Eine etwas kürzere Strecke und ähnliche Streckenverläufe wie im Vorjahr zeichnen die UAE Tour Women 2026 aus. Der bedeutende Unterschied ist die Reihenfolge der Etappen. Während 2025 der Jebel Hafeet noch auf der 3. Etappe bezwungen werden musste, steht die einzige schwierige Aufgabe nun am letzten Tag bevor. Das Kletterfinale dürfte einen würdigen Abschluss der Rundfahrt bilden, bei dem sich das Gesamtklassement entscheiden wird.
Der Auftakt findet in Al Mirfa statt. Die erste Etappe verläuft nahezu ohne Höhenmeter: Von der Küste führt die Strecke ins Landesinnere nach Madinat Zayed. Der erste Zwischensprint wartet rund 50 Kilometer vor dem Ziel, der zweite direkt bei der Einfahrt in die Stadt. Auf den letzten Kilometern geht es flach und schnurgerade Richtung Ziel – ohne technische Passagen oder knifflige Kurven. Alles deutet darauf hin, dass hier ein Massensprint die Entscheidung bringt.
Der zweite Teilabschnitt startet und endet in Dubai und führt ebenfalls größtenteils flach durch das Inland. Nur direkt nach dem Start an der Police Academy sowie kurz vor dem Ziel an der Smart University verläuft die Strecke durch das Stadtgebiet. Die beiden Zwischensprints liegen diesmal kurz nach dem Start und in der Mitte der Etappe. Zwar ist das Profil im Vergleich zur 1. Etappe ein wenig welliger, dennoch ist auch hier mit einem Massensprint zu rechnen – einzig der Wind könnte auf den breiten Straßen im Inland für Unruhe sorgen.
Auch auf der 3. Etappe müssen die Fahrerinnen – wie bereits auf der 1. Etappe – keine nennenswerten Schwierigkeiten bewältigen. Die Route führt über weite Strecken am Wasser entlang und mehrfach über Brücken. Ein Zwischensprint steht erneut gleich zu Beginn der Etappe an, ein weiterer folgt kurz vor dem Ziel. Damit ist auch diese Etappe wie gemacht für die Sprinterinnen.
Die Königsetappe wartet in diesem Jahr zum Schluss auf das Feld. Flach verläuft die 4. Etappe mit zwei Zwischensprints bis zum Fuß des Jebel Hafeet. Der Anstieg ist ein Klassiker bei der UAE Tour, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen.
Mit 10,8 Kilometern und 6,6 Prozent Steigung im Schnitt wird sich hier die Rundfahrt entscheiden. Der Anstieg beginnt mit einer moderaten Steigung auf den ersten 1,5 Kilometern, nimmt dann aber Fahrt auf. Auf die Fahrerinnen warten danach 7 Kilometer bei 8 Prozent, bis es nach oben hin wieder abflacht. Kurz vor dem Ziel geht es noch einmal bergab, bis zum letzten Stich und zur Ziellinie. Wenn das Gesamtklassement noch nicht im langen Teil des Berges entschieden ist, wird es auf den letzten Metern vor dem Ziel passieren.
Im TV werden die Rennen der Frauen in Deutschland in Teilen bei Eurosport 2 zu sehen sein, an den meisten Tagen jedoch nur als Zusammenfassung. Bei Discovery Plus gibt es zu allen Etappen einen kostenpflichtigen Live-Stream.
Bei der UAE Tour stehen – wie so oft – zwei Fragen im Mittelpunkt: Wer dominiert die zahlreichen Sprintetappen, die traditionell den Großteil des Rennens ausmachen? Und wer setzt sich auf der Schlussetappe am Jebel Hafeet durch und sichert sich damit den Gesamtsieg?
Auch wenn der Rundfahrtsieg vom Prestige her eher begrenzt ist und im Frühjahr noch wichtigere Vorbereitungs-Rundfahrten folgen, lohnt sich der Blick auf das Rennen dennoch. Denn bei der UAE Tour Women stehen wie schon im vergangenen Jahr absolute Top-Fahrerinnen am Start. Genau deshalb ist dieses frühe Kräftemessen sowohl für die Sprinterinnen als auch für die Anwärterinnen auf das Gesamtklassement besonders spannend.
