Der Giro hat die italienischen Alpen erreicht und das bekommen die Fahrer gleich mit voller Wucht zu spüren. Zwischen dem Start in Aosta und dem Ziel in Pila liegen Luftlinie keine sechs Kilometer. Die Etappe führt letztlich aber über 133 Kilometer und nimmt dabei alle großen Berge mit, die den Kern des Aostatals umgeben. So kommt das Teilstück auf 4350 Höhenmeter - mehr gibt es nur auf dem 19. Teilstück.
Der Tag startet unmittelbar mit einem Anstieg. Die ersten 18 Kilometer führen hinauf ins Seitental Saint-Barthélémy (1. Kategorie). Sofort geht es zurück nach Aosta, wo knapp zehn relativ ebene Kilometer warten. Es sind nahezu die einzigen des Tages. Rauf nach Doues (3. Kategorie), wieder runter. Dann wartet die Doppelkombination über den Lin Noir (1. Kategorie) und der Verlängerung nach kurzer Zwischenabfahrt nach Verrogne (2. Kategorie). 25 Kilometer Abfahrt folgen bis zum Red Bull Kilometer, der am Fuße des Schlussanstieges hoch in den Skiort Pila wartet.
Wie auch die ersten Berge ist das Finale alypentypisch lang und gleichmäßig mit verhältnismäßig moderaten Steigungsprozenten. Die letzten 16,5 Kilometer des Tages bringen es im Mittel auf 7,1 Prozent, in der Spitze 11. Der Anstieg reiht dabei eine Serpentine an die Nächste. Schluss ist dann auf 1793 Metern. Runter geht es mit der Seilbahn.
Erst zwei Mal war der Giro in Pila zu Gast, letztmals 1992. Damals gewann Udo Bölts dort seine einzige Etappe. Er musste dafür 260 Kilometer zurücklegen - doppelt so viele wie die Fahrer jetzt am Samstag. Doch leichter wird ihr Tag auch nicht, zumal schon einige Kilometer auf der Rolle dazukommen werden, da es aus dem Nichts sofort 18 Kilometer lang bergauf geht. Wer nicht richtig aufgewärmt in den Tag geht, kann direkt einen Platz im Grupetto buchen.
Davon ab sollte aber nur der Schlussanstieg bei den Klassementfahrern den Unterschied machen. Vorher werden sich die Topleute nicht aus der Reserve trauen. Eine Ausnahme könnten die Teams mit Doppelspitze bilden. Gut möglich, dass Netcompany INEOS und Red Bull - BORA - hansgrohe darüber nachdenken, einen Teil ihres Spitzenduos, tendenziell Egan Bernal und Jai Hindley, früh in die Spur zu schicken, um die Konkurrenz unter Druck zu setzen.
Um bereits alles auf eine Karte zu setzen, ist der Giro aber noch zu jung. Nach dem Tag wartet noch eine ganze Woche. Dennoch bietet der Tag - einer der wenigen mit Hochgebirge von Anfang bis Ende - die Chance, mit einem gewissen Risiko reichlich zeit gutzumachen. Aber eben auch zu verlieren.