Nibalis letzte Giro-Woche: Die Karriere-Highlights des Hais von MessinaFoto: Getty Images/Tim De Waele

Profi - Radsport Aktuelles Nibalis letzte Giro-Woche: Die Karriere-Highlights des Hais von Messina

Thomas Goldmann

 5/25/2022, Lesezeit: 3 Minuten

Beim Giro d’Italia dreht Vincenzo Nibali nach seiner Rücktrittsankündigung auf und zeigt noch einmal seine Klasse. TOUR blickt vor seiner letzten Woche beim Giro auf die bemerkenswerte Karriere des italienischen Radsport-Stars zurück.

Nibali verkündet Karriereende in Heimatstadt Messina

“Ich habe lange auf diese Etappe gewartet, seit einigen Jahren, denn ich wusste, dass der Giro d’Italia hier in Messina Halt machen würde. In meiner Stadt, in der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin und mit dem Radfahren angefangen habe. Auf den Straßen, auf denen ich trainiert habe, möchte ich verkünden, dass es mein letzter Giro d’Italia ist”, erklärte ein zu Tränen gerührter Vincenzo Nibali nach der 5. Etappe.

Ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Messina, da wo alles für ihn begann, ließ er seine Fans wissen, dass er das Rad am Saisonende an den Nagel hängt. Der Rücktritt kam nicht unerwartet, die ganz großen Zeiten des Sizilianers sind schon länger vorbei. Und doch scheint er rechtzeitig vor der dritten Woche des Giros nochmal richtig gut in Form zu kommen, wie seine angriffslustige Fahrweise am letzten Wochenende zeigt.

Egal, wie der Giro für ihn ausgeht: Nibali hat sich mit seinen Siegen und vor allem seinem Fahrstil einen Platz in den Geschichtsbüchern des Radsports gesichert. TOUR blickt auf seine Sternstunden zurück.

