des französischen Klassikers jedoch deutlich offener als die Flandern-Rundfahrt. Grund hierfür sind vor allem die berüchtigten “Pavés”, die ein hohes Risiko für Defekte und Stürze bergen, wodurch der Zufallsfaktor eine größere Rolle spielt. Auch gibt es, anders als bei der Flandern-Rundfahrt, keine extremen Anstiege. Das Kopfsteinpflaster entscheidet über den Sieger. In den engeren Favoritenkreis gehören demnach auch Jasper Philipsen, Wout van Aert und Mads Pedersen, deren Gewinnchancen jedoch nicht höher als zehn Prozent ausfallen.
Wenig überraschend bewertet ChatGPT die Gewinnchancen auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich für den Vorjahressieger am höchsten (langsam erkenne ich ein Muster). Der dreifache Sieger Pogačar krönt sich mit einer errechneten Wahrscheinlichkeit von 50 bis 55 Prozent auch ein viertes Mal bei der diesjährigen Austragung des ältesten Radsport-Monuments. Die Gewinnchancen beruhen jedoch nicht auf der Auswertung vergangener Erfolge, sondern dem Profil des Rennens. Lüttich-Bastogne-Lüttich hat die meistern Höhenmeter aller Klassiker und ist damit für Kletterspezialisten gemacht.
Das Verfolgerfeld beim letzten Frühjahrsklassiker des Jahres ist daher ein anderes als bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Pogačars größter Konkurrent und klarster Herausforderer ist Remco Evenepoel, der sich mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 25 bis 30 Prozent ebenfalls mehr als berechtigte Hoffnungen auf einen dritten Triumph machen darf. Er ist einer der wenigen Fahrer, die Pogačar an den langen Anstiegen folgen können.
Seit 2021 gewann Tadej Pogačar jede Austragung der Lombardei-Rundfahrt. ChatGPT glaubt auch an den sechsten Titel in Folge - und errechnet für den Sieg des Slowenen eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 65 bis 70 Prozent! Das Streckenprofil mit den vielen langen Alpenanstiegen passe perfekt zum Kletterspezialisten, weshalb nur ein Fahrer halbwegs realistische Chancen auf einen fast schon überraschenden Sieg hätte: Remco Evenepoel. Der Belgier sei der einzige Fahrer mit einem ähnlichen Profil, weshalb seine Gewinnchancen zwischen 15 und 20 Prozent lägen.
ChatGPT bezieht sich bei den hier vorgestellten Vorhersagen nach eigener Angabe auf aktuelle Wettquoten, die Leistung der Fahrer in der Vergangenheit und weitere Faktoren, wie Streckenprofil, Teams und Taktik. Besonders mit Blick auf die spät im Jahr ausgetragene Lombardei-Rundfahrt kann sich noch einiges an den Wahrscheinlichkeiten ändern.
Fakt ist auch: Es bleiben Wahrscheinlichkeiten, die keinesfalls zu Sportwetten anregen sollen und nicht den Ausgang der Rennen vorhersagen können. Auf die Frage, wer die Favoriten bei Mailand-Sanremo waren, wurde Mathieu van der Poel mit der höchsten Siegwahrscheinlichkeit (30 bis 35 Prozent) gehandelt. Pogačar war mit einer Siegwahrscheinlichkeit von 25 bis 30 Prozent zwar ebenfalls im engen Favoritenkreis dabei, jedoch kam der um wenige Zentimeter Zweitplatzierte Tom Pidcock nur auf eine Siegwahrscheinlichkeit von drei bis fünf Prozent.
Es bleibt also abzuwarten, inwiefern die hier vorgestellten Vorhersagen zu den Ausgängen der restlichen vier Klassiker zutreffen werden. Dass Paris-Roubaix das einzige Rennen ist, in dem Pogačar laut der KI nicht der größte Favorit ist, dürfte den Slowenen nicht davon abhalten, alles daran zu setzen, das letzte fehlende Monument für sich zu entscheiden und mit dem Klassiker-Grand-Slam in den elitären Kreis um Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck und Rik Van Looy aufgenommen zu werden.

Werkstudent