Auch in der neuen Saison gibt es für die Sprintetappen der UAE Tour Women keine Überraschung: Lorena Wiebes (Team SD Worx – Protime) geht als klare Topfavoritin auf Sprint-Etappensiege in die Rundfahrt. 2025 gewann die Niederländerin alle drei Sprintankünfte, 2024 verpasste sie bei drei Gelegenheiten nur einmal den Sieg und wurde Zweite. Beim ersten großen Kräftemessen des Jahres bleibt dennoch stets ein kleiner Unsicherheitsfaktor. Vor allem Chiara Consonni (Canyon//Sram zondacrypto) und Charlotte Kool (Fenix – Premier Tech) besitzen das Potenzial, Wiebes die Etappensiege streitig zu machen. Kool hatte bei der UAE Tour Women bereits 2023 mit zwei Etappenerfolgen glänzen können, wurde jedoch im Vorjahr durch einen schweren Sturz ausgebremst, musste die Tour de France Femmes aufgeben und bestritt danach nur noch wenige Rennen.
Für eine Überraschung kommen zudem Emma Norsgaard Bjerg (Lidl – Trek) oder Georgia Baker (Liv AlUla Jayco) infrage. Auch Megan Jastrap (UAE Team ADQ) unterstrich bei der Simac Ladies Tour im vergangenen Jahr, dass sie im Sprint um die Spitzenplätze mitmischen kann.
Die ItalienerinElisa Longo Borghini(UAE Team ADQ) fährt seit der vergangenen Saison für die Equipe aus den Emiraten – und hat dort bereits zum zweiten Mal dieUAE Tourgewonnen. Als Titelverteidigerin gilt Longo Borghini auch2026erneut als Top-Favoritin. Doch zwei weitere Weltklassefahrerinnen haben ihr Kommen bereits bestätigt:Marlen Reusser(Movistar Team) steht ebenfalls am Start und könnte im Kampf um den Gesamtsieg für ein packendes Duell mit Longo Borghini sorgen. Außerdem dürfte die Tour-Siegerin von2024,Katarzyna Niewiadoma Phinney(Canyon//SRAM zondacrypto), ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Ein derart hochkarätig besetztes Starterfeld hat es bei der vergleichsweise kleinen Rundfahrt bislang noch nicht gegeben – was wohl auch mitfinanziellen Faktorenzusammenhängt.
Mit Anna van der Breggen (Team SD Worx – Protime) schickt die Mannschaft neben der wohl besten Sprinterin im Feld auch eine ausgewiesene Gesamtklassement-Fahrerin ins Rennen. Van der Breggen hat in ihrer Karriere nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – und könnte genau die Fahrerin sein, die den drei Top-Favoritinnen das Leben schwer macht. Auch AG Insurance – Soudal bringt für die entscheidende Etappe reichlich Qualität mit: Mit der Lüttich–Bastogne–Lüttich-Siegerin Kimberley Le Court Pienaar und der Kletterspezialistin Justine Ghekiere stehen zwei starke Optionen bereit. Le Court Pienaar fuhr bei der UAE Tour Women 2025 auf Rang drei, lag allerdings mehr als zwei Minuten hinter Elisa Longo Borghini zurück.
Ebenfalls ganz vorne zu erwarten ist Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek), Fünfte der Tour de France Femmes 2025. Und auch Juliette Berthet (FDJ United – Suez), bislang die einzige nominierte Fahrerin ihres Teams, bringt nach einer starken Saison das Potenzial mit, als Siegerin zu überraschen: Trotz vieler Helferinnendienste sammelte sie bei großen Rundfahrten beachtliche Resultate – als Kapitänin könnte sie hier zeigen, was in ihr steckt. Für zusätzliche Überraschungsmomente könnten zudem Monica Trinca Colonel (Liv AlUla Jayco) oder Karlijn Swinkels (UAE Team ADQ) sorgen – wobei Swinkels voraussichtlich vor allem als Helferin klar definierte Aufgaben haben dürfte.
Werkstudent