Endlich ist es wieder soweit. Die Kopfsteinpflaster-Monumente im Frühjahr stehen kurz bevor - ein Fest für die radsportverrückten Fans. Vor allem in Belgien pilgern abertausende Zuschauende zur Strecke und verwandeln diese in eine große Partymeile. Aber auch aus rein sportlicher Sicht stehen die vermeintlich wichtigsten Eintagesrennen des Jahres an. Los geht es mit der Flandern-Rundfahrt.
Aber wer hat sich bis jetzt in der Saison als formstark gezeigt und wer muss noch zulegen, um eine echte Chance auf den Sieg des prestigeträchtigen Rennens zu haben? Wir haben uns die Favoriten angeschaut und werfen einen genaueren Blick auf ihre aktuelle Form.
Dass Pogačar Flandern bereits 2025 gewonnen hat, ist der größte „Proof of Concept“ überhaupt: Er kennt das Finale, die Positionskämpfe und die brutalen Wiederholungen von Kwaremont/Paterberg – und er weiß, wie man dort den Unterschied macht. Dazu kommen die Siege bei der Strade Bianche (das heimliche sechste Monument) und Mailand-Sanremo. Die Bilanz: zwei Eintagesrennen gefahren und beide gewonnen. Die Form scheint noch einmal besser als im vergangenen Jahr, vielleicht auch dank spezifischerer Vorbereitung auf die Klassiker.
Van der Poel kommt mit dem vielleicht klarsten „Flandern-Formpaket“: Omloop-Sieg plus E3-Sieg. Mailand-Sanremo konnte er allerdings nicht gewinnen, dabei liegt ihm die Strecke eigentlich deutlich eher. Ausgebremst wurde er dort aber auch von einer Verletzung an der Hand. Beim E3 Saxo Race bewies der Niederländer wieder alte Stärke. Mit einem neuen persönlichen Wattrekord stellte er seine Verfolger ab und fuhr als Solist nach Harelbeke. Für “MvdP” heißt es am Kwaremont und Paterberg Dranbleiben! Er muss dort das Hinterrad von Pogačar halten können, sonst ist dieser auf und davon.
Mit seiner Knöchelfraktur zu Beginn des Jahres beim Cyclocross, seinem zehnten Platz bei Strade Bianche und einer mittelmäßigen Rundfahrt Tirreno-Adriatico verlief die frühe Saison des Belgiers nicht so wie geplant. Van Aerts Podium bei Sanremo hingegen zeigt: Der Motor ist da, die Endgeschwindigkeit auch. In Flandern braucht er jedoch das passende Szenario: entweder kann er den entscheidenden Attacken folgen und selbst kontern – oder sein Team muss die Rennsituation so formen, dass nicht jede Attacke zum Vollgas-Einzelkampf wird.
Nach seinem Sturz auf der ersten Etappe der Valencia-Rundfahrt war die Klassikersaison für den Dänen in Gefahr. Bei Mailand-Sanremo meldet sich Mads Pedersen jedoch überraschend wieder zurück, rutschte noch ins Aufgebot seines Teams. Mit dem vierten Platz konnte er selbst wohl kaum rechnen, eine starke Leistung nach einer schnellen Genesung. Der neunte Platz beim E3 war ebenfalls ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Bei der Flandern-Rundfahrt scheint für Pedersen alles möglich, vor allem wenn sich die ganze Welt auf die beiden Topfavoriten Pogačar und Van der Poel konzentriert.
Der Name, den man dieses Jahr nicht mehr nur als Talent abtun kann: Matthew Brennan. Sein Sieg bei Kuurne–Brüssel–Kuurne zeigt, dass er nicht nur schnell ist, sondern auch in einem echten belgischen Klassiker unter Stress die Nerven behält. Es ist nicht auszuschließen, dass das Team Visma | Lease a Bike mit Brennan als zweiten Kapitän ins Rennen geht. Sollte Van Aert einen schlechten Tag haben, kann der Brite bei günstigem Rennverlauf vorne mitmischen.
Werkstudent