Viele haben es gar nicht auf dem Schirm: Brügge–De Panne war über lange Zeit kein klassisches Eintagesrennen. Erst 2018 kam es zu dieser Umstellung – und das unter eher ungewöhnlichen Umständen. Bis dahin gab es streng genommen auch kein Brügge–De Panne der Männer, sondern die Drei Tage von De Panne, eine kompakte Rundfahrt, die sich über Jahre hinweg einen festen und durchaus prominenten Platz in der Woche vor der Flandern-Rundfahrt gesichert hatte.
Damit war allerdings 2017 Schluss. Schon im darauffolgenden Jahr wurde Quer durch Flandern auf den Mittwoch vor dem Monument verlegt. Weil im ohnehin eng getakteten belgischen Frühjahrs-Kalender kein Raum mehr für ein mehrtägiges Rennen blieb, zog der organisierende Königliche Radsportclub Panne die Konsequenz: Aus der Mini-Rundfahrt wurde ein Eintagesrennen – und zwar gleich doppelt, nämlich für Männer und für Frauen.
Zu dem neuen Namen kommt in diesem Jahr auch eine neue Strecke hinzu. Bis 2025 führte das Eintagesrennen von Brügge stets Richtung Küste und in westlicher Richtung bis De Panne. In diesem Jahr bekommt das Feld weder die Küste, noch De Panne zu sehen. Von Brügge aus geht es in südlicher Richtung bis nach Torhout. Weiter geht durch Wingene und Beernem, bis die Route schließlich auf die Runde um Brügge verläuft. Hier müssen die Frauen eine Runde und die Männer zwei Runden überstehen. Neu bei dieser Austragung ist auch die Kopfsteinpflaster-Passage auf dem Brieversweg. Knapp 1,3 Kilometer lang, muss dieser Abschnitt von den Frauen zweimal und von den Männern dreimal bewältigt werden.
In Deutschland werden sowohl das Männer- als auch das Frauenrennen nicht live im Fernsehen gezeigt. Dafür gibt es zu beiden Rennen einen kostenpflichtigen Live-Stream bei Discovery Plus. Die Rennen werden dort jeweils ab 15:15 Uhr übertragen.
Auch mit neuer Strecke stehen die Chancen für den Sieg einer Sprinterin und eines Sprinters sehr gut. Ein entscheidender Faktor ist wie auch in den vergangenen Jahren der Wind, der zu Teilungen des Pelotons führen kann. Die Positionierung ist für Anwärterinnen und Anwärter auf den Sieg deshalb umso wichtiger - eine kleine Pause im hinteren Teil des Feldes kann fatale Auswirkungen haben.
Bei den Männern ist der Vorjahressieger Juan Sebastián Molano wieder am Start und versucht seinen Titel zu verteidigen. Währenddessen könnte Jasper Philipsen seinen dritten Sieg beim belgischen Rennen einfahren. Die Form des 28-jährigen scheint wieder anzusteigen, erst kürzlich gewann er das Eintagesrennen Danilith Nokere Koerse, unter anderem vor Molano.
Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass gleich mehrere Fahrer ebenfalls vorne mitmischen könnten. Beim deutschen Team Lidl - Trek stehen Tim Torn Teutenberg und Max Walscheid im Aufgebot, als Sprinter könnte jedoch auch Simone Consonni eingeplant sein. Phil Bauhaus und Max Kanter hingegen, dürften bei ihren Teams als die klar definierten Sprinter ins Rennen gehen. Kanter kommt mit einem Etappensieg bei Paris-Nizza und daher viel Rückenwind nach Belgien. Dylan Groenewegen, Fabio Jakobsen, Pavel Bittner, Sam Welsford, Cees Bol und Luke Lamperti haben ebenfalls eine kleine Chance auf den Sieg - sollte es zu einem Sprint kommen. Eine Garantie dafür gibt es nicht, der Wind kann einzelnen Fahrern immer einen Strich durch die Rechnung machen.
Bei den Frauen ist die Vorjahressiegerin nicht am Start des Rennens. Lorena Wiebes ruht sich nach Mailand-Sanremo für den bevorstehenden Klassiker rund um Wevelgem aus. Dafür steht die zweifache Siegerin Elisa Balsamo, im Aufgebot ihres Teams. Durch das Fehlen von Wiebes sind die Italienerin Balsamo zusammen mit Charlotte Kool, Chiara Consonni und Ally Wollaston in einer aussichtsreichen Position für den Sieg.
Auch bei den Frauen gibt es noch eine Reihe an Fahrerinnen, die durch einen glücklichen Rennverlauf Siegeschancen haben. Georgia Baker, Kathrin Schweinberger, Maggie Coles-Lyster und Marta Lach sind nur einige der lauernden Kandidatinnen. Auch hier gilt: im Regelfall machen die stärksten Sprinterinnen den obersten Podestplatz unter sich aus, sollte es jedoch zu Windkanten kommen, kann das Rennen schnell einen anderen Verlauf nehmen. Fahrerinnen die auf die Flucht nach vorn pokern, müssen ihre Chancen also nicht schon vor dem Rennen begraben, sondern dürfen auf günstige Bedingungen hoffen.
Werkstudent