Thomas Musch
· 29.11.2024
Die große Weltpolitik wirft ihre Schatten voraus – und nimmt 2025 insbesondere dem Radsport in den Niederlanden das Licht weg. Im Gastgeberland des NATO-Gipfels am 24. und 25. Juni stehen offenbar schon ab Jahresbeginn bis Ende August keine Motorradpolizisten zur Verfügung, um in gewohnter Weise die Straßenradrennen im Nachbarland abzusichern.
Maurice Leeser, Direktor des Niederländischen Radsportverbandes KNWU, sagte dazu: “Es ist bitter und enttäuschend festzustellen, dass der zweitägige NATO-Gipfel dazu führt, dass Motorradoffiziere für einen Zeitraum von nicht weniger als acht Monaten, was fast der gesamten Radsportsaison entspricht, von Radrennen abwesend sind. Die KNWU wird mit den Organisatoren alles in ihrer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass die geplanten Radrennen im Jahr 2025 stattfinden können. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, den Einsatz von zivilen Motorrad-Lotsen zu beschleunigen. Wir appellieren hiermit eindringlich an die Ministerien, so schnell wie möglich die notwendigen Ressourcen für die Entwicklung eines nationalen Leitfadens für zivile Motorrad-Verkehrslotsen zur Verfügung zu stellen.”
Der Radsportkalender und die Organisatoren von Radrennen und -veranstaltungen in den Niederlanden stehen schon seit mehreren Jahren unter Druck. Ein Grund dafür ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von Motorradpolizisten, die eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung bei Radrennen auf öffentlichen Straßen spielen.
Der Königlich Niederländische Radsportverband hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Polizei schon seit 2018 Anpassungen am Rennkalender vorgenommen. Infolgedessen wurde die Anzahl der Rennen, die eine Polizeieskorte erfordern, erheblich reduziert. Weitere Radrennen wurden und werden in Rundstreckenrennen umgewandelt, bei denen die Strecke komplett gesperrt ist. Darüber hinaus arbeitet die KNWU seit einiger Zeit an einem Rahmenwerk für den Einsatz von mehr zivilen Motorrad-Lotsen, um den reduzierten Einsatz von Motorradpolizisten bei Radrennen auszugleichen.
Im Jahr 2023 wurde eine Studie gestartet, um zu evaluieren, ob zivile Motorrad-Lotsen unter Beibehaltung bestehender Sicherheitsstandards die Begleitaufgaben von Polizei-Motorradfahrern ganz oder teilweise übernehmen können. Diese Studie wurde von im Auftrag der Ministerien für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, Justiz und Sicherheit, Infrastruktur und Wasserwirtschaft, der Nationalpolizei und der KNWU durchgeführt und im September 2024 abgeschlossen.
Wichtigste Schlussfolgerung der Studie ist, dass zivile Motorrad-Lotsen einen wertvollen Beitrag zur Entlastung von Polizei-Motorradfahrern leisten können, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören unter anderem eine angemessene Schulung, die Verwendung von Kommunikationsmitteln und eine eindeutige Kennzeichnung. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird die KNWU auf die Entwicklung eines nationalen Leitfadens für zivile Motorrad-Lotsen hinarbeiten. Diese Richtlinie legt die Art und Weise des Einsatzes von Lotsen für den zivilen Verkehr, die Ausbildungsanforderungen, die sie erfüllen müssen, und die Kompetenzen, die sie besitzen müssen, fest. Es sei, so der KNWU, von entscheidender Bedeutung, dass diese Richtlinie so schnell wie möglich entwickelt wird.
Die Parlamentsabgeordnete Inge van Dijk hat nun mit Unterstützung zweier weiterer Abgeordneter einen Änderungsantrag eingebracht, um die notwendigen finanziellen Mittel für die KNWU freizusetzen, zugunsten einer nationalen Richtlinie für zivile Motorrad-Lotsen bei Radrennen. Dieser Änderungsantrag soll Anfang Dezember im Parlament erörtert werden.

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