ZUM DURCHKLICKEN: DIE GRÖSSTEN SIEGE VON VINCENZO NIBALI

Nibali nutzt einen Moment des Belauerns zum Angriff am Poggio. Während sich die Konkurrenz anschaut, fährt er bis zur Kuppe den entscheidenden Vorsprung raus und verteidigt ihn in der Abfahrt sowie auf dem letzten Flachstück in Sanremo um Haaresbreite vor dem heranjagenden Feld.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Nibali nutzt einen Moment des Belauerns zum Angriff am Poggio. Während sich die Konkurrenz anschaut, fährt er bis zur Kuppe den entscheidenden Vorsprung raus und verteidigt ihn in der Abfahrt sowie auf dem letzten Flachstück in Sanremo um Haaresbreite vor dem heranjagenden Feld.
Vuelta 2010: Auf der 17. Etappe erobert Nibali das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez zurück und gibt es bis nach Madrid nicht mehr her. Am vorletzten Tag liefert sich der damals 25-Jährige im Aufstieg zum Bola del Mundo einen packenden Zweikampf mit Ezequiel Mosquera, dessen zweiter Gesamtrang später annulliert wird.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Vuelta 2010: Auf der 17. Etappe erobert Nibali das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez zurück und gibt es bis nach Madrid nicht mehr her. Am vorletzten Tag liefert sich der damals 25-Jährige im Aufstieg zum Bola del Mundo einen packenden Zweikampf mit Ezequiel Mosquera, dessen zweiter Gesamtrang später annulliert wird.
Nibali beendet mit dem Vuelta-Sieg zudem eine lange Durststrecke. 20 Jahre nach Marco Giovannetti gewinnt erstmals wieder ein Italiener die Spanien-Rundfahrt.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Nibali beendet mit dem Vuelta-Sieg zudem eine lange Durststrecke. 20 Jahre nach Marco Giovannetti gewinnt erstmals wieder ein Italiener die Spanien-Rundfahrt.
Giro d'Italia 2013: Nibali triumphiert erstmals bei der Italien-Rundfahrt. 13 von 20 Etappen fährt der Hai von Messina im Rosa Trikot, das er sich im Zeitfahren in Saltara holt.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Giro d'Italia 2013: Nibali triumphiert erstmals bei der Italien-Rundfahrt. 13 von 20 Etappen fährt der Hai von Messina im Rosa Trikot, das er sich im Zeitfahren in Saltara holt.
Seinen denkwürdigsten Etappensieg beim Giro 2013 feiert Nibali an den Drei Zinnen von Lavaredo. Bei Schnee und Eis stürmt der SIzilianer solo dem Ziel entgegen und fährt sich endgültig in die Herzen der italienischen RadsportfansFoto: Getty Images/Tim De Waele
Seinen denkwürdigsten Etappensieg beim Giro 2013 feiert Nibali an den Drei Zinnen von Lavaredo. Bei Schnee und Eis stürmt der SIzilianer solo dem Ziel entgegen und fährt sich endgültig in die Herzen der italienischen Radsportfans
2014: Nach dem Roten Trikot der Vuelta und dem Rosanen des Giros vervollständigt Nibali seine Sammlung mit dem Maillot Jaune. Durch seinen Triumph in Paris ist er nach Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Felice Gimondi, Bernard Hinault und Alberto Contador erst der sechste Fahrer, dem der Grand Slam des Radsports gelingt - Chris Froome sollte einige Jahre später nachziehen.Foto: Getty Images/Tim De Waele
2014: Nach dem Roten Trikot der Vuelta und dem Rosanen des Giros vervollständigt Nibali seine Sammlung mit dem Maillot Jaune. Durch seinen Triumph in Paris ist er nach Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Felice Gimondi, Bernard Hinault und Alberto Contador erst der sechste Fahrer, dem der Grand Slam des Radsports gelingt - Chris Froome sollte einige Jahre später nachziehen.
Den Grundstein für seinen Tour-Sieg legt Nibali auf Etappe fünf auf dem Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs. Während Titelverteidiger Chris Froome noch vor dem ersten Pave-Sektor nach einem Sturz aufgeben muss, schwebt Nibali förmlich über das glitschige Pflaster und nimmt seinem Rivalen Alberto Contador mehr als zwei Minuten ab.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Den Grundstein für seinen Tour-Sieg legt Nibali auf Etappe fünf auf dem Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs. Während Titelverteidiger Chris Froome noch vor dem ersten Pave-Sektor nach einem Sturz aufgeben muss, schwebt Nibali förmlich über das glitschige Pflaster und nimmt seinem Rivalen Alberto Contador mehr als zwei Minuten ab.
Bei der Mini-Bergankunft in Gerardmer liefern sich Contador und sein italienischer Kontrahent wenige Tage später einen offenen Schlagabtausch, bei dem Nibali zahlreiche Attacken des Spaniers pariert ...Foto: Getty Images/Tim De Waele
Bei der Mini-Bergankunft in Gerardmer liefern sich Contador und sein italienischer Kontrahent wenige Tage später einen offenen Schlagabtausch, bei dem Nibali zahlreiche Attacken des Spaniers pariert ...
... Contador gibt zwei Tage später auf dem Weg zur Planche des Belles Filles nach einem Sturz auf, Nibali lässt hier einmal mehr die Konkurrenz stehen und holt sich das Maillot Jaune, das er bis nach Paris nicht hergibt.Foto: Getty Images/Tim De Waele
... Contador gibt zwei Tage später auf dem Weg zur Planche des Belles Filles nach einem Sturz auf, Nibali lässt hier einmal mehr die Konkurrenz stehen und holt sich das Maillot Jaune, das er bis nach Paris nicht hergibt.
Am Ende der Tour beträgt Nibalis Vorsprung auf den zweitplatzierten Jean-Christophe Peraud mehr als sieben Minuten. Viele Radsportfans fragen sich bis heute, wie ein Dreikampf zwischen dem Nibali von 2014, einem Alberto Contador und einem Chris Froome in Top-Form ausgegangen wäre - der wohl einzige Wermutstropfen beim Tour-Triumph des Italieners.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Am Ende der Tour beträgt Nibalis Vorsprung auf den zweitplatzierten Jean-Christophe Peraud mehr als sieben Minuten. Viele Radsportfans fragen sich bis heute, wie ein Dreikampf zwischen dem Nibali von 2014, einem Alberto Contador und einem Chris Froome in Top-Form ausgegangen wäre - der wohl einzige Wermutstropfen beim Tour-Triumph des Italieners.
Lombardei-Rundfahrt 2015: Nibalis erster Sieg bei einem Monument des Radsports. Den holt sich der Italiener auf spektakuläre Art und Weise ...Foto: Getty Images/Tim De Waele
Lombardei-Rundfahrt 2015: Nibalis erster Sieg bei einem Monument des Radsports. Den holt sich der Italiener auf spektakuläre Art und Weise ...
... mit einer halsbrecherischen Abfahrt. Nach mehreren erfolglosen Attacken im Aufstieg nach Civiglio attackiert Nibali in der Abfahrt und nimmt der Konkurrenz auf sieben Kilometern fast eine halbe Minute ab. Er ist nicht mehr einzuholen.Foto: Getty Images/Tim De Waele
... mit einer halsbrecherischen Abfahrt. Nach mehreren erfolglosen Attacken im Aufstieg nach Civiglio attackiert Nibali in der Abfahrt und nimmt der Konkurrenz auf sieben Kilometern fast eine halbe Minute ab. Er ist nicht mehr einzuholen.
2016 - Der zweite Giro-Sieg: Mit einem Rückstand von 4:43 Minuten scheint der Giro für Nibali vor der 19. Etappe bereits gelaufen zu sein. Doch was dann folgt, ist eine der legendärsten Aufholjagden im modernen Radsport. An zwei Tagen stellt Nibali den kompletten Giro auf den Kopf und kippt das Gesamtklassement zu seinen Gunsten.Foto: Getty Images/Tim De Waele
2016 - Der zweite Giro-Sieg: Mit einem Rückstand von 4:43 Minuten scheint der Giro für Nibali vor der 19. Etappe bereits gelaufen zu sein. Doch was dann folgt, ist eine der legendärsten Aufholjagden im modernen Radsport. An zwei Tagen stellt Nibali den kompletten Giro auf den Kopf und kippt das Gesamtklassement zu seinen Gunsten.
Auf Etappe 19 attackiert der Italiener am Colle dell’Angelo in über 2.600 Metern Höhe, der Gesamtführende Steven Kruijswijk tappt in die Falle, fährt kurz nach dem Gipfel in eine Schneewand und kommt mit fast fünf Minuten Rückstand auf einen entfesselt fahrenden Nibali im Ziel in Risoul an. Das Rosa Trikot wechselt an diesem Tag auf die Schultern von Esteban Chaves, der 44 Sekunden vor Nibali liegt.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Auf Etappe 19 attackiert der Italiener am Colle dell’Angelo in über 2.600 Metern Höhe, der Gesamtführende Steven Kruijswijk tappt in die Falle, fährt kurz nach dem Gipfel in eine Schneewand und kommt mit fast fünf Minuten Rückstand auf einen entfesselt fahrenden Nibali im Ziel in Risoul an. Das Rosa Trikot wechselt an diesem Tag auf die Schultern von Esteban Chaves, der 44 Sekunden vor Nibali liegt.
