Sebastian Lindner
· 21.05.2026
Ein Tag zwischen Turin und Mailand, zwischen Piemont und Lombardei. Die 189 Kilometer des Tages beginnen in Alessandria. Es geht schnurstracks Richtung Norden, durch die Po-Ebene an den Alpenrand zum Lago Maggiore. Die ersten 160 Kilometer sind dabei fast komplett flach. Doch entlang der Westküste des Sees wird bereits deutlich, dass es nicht so bleiben kann.
Einige Höhen türmen sich auf. Innerhalb von acht Kilometern warten zwei Bergwertungen. Die erste in Bieno (4. Kategorie) ist noch harmlos, doch kurz darauf in Ungiasca (3. Kategorie) müssen auf knapp fünf Kilometern sieben Prozent im Schnitt bewältigt werden.
Von dort ist es bis ins Tagesziel in Verbania nicht mehr weit. Nach einer Abfahrt sind die letzten drei Kilometer relativ eben, aber mit einigen Kurven gespickt. Die Zielgerade selbst ist dann leicht abschüssig und nur 300 Meter, vorher macht die Strecke einen Linksknick.
Drei Etappen des Giro d’Italia endeten in der Vergangenheit in Verbania, zuletzt siegte 2015 Philippe Gilbert als Solist. Nur 1400 Höhenmeter warten dieses Mal auf die Fahrer, weniger sind es selten bei dieser Italienrundfahrt. Und doch spricht viel dafür, dass es keinen klassischen Massensprint geben wird.
Denn die Höhenmeter sind für die schnellen Männer äußerst ungünstig verteilt. Nach dem zweiten Anstieg, der das Feld bei mutmaßlich sehr zügigem Tempo mit seinen Steigungsprozenten zerreißen wird, folgen bloß noch 14 Kilometer bis ins Ziel. Etwa die Hälfte davon ist Abfahrt, im Finale wird es kurvig: Allesamt keine Voraussetzungen, um verlorene Zeit schnell wieder gutzumachen.
Die klassischen Sprinter wie Dylan Groenewegen (Unibet Rose Rockets) werden kaum eine Chance haben, um Finale eine Rolle zu spielen, auch Jonathan Milan (Lidl - Trek) und Paul Magnoier (Soudal Quick-Step) werden sich arg strecken müssen, um vielleicht ein Wörtchen mitreden zu können. Der Tag ist wie gemacht für Orluis Aular (Movistar Team) oder Ben Turner (Netcompany INEOS), um aus einer größeren Gruppe heraus um den Sieg zu kämpfen. Wird so scharf gefahren, dass selbst diese Profis nicht mehr rechtzeitig zurückkommen und nur eine kleine Gruppe ankommt, könnte die Stunde von Florian Stork (Tudor Pro Cycling Team) schlagen.