Georg SteinhauserDas zweite deutsche GC-Talent?

Leon Weidner

 · 02.04.2026

Georg Steinhauser: Das zweite deutsche GC-Talent?Foto: Getty Images/Szymon Gruchalski
Bei Paris-Nizza zeigte Georg Steinhauser sein Können - das macht Lust auf mehr
Im Schatten des neuen deutschen Radstar Florian Lipowitz hat zu Beginn dieser Saison ein weiterer Name die Runde gemacht. Georg Steinhauser hat Paris-Nizza auf Rang drei der Gesamtwertung beendet und gewann das Weiße Trikot als bester Jungprofi. Und das vor hoch gehandelten Namen wie Lenny Martinez und Kévin Vauquelin.

Themen in diesem Artikel

Georg Steinhauser beendete Paris-Nizza auf dem dritten Platz der Gesamtwertung und gewann das Weiße Trikot beim durchaus gut besetzten Rennen. Der 24-Jährige vom Team EF Education-EasyPost hatte zwar einen gehörigen Abstand auf den Sieger Jonas Vingegaard, dieser schien aber auch für die anderen Fahrer unerreichbar zu sein. Bei schwierigen Bedingungen auf der vierten Etappe nach Uchon bewies Steinhauser seine Stärke und gewann die entscheidende Zeit auf seine Konkurrenten. Man könnte sagen, der junge deutsche Fahrer hatte großes Glück an dem Tag. Auf der anderen Seite: Einmal ist Zufall, zweimal ist Glück und dreimal ist Können.

Entscheidung bei extremen Bedingungen

Die vierte Etappe legte den Grundstein für Steinhausers Podiumsplatz. Bei strömendem Regen teilte sich das Peloton an einer Windkante, der Deutsche befand sich in der vorderen Gruppe. Nach dem Sturz von Juan Ayuso fiel Steinhauser in den hinteren Teil zurück. Am vorletzten Anstieg machte er sich alleine auf die Verfolgung eines Red Bull-Bora-hansgrohe-Quintetts, Jonas Vingegaard und Mathias Vacek. 30 Kilometer fuhr er solo hinterher, wurde Tages-Fünfter und eroberte den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Auf der 129,2 Kilometer langen Schlussetappe mit Start und Ziel in Nizza genügte Steinhauser Platz sechs. Der Franzose Lenny Martinez gewann vor Gesamtsieger Vingegaard. Kévin Vauquelin, erster Verfolger im Kampf ums Podium und ums Weiße Trikot, konnte dem Deutschen nicht mehr gefährlich werden.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Rückkehr nach Krankheitsjahr

Das Podium bedeutet für Steinhauser den größten Rundfahrt-Erfolg seit seinem Etappensieg beim Giro d'Italia 2024 am Passo Brocon. Im vergangenen Jahr erlitt der Giro-Etappensieger aufgrund einer lange unerkannten Borreliose-Erkrankung infolge eines Zeckenbisses einen Leistungseinbruch. Kniebeschwerden warfen ihn in der Frühphase der Saison zurück, die Tour of Austria musste er vorzeitig beenden. Es folgte eine monatelange Pause wegen der Borreliose. Mentale Probleme kamen hinzu.

"Im Radsport gibt es immer viele Auf und Abs", sagte Steinhauser bei der Eurosport-Übertragung nach der Schlussetappe. "Letztes Jahr war ich sehr weit unten, jetzt bin ich sehr weit oben. Ich werde das genießen, solange ich kann. Ich bin einfach happy." Nach mehreren Top-Ten-Platzierungen zum Saisonauftakt auf Mallorca und einem 22. Platz in der Gesamtwertung der UAE Tour feierte er sein erstes richtiges Erfolgserlebnis 2026.

Perspektiven für die Saison und darüber hinaus

Da kommt fast schon die Frage auf: könnte es neben Florian Lipowitz noch einen zweiten deutschen Gesamtklassement-Fahrer geben? Steinhauser steht auf der Longlist seines Teams für die Tour de France. Beim Rennen zur Sonne gab er eine starke Bewerbung ab, um zum ersten Mal bei der Grand Boucle am Start zu stehen. Ein gutes Vorzeichen gibt es auf jeden Fall. Auch Lipowitz fuhr vor seinem grandiosen Ergebnis bei der Frankreich-Rundfahrt bei Paris-Nizza ein starkes Ergebnis ein, damals war es der zweite Platz.

Die Frage, ob Deutschland mit Steinhauser einen zweiten Gesamtklassement-Fahrer für die großen Rundfahrten hat, wird wohl in den kommenden Monaten beantwortet werden. Mit erst 24 Jahren hat der Allgäuer noch enormes Entwicklungspotenzial. Seine Kletterfähigkeiten hat er bereits beim Giro 2024 unter Beweis gestellt, bei Paris-Nizza zeigte er nun auch Stärke im Zeitfahren und bei widrigen Bedingungen. Sollte Steinhauser bei der Tour de France zum Einsatz kommen, könnte dies der nächste Schritt in seiner Entwicklung sein. Steinhauser hat das Zeug dazu, eine echte Bereicherung für den Kampf um das Gesamtklassement bei Rundfahrten aus deutscher Sicht zu werden. Sein Podiumsplatz bei Paris-Nizza ist mehr als nur ein Comeback nach einer schweren Krankheit – es könnte der Beginn einer neuen Ära für den deutschen Radsport sein.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob der 24-Jährige den nächsten Schritt machen und sich als ernsthafter Kandidat für Gesamtklassements bei Rundfahrten etablieren kann. Die Voraussetzungen dafür hat er bei Paris-Nizza eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Jetzt gilt es für Steinhauser dies erneut unter Beweis zu stellen. Einmal ist Zufall, zweimal ist Glück und dreimal ist Können...


Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport