Andreas Kublik
· 05.04.2026
Itzulia heißt das sechstätige Etappenrennen, das in Deutschland vor allem unter dem Namen Baskenland-Rundfahrt bekannt ist. Itzulia ist das baskische Wort für Rundfahrt. In diesem Jahr führt das Rennen über sechs Etappen. Die Veranstaltung der höchsten Rennserie World-Tour ist hochkarätig besetzt. Zwar fehlen Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard (Stand bei Redaktionsschluss) auf der Startliste. Aber die nächste Generation lauert. Das ist zunächst der Spanier Juan Ayuso, der bei seinem neuen Rennstall Lidl-Trek gerne zeigen würde, dass er das Zeug zu einem ganz großen Rundfahrtspezialisten hat. Und außerdem der Mexikaner Isaac del Toro (UAE Team Emirates-XRG), der in Abwesenheit seines Kapitäns Pogacar beste Chancen auf den Gesamtsieg hat. Und ganz Frankreich wird mit großer Spannung verfolgen, ob der erst 19-jährige Paul Seixas (Decathlon CGA CGM) seinen Senkrechtstart in die Weltspitze auch bei der Itzulia fortsetzt. Der deutsche Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe geht mit dem Sieger der Jahre 2018 und 2021 Primoz Roglic an der Spitze ins Rennen. Deutsche Begleiter hat er während des Rennens teamintern voraussichtlich nicht an seiner Seite. Dennoch versucht sich ein halbes Dutzend Radprofis aus Deutschland im Baskenland - mit unterschiedlichen Rollen und Erwartungen. Die Kandidaten im Überblick - von B wie Marco Brenner bis Z wie Georg Zimmermann:
In früheren Zeiten wäre ein junger Mann wie Marco Brenner in diesem Jahr in seine erste Profi-Saiosn gestartet - nachdem er nun endgültig nicht mehr in der Nachwuchsklasse U23 startberechtigt wäre. Im kommenden August wird der Radprofi vom Tudor Pro Cycling Team seinen 24. Geburtstag feiern. Der Augsburger hat aber den Schritt in die höchste Radsportklasse bereits direkt nach der Junioren-Zeit gewagt - er fährt bereits im sechsten Jahr als Profi. Sein Weg war von Auf und Abs geprägt - doch auch nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels im Jahr 2024 konnte der durchaus hochveranlagte Radsportler nicht dauerhaft Ergebnisse auf höchstem Niveau abliefern. Immer wieder warfen ihn Stürze, Krankheiten, Formkrisen zurück - wie auch im vergangenen Jahr. Dem kletterstarken und angriffslustigen Rennfahrer sollte das Terrain im Norden Spaniens liegen. Seine Form schien zu Jahresbeginn gut wie seine Topplatzierung bei der Tour des Alpes Maritimes bewies (siehe Foto). Mehr Stabilität wäre Brenner für die Zukunft zu wünschen.
Es ist verdammt lang her: Im Jahr 2019 machte sich Emanuel Buchmann im Baskenland auf den Weg in eine großartige Saison. Er gewann damals eine Etappe und wurde Gesamtdritter - nach Jury-Entscheid, weil er auf der Schlussetappe kurz vor dem Ziel falsch geleitet worden war. „Dies ist der wichtigste Sieg in meiner Karriere“, sagte Buchmann damals über seinen Tagessieg in Arrate, als er den späteren Gesamtsieger Ion Izagirre mehr als eine Minute distanzierte. Da stand sein ganz großer Durchbruch noch bevor. Das Jahr krönte er mit Rang vier bei der Tour de France, verpasste das Podium in Paris nur knapp. Im Baskenland begann das mit Abstand beste Jahr des Radprofis aus Oberschwaben. Vierter bei der UAE Tour, Siebter bei der Tour de Romandie, Dritter beim Critérium du Dauphiné - der damalige Bora-Profi war unzweifelhaft damals einer der besten Rundfahrtspezialisten. Auch wenn dem Leichtgewicht (bei 1,81 Meter Körpergröße bewegt sich sein Körpergewicht um die 60-Kilogramm-Marke) seine Schwäche im Einzelzeitfahren immer mal wieder ein besseres Gesamtergebnis zunichte gemacht hat. In diesem Jahr ist der Ritt durchs Baskenland die Chance, sich wieder fürs Aufgebot seiner französischen Equipe Cofidis bei der Tour de France zu empfehlen. Seine Aufgaben auf den sechs Etappen sind vielfältig: Vorarbeit zu möglichen Etappensiegen seiner baskischen Teamkollegen Alex Aranburu und Ion Izagirre leisten und selbst auf den Tagesabschnitten und im Gesamtklassement möglichst weit vorne abzuschließen, heißt es von der Cofidis-Pressestelle. Bisher hat er ganze drei Renntage in den Beinen - ohne gutes Resultat. Zwei Tage vor dem Start zur Baskenland-Rundfahrt soll er noch am Samstag (4. April) das Eintagesrennen GP Indurain bestreiten.
