Sebastian Lindner
· 08.05.2026
Erst sind die Wege kurz. Dort, wo der erste Tag endet, beginnt auch der zweite. Doch nach dem Start in Burgas macht der Giro richtig Kilometer. Die 221, die mit der 2. Etappe auf die Profis warten, sind dann auch gleich mal das zweitlängste Teilstück der Rundfahrt.
Von der Schwarzmeerküste geht es dabei zunächst gen Westen ins Landesinnere. Auf den ersten 100 Kilometern passiert wenig, die Strecke verläuft parallel zum Balkangebirge. Dann aber kreuzt die Strecke den schmalen Höhenzug und die ersten beiden Bergwertungen der 3. Kategorie warten in kurzer Abfolge. Am Vratnik Pass geht es erstmal hinauf auf 920 Meter. Danach beruhigt sich das Profil wieder etwas, doch so flach wie zu Beginn wird es nicht mehr.
Spannend werden dann wieder die letzten 20 Kilometer. Die dritte Bergwertung der 3. Kategorie wartet, vom Lyaskovets Pass bis ins Ziel sind es nur noch elf Kilometer. Der knapp sieben Kilometer lange Anstieg bringt es im Mittel fast auf sieben Prozent, in der Spitze sind es sogar 14. Und dann sind da auch noch die letzten drei Kilometer. Um die 2000-Meter-Marke warten zwei kurze Kopfsteinpflaster-Abschnitte, der zweite mit bis zu neun Prozent Steigung. Auch die Zielgerade in Veliko Tarnovo selbst steigt dann wieder leicht an, ist aber breit und asphaltiert.
Das Finale der 2. Etappe hat es in sich. Nach 200 Kilometern Anlauf kann am Lyaskovets Pass Alles oder Nichts passieren. Je nachdem wie angriffslustig die Klassementfahrer sind, könnte der eine oder andere im steilen Part versuchen, sich abzusetzen und auf dem technisch anspruchsvollen Restweg ins Ziel ein paar Sekunden herauszuholen. Groß dürften die Abstände im Falle des Falles nicht werden, aber im Zweifel reichen, um Rosa zu übernehmen.
Dieselbe Idee könnten ein paar Puncheure im Feld haben. Echte Klassikerspezialisten sind zwar beim Giro nicht am Start, aber Fahrer der Marke Javier Romo (Movistar Team), Alec Segaert (Bahrain - Victorious) oder Jan Christen (UAE Team Emirates - XRG) könnten dort ihr Glück versuchen.
Aber auch für die klassikererprobten Sprinter wie Arnaud De Lie (Lotto - Intermarché), Kaden Groves (Alpecin - Premier Tech) oder endschnelle Männer wie Lukáš Kubiš (Unibet Rose Rockets) ist der Tag keiner, der von vornherein ungewinnbar ist. Wichtig ist es für die Sprinterteams zunächst, Lyaskovets Pass die Ausreißer zurückgeholt oder zumindest in Sichtweite zu haben. Um Attacken zu vermeiden, wäre danach ein hohes Grundtempo erforderlich, das ihre Go-to-Guys nicht überfordert. Dennoch: das Finale, das neben viel Auf und Ab auch reichlich Richtungswechsel bereithält, ist schwer zu kontrollieren.