Sebastian Lindner
· 13.05.2026
Neapel bleibt - neben Rom - das angesagteste Etappenziel beim Giro der letzten Jahre. Zum fünften Mal in Serie macht die Corsa Rosa in der Stadt am Vesuv halt. Angefahren wird sie dieses Mal von Paestum aus. Die ersten 30 Kilomete führen dabei wieder unmittelbar entlang der thyrrenischen Küste. Es folgt die einzige Bergwertung des Tages, eine der 4. Kategorie.
Ist die überquert, führt die Strecke weiter nach Nordosten, aber nicht mehr direkt am Wasser entlang, sondern auf der landesinneren Seite des Vesuvs entlang. Den Vulkan immer im Blick, erreicht das Feld auf weiterhin flachem Terrain dann nach 70 Kilometern bereits neapolitansiche Vororte. Die zweite Hälfte der 141 Kilometern langen Etappe wird damit fast ausschließlich auf urbanem Gebiet ausgetragen.
Zum Finale geht es dann wieder Richtung Wasser. Vier Kilometer vor dem Ziel wird der Hafen erreicht. Doch während der Zielstrich im letzten Jahr direkt am Wasser war, hat sich die Rennleitung dieses Mal noch etwas Besonderes einfallen lassen. Zwei scharfe Kurven und Kopfsteinpflaster mit vier Prozent Steigung prägen die letzten 650 Meter. Erst wartet eine 90-Grad-Kurve nach links, 400 Meter später ein U-Turn in die andere Richtung.
2023 siegte Mads Pedersen, 2024 Olav Kooij, im Vorjahr Kaden Groves: Neapel war in den letzten drei Jahren ein Paradies für die Sprinter. Und daran, dass das Feld auch dieses Mal geschlossen auf die letzten 1000 Meter geht, besteht kaum ein Zweifel.
Was dann aber passiert, ist durchaus offen. Ein waghalsiges Manöver, um den schnellen Männern den Sieg noch vor der Nase wegzuschnappen, ist durchaus denkbar. Zudem sind auch Stürze bei der komplizierten Anfahrt eine Spur wahrscheinlicher, als würde die Etappe direkt im Hafen enden. Immerhin sind die gepflasterten Straßen breit. Und: Die Etappe wird als als wahrscheinliche Massenankunft eingestuft.
Deswegen gilt die 5-Kilometer-Regel im Falle eines Sturzes. Fast noch wichtiger dabei: (Nicht sturzbedingte) Abstände im Feld werden erst ab drei Sekunden genommen. Das spricht zumindest dafür, dass sich die Klassementfahrer auf dem letzten Kilometer komplett heraushalten können und in den engen Kurven nicht auch noch vorne herumturnen müssen.
Damit können die Interessenten für den Etappensieg unter sich bleiben. Die besten Chancen dürfte dann derjenige mit der größten Endgeschwindigkeit haben, sondern der mit der besten Beschleunigung. Nach der ersten Kurve geht das Tempo weit runter, um den U-Turn wird es dann richtig langsam. Und dann bleiben nur noch 400 Meter, um wieder auf Speed zu kommen. Bergauf und auf Kopfsteinpflaster.