Am nächsten Tag sollte aber auch dieser Vorsprung dahinschmelzen: Im Aufstieg zum Colle della Lombarda bläst Nibali erneut zur Attacke und fährt mithilfe seines Teamkollegen Tanel Kangert den entscheidenen Vorsprung auf Chaves heraus - eine taktische Meisterleistung der Astana-Mannschaft, die Kangert in der Ausreißergruppe platziert hatte. Am Ende des Tages hat Nibali die 44 Sekunden Rückstand auf Chaves in 52 Sekunden Vorsprung umgewandelt und den Giro gedreht.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Am nächsten Tag sollte aber auch dieser Vorsprung dahinschmelzen: Im Aufstieg zum Colle della Lombarda bläst Nibali erneut zur Attacke und fährt mithilfe seines Teamkollegen Tanel Kangert den entscheidenen Vorsprung auf Chaves heraus - eine taktische Meisterleistung der Astana-Mannschaft, die Kangert in der Ausreißergruppe platziert hatte. Am Ende des Tages hat Nibali die 44 Sekunden Rückstand auf Chaves in 52 Sekunden Vorsprung umgewandelt und den Giro gedreht.
Mailand-Sanremo 2018: Der wahrscheinlich überraschendste Sieg Nibalis. Im Vorfeld des ersten Monuments 2018 zählt der Hai von Messina nicht zum engsten Favoritenkreis. Genauso überraschend kommt dann wohl auch seine Attacke für viele seiner Kontrahenten am Poggio.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Mailand-Sanremo 2018: Der wahrscheinlich überraschendste Sieg Nibalis. Im Vorfeld des ersten Monuments 2018 zählt der Hai von Messina nicht zum engsten Favoritenkreis. Genauso überraschend kommt dann wohl auch seine Attacke für viele seiner Kontrahenten am Poggio.
Nibali nutzt einen Moment des Belauerns zum Angriff am Poggio. Während sich die Konkurrenz anschaut, fährt er bis zur Kuppe den entscheidenden Vorsprung raus und verteidigt ihn in der Abfahrt sowie auf dem letzten Flachstück in Sanremo um Haaresbreite vor dem heranjagenden Feld.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Nibali nutzt einen Moment des Belauerns zum Angriff am Poggio. Während sich die Konkurrenz anschaut, fährt er bis zur Kuppe den entscheidenden Vorsprung raus und verteidigt ihn in der Abfahrt sowie auf dem letzten Flachstück in Sanremo um Haaresbreite vor dem heranjagenden Feld.
Vuelta 2010: Auf der 17. Etappe erobert Nibali das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez zurück und gibt es bis nach Madrid nicht mehr her. Am vorletzten Tag liefert sich der damals 25-Jährige im Aufstieg zum Bola del Mundo einen packenden Zweikampf mit Ezequiel Mosquera, dessen zweiter Gesamtrang später annulliert wird.Foto: Getty Images/Tim De Waele
Vuelta 2010: Auf der 17. Etappe erobert Nibali das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez zurück und gibt es bis nach Madrid nicht mehr her. Am vorletzten Tag liefert sich der damals 25-Jährige im Aufstieg zum Bola del Mundo einen packenden Zweikampf mit Ezequiel Mosquera, dessen zweiter Gesamtrang später annulliert wird.
Vuelta 2010: Auf der 17. Etappe erobert Nibali das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez zurück und gibt es bis nach Madrid nicht mehr her. Am vorletzten Tag liefert sich der damals 25-Jährige im Aufstieg zum Bola del Mundo einen packenden Zweikampf mit Ezequiel Mosquera, dessen zweiter Gesamtrang später annulliert wird.
Nibali beendet mit dem Vuelta-Sieg zudem eine lange Durststrecke. 20 Jahre nach Marco Giovannetti gewinnt erstmals wieder ein Italiener die Spanien-Rundfahrt.
Giro d'Italia 2013: Nibali triumphiert erstmals bei der Italien-Rundfahrt. 13 von 20 Etappen fährt der Hai von Messina im Rosa Trikot, das er sich im Zeitfahren in Saltara holt.
Seinen denkwürdigsten Etappensieg beim Giro 2013 feiert Nibali an den Drei Zinnen von Lavaredo. Bei Schnee und Eis stürmt der SIzilianer solo dem Ziel entgegen und fährt sich endgültig in die Herzen der italienischen Radsportfans
2014: Nach dem Roten Trikot der Vuelta und dem Rosanen des Giros vervollständigt Nibali seine Sammlung mit dem Maillot Jaune. Durch seinen Triumph in Paris ist er nach Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Felice Gimondi, Bernard Hinault und Alberto Contador erst der sechste Fahrer, dem der Grand Slam des Radsports gelingt - Chris Froome sollte einige Jahre später nachziehen.