Die ganz großen Erfolge fehlen noch, seit Lennard Kämna nach seinem schrecklichen Trainingsunfall auf Teneriffa Anfang 2024 wieder im Rennsattel sitzt (hier spricht er im TOUR-Interview darüber). Die Tour de Suisse im vergangen Jahr zeigte, dass der einstige Tour- und Giro-Etappensieger aber wieder zurück in der erweiterten Weltspitze ist. Am Ende stand Gesamtrang sechs, bei der darauffolgenden Deutschen Meisterschaften mischte er lange im Titelrennen mit und kam in Sichtweite des neuen Meisters Georg Zimmermann ins Ziel. Nach der Verpflichtung des neuen Rundfahrt-Leaders Juan Ayuso, der bei Lidl-Trek endlich aus dem Schatten von Tadej Pogacar treten will, kommt ihm voraussichtlich bei schweren Rennen wie im Baskenland und voraussichtlich auch der Tour de France eine Rolle als Edelhelfer zu. Die Fahrt durchs Baskenland könnte zeigen, wie gut die Zusammenarbeit mit dem 23-jährigen Spanier bereits klappt, der nach einem Sieg zum Saisonauftakt bei der Algarve-Rundfahrt und dem sturzbedingten Ausscheiden bei Paris-Nizza im Baskenland eine Art Comeback gibt.
Was für ein Einstand: Kurz nachdem Maximilian Schachmann zur Saison 2019 zum Team Bora-hansgrohe gewechselt war, startete er im Baskenland-Rundfahrt richtig durch. Er gewann das Auftaktzeitfahren und danach noch zwei weitere Tagesabschnitte, trug vier Tage lang das Gelbe Trikot des Führenden, das er erst nach der fünften Etappe an den damaligen Teamkollegen Emanuel Buchmann abtreten musste. Nach schwierigeren Jahren kehrte er nach dem Wechsel zurück zu Soudal-Quickstep im Vorjahr an gleicher Stelle in die Erfolgsspur zurück. Er gewann 2025 wieder das Auftaktzeitfahren, trug drei Tage Gelb und beendete die Rundfahrt als Gesamtdritter. Gesamtsieger Joao Almeida (Portugal/UAE) und den Spanier Enric Mas (Movistar) musste er noch vorbeiziehen lassen. In diesem Jahr muss er eventuell um die interne Führungsrolle mit dem Teamkollegen Mikael Landa streiten. Im Alter von 36 Jahren hat der Baske wohl ziemlich die letzte Chance, das Rennen selbst zu gewinnen. In den Jahren 2018 und 2023 war er jeweils Gesamtzweiter. Schachmann hat allerdings einen Startvorteil: Es geht wieder mit einem Einzelzeitfahren los - eine Übung, die Landa eher gar nicht liegt.
In der U23-Klasse galt Hannes Wilksch als großes Talent für Rundfahrten. Gesamtrang sieben bei der Tour de l’Avenir und Gesamtrang drei beim Giro d’Italia der Nachwuchsfahrer weist sein Arbeitszeugnis aus. Bei den Profis, zu denen er im Sommer 2023 bei Tudor wechselte, rollte der gebürtige Strausberger bisher eher unauffällig mit. Ein Sieg auf höchstem Niveau fehlt ihm noch. Laut Internetseite seines Teams träumt er von einem Start bei einer Grand Tour. Bisher war er noch bei keinem dreiwöchigen Etappenrennen dabei. Der anspruchsvolle Ritt durchs Baskenland könnte also eine Art Bewerbungsrunde für den Brandenburger werden, für den der richtige Sitz der Frisur unter dem Helm wichtig ist. Wichtigstes Stück im Reisegepäck zu Rennen ist laut Selbstauskunft Haarwachs.
Neben Brenner der Frühstarter unter den Deutschen, die einen Start bei der Baskenland-Rundfahrt geplant haben. Wie sein Augsburger Kumpel startete der Mann im schwarz-rot-goldenen Trikot des Deutschen Meisters die Saison bereits mit Renneinsätzen im Januar bei der Tour Down Under in Australien. Der 28-Jährige würde gerne einmal im Deutschen Meistertrikot als Sieger eines Radrennens jubeln, wie er im TOUR-Interview (gibt es hier) sagte. Seinen nationalen Titel kann er zwar am 28. Juni verteidigen. Noch ist der Austragungsort nicht bekannt und Zimmermann kann nicht beurteilen, ob ihm die Meisterschaftsstrecke liegen könnte. Das Terrain im Baskenland, mit knackigen Anstiegen, könnte ihm Chancen auf einen Erfolg eröffnen: Er mag kurze, knackige Anstiege. Allerdings ist die Konkurrenz bei diesem World-Tour-Rennen extrem groß. Seine Rolle im Team Lotto-Intermarché ist voraussichtlich zweigeteilt: Als Leader geht das junge belgische Klettertalent Jarno Widar ins Rennen. Zimmermann ist als Helfer vorgesehen. Aber, so heißt es aus seinem Rennstall, er solle die Chance erhalten, im Laufe des Rennens auch auf einen Etappensieg zu fahren.

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