Sebastian Lindner
· 14.05.2026
Nördlich von Neapel in Formia fällt zum Ende der ersten Woche des Giro der Startschuss für die längste Etappe der Rundfahrt, die gleichzeitig auch die erste Bergankunft darstellt. Den ersten kleinen Warmmacher für den Tag gibt es auf einer Extrarunde um den Startort an der Küste, bevor es ins Landesinnere und damit in die Abruzzen-Region geht.
In überwiegend nördlicher Richtung unterwegs, bleibt das Terrain bis zur Hälfte der Etappe flach. Erst dann geht es in den Appenin. Die erste Bergwertung des Tages wird dabei in Roccaraso abgenommen. Mit knapp sieben Kilometern Länge bei 6,5 Prozent Steigung im Mittel ist der Anstieg der 2. Kategorie, dem ein unkategorisierter vorausgeht und ein weiterer folgt, ein Vorgeschmack auf das Finale am Blockhaus.
Der Berg mit dem deutschen Namen, der einst militärisch genutzt wurde, wird über Roccamorice aus angefahren. Theoretisch wäre der Blockhaus fast bis zum Gipfel bei 2100 Höhe zu befahren, das Tagesziel wartet aber auf einer Höhe von 1665 Metern zwischen den tiefstgelegenen Skiliften an einer Stelle, an der eine Straße aus anderer Richtung dazustößt. So lässt sich eine Sackgassenlösung vermeiden, was vor allem aus organisatorischer Sicht vieles einfacher macht.
Doch auch ohne die letzten 500 Höhenmeter wartet ein ordentliches Stück Arbeit auf die Profis. Der Schlussanstieg ist 13,6 Kilometer lang und macht dabei immer noch 1141 Höhenmeter. Im Schnitt sind das 8,4 Prozent Steigung. Es sind kaum Extreme dabei, der Anstieg ist recht gleichmäßig, unten etwas flacher. Kurz vor dem Ziel wartet eine Miniabfahrt, um Schwung für den Zielsprint zu holen.
Eddy Merckx war 1967 der Erste, der eine Giro-Etappe auf dem Blockhaus gewann. Obendrein war es sein Premierensieg bei einer Grand Tour. In den Folgejahren gab es noch sechs weitere Zielankünfte. Zuletzt siegte 2022 Jai Hindley - am Ende gewann er die Rundfahrt.
In diesem Jahr wird hier der Kampf um das Maglia Rosa so richtig eröffnet. Wenn Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) hier die Dominanz an den Tag legt, mit der er seine bisherige Saison bestritt, könnte die Spannung allerdings auch ganz schnell wieder raus sein. Auf jedem Fall kommt der sehr steile Blockhaus dem extrem leichtgewichtigen Dänen entgegen, genau wie eben Hindley (Red Bull - BORA - hansgrohe) oder auch Adam Yates (UAE Team Emirates - XRG). Felix Gall (Decathlon CMA CMG) oder auch Giulio Pellizzari (Red Bull - BORA - hansgrohe) oder Thymen Arensman (Netcompany INEOS), die etwas schwerer sind, werden hier gleich richtig zu rödeln zu haben, um den Anschluss zu halten.