Die 18. Etappe zwischen Morbegno und Cesano Maderno stand im Zeichen der Ausreißer. Nach 144 Kilometern sicherte sich schließlich Nico Denz (Red Bull - BORA - hansgrohe) als Solist den Tagessieg. Eine 36-köpfige Spitzengruppe bestimmte das Teilstück und kam mit einem Vorsprung von 13:52 Minuten auf das Feld ins Ziel.
Zur ursprünglichen großen Fluchtgruppe gehörten ebenfalls Namen wie Mads Pedersen (Lidl - Trek), Kaden Groves (Alpecin – Deceuninck) und Wout Van Aert (Team Visma | Lease a Bike). Allerdings kam es 35 Kilometer vor dem Ziel zur Selektion, aus der zehn Fahrern hervorgingen, von denen sich Denz 17 Kilometer vor dem Ziel entscheidend absetzte. Mit einem Rückstand von 1:01 Minuten kamen Mirco Maestri (Team Polti VisitMalta) und Edward Planckaert (Alpecin – Deceuninck) auf die Plätze zwei und drei. Der große Rest der großen Fluchtgruppe um Pedersen und Van Aert kam mit 3:40 Minuten Rückstand ins Ziel.
“Das ist vielleicht der emotionalste Sieg, nachdem wir Jai und Primož verloren haben. Wir alle im Team hatten dieses große Ziel, den Giro mit Primož Roglič zu gewinnen”, meinte Denz und ergänzte: “Wir waren zwei Monate im Höhentrainingslager, waren drei Monate von zu Hause weg. Wenn du einen Leader wie Primož verlierst, platzt auch ein Traum. Es fühlt sich an, als ob die harte Arbeit für nichts war. Glücklicherweise haben wir den Turnaround geschafft und haben uns selbst motiviert.”
Für den 31-jährigen Denz war es nach zwei Erfolgen beim Giro d’Italia 2023 der dritte Etappensieg bei der Italien-Rundfahrt. Nach dem Ausfall von Kapitän Primož Roglič kann Red Bull - BORA - hansgrohe mit dem Tagessieg zumindest ein versöhnliches Ergebnis bei diesem Giro verbuchen.
In der Gesamtwertung verteidigte Isaac del Toro (UAE Team Emirates – XRG) problemlos sein Rosa Trikot. Allerdings verlor er seinen Teamkollegen Juan Ayuso. Der Spanier, der als ein großer Favorit ins Rennen gegangen war, gab die Etappe nach wenigen Kilometern auf. Knieprobleme hatten Ayuso bereits an den Vortagen belastet, zudem litt er an einem geschwollenen Auge aufgrund einer allergischen Reaktion durch einen Bienenstich.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Red Bull - BORA - hansgrohe | 03:12:07 |
| 2 | Team Polti VisitMalta | +00:01:01 |
| 3 | Alpecin - Deceuninck | +00:01:01 |
| 4 | VF Group - Bardiani CSF - Faizanè | +00:01:01 |
| 5 | Team Picnic PostNL | +00:01:01 |
| 6 | Decathlon AG2R La Mondiale Team | +00:01:01 |
Die Etappe galt als aussichtsreiches Teilstück für eine Ausreißergruppe. Entsprechend umkämpft war der Etappenbeginn. Mehrere kleinere und größere Gruppen versuchten, sich vom Feld abzusetzen – zunächst jedoch erfolglos. Erst ein Vorstoß von Mads Pedersen und Felix Engelhardt (Team Jayco – AlUla) nach 15 Kilometern führte zu einer großen Gruppe, die über die folgenden Kilometer auf bis zu 36 Fahrer anwuchs.
Unter anderem gehörten ebenfalls Kaden Groves (Alpecin – Deceuninck), Wout Van Aert (Team Visma | Lease a Bike), Edoardo Zambanini (Bahrain - Victorious), Dries De Bondt und Andrea Vendrame (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Remy Rochas (Groupama - FDJ), Matteo Cattaneo (Soudal - Quicl-Step), Daan Hoole (Lidl – Trek), Davide Bais (Team Polti VisitMalta) und Christian Scaroni (XDS Astana Team) zur Gruppe. Insgesamt 18 Teams waren in der Gruppe involviert, mit drei Fahrern war unter anderem Alpecin – Deceuninck vertreten, das überwiegend die Tempoarbeit übernahm.
Das Feld ließ die Gruppe jedoch nicht sofort ziehen, lange lag zwischen beiden Gruppen lediglich eine Minute an Abstand. Erst nach der ersten Bergwertung des Tages in Parlasco (2. Kategorie) nahm das Feld nach 35 Kilometer heraus. Im Anschluss stieg der Vorsprung der Fluchtgruppe kontinuierlich. 40 Kilometer vor dem Ziel überschritt der Abstand erstmals die Zehn-Minuten-Marke, wodurch der größte Vorsprung einer Gruppe bei diesem Giro d’Italia erreicht war.
Über die drei Bergwertungen des Tages blieb die Gruppe zusammen, der letzte Anstieg stand 60 Kilometer vor dem Ziel an. Anschließend war das Terrain größtenteils flach. 35 Kilometer vor dem Ziel kam es zur Selektion in der Gruppe, aus der zunächst eine neunköpfige Gruppe um Edward Planckaert (Alpecin – Deceuninck), Daan Hoole (Lidl - Trek), Dries De Bondt (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Dylan van Baarle (Team Visma | Lease a Bike), Larry Warbasse (Tudor), Alex Edmondson (Team Picnic PostNL), Nicola Conci (XDS Astana Team), Mirco Maestri (Team Polti VisitMalta) und Davide de Pretto (Team Jayco - AlUla) hervorging. Kurz darauf gelang auch Nico Denz der Anschluss. Da fast jedes Team aus der Fluchtgruppe bei dem Vorstoß vertreten war, setzte sich die Gruppe schnell auf über zwei Minuten ab.
Gemeinsam erreichte die Gruppe die 12,5 Kilometer lange Schlussrunde um Cesano Maderno, die zweimal befahren werden musste. 17 Kilometer vor dem Ziel griff Denz dann vor einer Kurvenkombination an, in der er eine kleine Lücke herausfuhr, die entscheidend war. Denn unter den Verfolgern gab es keine Einigkeit, wer die Nachführarbeit leistet. Für Denz der Schlüssel zum Etappensieg.