Nach dem zweiten Ruhetag des Giro d’Italia steht ein weiterer zentraler Tag für die Klassementfahrer auf dem Plan. In Viareggio am Ligurischen Meer wird der einzige Kampf gegen die Uhr der diesjährigen Italienrundfahrt abgehalten. 42 Kilometer stehen auf dem Programm. Damit ist es das längste Einzelzeitfahren beim Giro seit 2015, als fast 60 Kilometer zu absolvieren waren. Es geht nach Massa, wo erstmals überhaupt eine Giro-Etappe endet.
Nur 13 Kurven, gerade Mal 50 Höhenmeter. Es wartet ein Hochgeschwindigkeitszeitfahren - wenn nicht gerade der Wind von vorne kommt. Die Strecke führt direkt an der Küste entlang. Nach dem Start in Viareggio führt der Kurs zunächst durch ein S und zwei 90-Grad-Kurven Richtung Süden. Dann kommt der erste von zwei U-Turns und es geht auf der anderen Straßenseite zurück zum Start. Nach etwas mehr als 16 Kilometern wird die erste Zwischenzeit genommen.
Dann heißt es: geradeaus. Und zwar direkt an der Wasserlinie lang für rund 22 Kilometer, vorbei an der zweiten Zwischenzeit bis zur via le Roma, schon in Massa. Dort macht der Parcours einen kleinen Abstecher weg vom Wasser. Knapp drei Kilometer geht es ins Landesinnere hinauf zur Villa della Rinchiostra. Die historische Residenz ist der höchste Punkt des Rennens, hier werden die meisten der 50 Höhenmeter gemacht und die dritte und letzte Zwischenzeit abgenommen. Dreieinhalb Kilometer sind es von hier noch bis ins Ziel in der Marina von Massa. U-Turn, runter zurück ans Wasser, noch zwei Kurven, dann ist Schluss.
Der Großteil der Klassementfahrer wird sich vor diesem Tag fürchten. Ausgenommen vielleicht Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) und Thymen Arensman (Netcompany INEOS). Für die Leichtgewichte ist dieser Tag überhaupt nicht nach Geschmack. Keine Höhenmeter, vielleicht noch viel Wind dazu. Hier kann man richtig Zeit fressen. Aber das wird für die meisten gelten. Vingegaard hingegen könnte hier schon fast alles klarmachen. Es wird Minutenabstände geben, auch zwischen den Klassementfahrern.
Um den Etappensieg wird aber auch Vingegaard nicht mitfahren können. Die Strecke ist eindeutig für die Spezialisten gemacht. Kopf runter, dicker Gang, und dann einfach nur treten. Die Favoritenrolle liegt klar bei Filippo Ganna (Netcompany INEOS). Der zweifache Weltmeister hat quasi die Generalprobe gewonnen, als er das Zeitfahren von Tirreno-Adriatico im März gewann. Es wurde in Lido di Camaiore in unmittelbarer Nachbarschaft zu Viareggio ausgefahren. fast die kompletten 11,5 von damals sind Teil des Giro-Zeitfahrens. Zweiter damals hinter Ganna: Arensman.
Weitere Anwärter auf vordere Positionen: Magnus Sheffield, ein weiterer INEOS-Profi, Rémi Cavagna (Groupama - FDJ United) oder Alec Segaert (Bahrain - Victorious).