Sebastian Lindner
· 12.05.2026
Langsam aber sicher erreicht der Giro das Terrain, dass ihn seit jeher auszeichnet: Berge. Von Praia a Mare am thyrrenischen Meer mit einem Schlenker nach Osten grundsätzlich weiter in Richtung Norden und damit in die Ausläufer des südlichen Appennin. Über den Tag verteilt gibt 4100 Höhenmeter. Fast 900 davon werden bereits bis zur ersten Bergwertung des Tages (3. Kategorie) nach gerade mal 27 Kilometern absolviert.
Im Mittelteil des Tages wird es dafür etwas ruhiger, ehe das letzte Drittel der insgesamt 203 Kilometer den bis dato schwierigsten Anstieg der Rundfahrt mit sich bringt. Am Montagna Grande di Viggiano (2. Kategorie) wird es richtig steil. Die 6,6 Kilometer bringen im Mittel mehr als neun Prozent Steigung mit, in der Spitze sind es 15. Die nächsten 30 Kilometer bleiben leicht wellig, ehe eine lange Abfahrt nach Potenza, Hauptstadt der Region Basilikata, führt.
Deren Schwung wird durch eine kleine Gegensteigung auf den letzten fünf Kilometern gebremst, ehe es in Potenza selbst kurvenreich wird und und auf dem letzten Kilometer, der dann aber relativ gerade ist, mit bis zu fünf Prozent Steigung wieder aufwärts führt.
Potenza hat in der Vergangenheit schon viele Zielankünfte des Giros erlebt, wobei die Stadt vor allem zwischen den 60ern und 80ern häufig angefahren wurde. Im neuen Jahrtausend gab es lediglich zwei Ankünfte in der 60.000-Einwohner-Stadt. 2001 siegte Danilo Hondo im Massensprint. 2022 war es dann Koen Bouwman, der aus einer Ausreißerformation heraus gewann.
Das Szenario der letzten Potenza-Finals ist auch in diesem Jahr weitaus wahrscheinlicher als ein Sprint des Feldes, der unrealistisch ist. Auch vor vier Jahren führte die Etappe über den Montagna Grande di Viggiano, der einfach zu steil ist, um für Sprinter machbar zu sein. Um wirklich klassementrelevant zu sein, ist es aber danach noch zu weit bis ins Ziel. Dennoch ist es eine erste Prüfung. Wer hier (viel) Zeit verliert, wird noch harte zwei Wochen vor sich haben.
Eine große Gruppe mit den Favoriten auf den Gesamtsieg dürfte deswegen gemeinsam ins Ziel kommen. Vielleicht schaffen es vor ihnen noch ein paar Ausreißer über die Linie und entscheiden den Tag für sich.