Den Grundstein für seinen Tour-Sieg legt Nibali auf Etappe fünf auf dem Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs. Während Titelverteidiger Chris Froome noch vor dem ersten Pave-Sektor nach einem Sturz aufgeben muss, schwebt Nibali förmlich über das glitschige Pflaster und nimmt seinem Rivalen Alberto Contador mehr als zwei Minuten ab.
Bei der Mini-Bergankunft in Gerardmer liefern sich Contador und sein italienischer Kontrahent wenige Tage später einen offenen Schlagabtausch, bei dem Nibali zahlreiche Attacken des Spaniers pariert ...
... Contador gibt zwei Tage später auf dem Weg zur Planche des Belles Filles nach einem Sturz auf, Nibali lässt hier einmal mehr die Konkurrenz stehen und holt sich das Maillot Jaune, das er bis nach Paris nicht hergibt.
Am Ende der Tour beträgt Nibalis Vorsprung auf den zweitplatzierten Jean-Christophe Peraud mehr als sieben Minuten. Viele Radsportfans fragen sich bis heute, wie ein Dreikampf zwischen dem Nibali von 2014, einem Alberto Contador und einem Chris Froome in Top-Form ausgegangen wäre - der wohl einzige Wermutstropfen beim Tour-Triumph des Italieners.
Lombardei-Rundfahrt 2015: Nibalis erster Sieg bei einem Monument des Radsports. Den holt sich der Italiener auf spektakuläre Art und Weise ...
... mit einer halsbrecherischen Abfahrt. Nach mehreren erfolglosen Attacken im Aufstieg nach Civiglio attackiert Nibali in der Abfahrt und nimmt der Konkurrenz auf sieben Kilometern fast eine halbe Minute ab. Er ist nicht mehr einzuholen.
2016 - Der zweite Giro-Sieg: Mit einem Rückstand von 4:43 Minuten scheint der Giro für Nibali vor der 19. Etappe bereits gelaufen zu sein. Doch was dann folgt, ist eine der legendärsten Aufholjagden im modernen Radsport. An zwei Tagen stellt Nibali den kompletten Giro auf den Kopf und kippt das Gesamtklassement zu seinen Gunsten.
Auf Etappe 19 attackiert der Italiener am Colle dell’Angelo in über 2.600 Metern Höhe, der Gesamtführende Steven Kruijswijk tappt in die Falle, fährt kurz nach dem Gipfel in eine Schneewand und kommt mit fast fünf Minuten Rückstand auf einen entfesselt fahrenden Nibali im Ziel in Risoul an. Das Rosa Trikot wechselt an diesem Tag auf die Schultern von Esteban Chaves, der 44 Sekunden vor Nibali liegt.
Am nächsten Tag sollte aber auch dieser Vorsprung dahinschmelzen: Im Aufstieg zum Colle della Lombarda bläst Nibali erneut zur Attacke und fährt mithilfe seines Teamkollegen Tanel Kangert den entscheidenen Vorsprung auf Chaves heraus - eine taktische Meisterleistung der Astana-Mannschaft, die Kangert in der Ausreißergruppe platziert hatte. Am Ende des Tages hat Nibali die 44 Sekunden Rückstand auf Chaves in 52 Sekunden Vorsprung umgewandelt und den Giro gedreht.
Mailand-Sanremo 2018: Der wahrscheinlich überraschendste Sieg Nibalis. Im Vorfeld des ersten Monuments 2018 zählt der Hai von Messina nicht zum engsten Favoritenkreis. Genauso überraschend kommt dann wohl auch seine Attacke für viele seiner Kontrahenten am Poggio.
Nibali nutzt einen Moment des Belauerns zum Angriff am Poggio. Während sich die Konkurrenz anschaut, fährt er bis zur Kuppe den entscheidenden Vorsprung raus und verteidigt ihn in der Abfahrt sowie auf dem letzten Flachstück in Sanremo um Haaresbreite vor dem heranjagenden Feld.

Bei all seinen Erfolgen: Die Karriere von Vincenzo Nibali hatte auch ihre Schattenseiten. Bei der Vuelta 2015 wurde er disqualifiziert, nachdem er sich am Teamwagen festhielt und sich von diesem wieder ans Hauptfeld ziehen ließ.

Und auch sein Umfeld ist nicht ohne Fehl und Tadel. Der Sizilianer fuhr bei Liquigas, Astana und Bahrain. Drei Teams, in denen es immer wieder Doping-Affären gab. Nibali selbst hat sich diesbezüglich aber nichts zu Schulden kommen lassen.

So bleibt am Ende der Karriere stehen, dass er es als einziger Fahrer schaffte, die Siegesserie der Sky-Mannschaft (später Ineos) zwischen 2012 und 2019 bei der Tour de France zu durchbrechen und er war einer der ganz wenigen Aktiven in seiner Ära, die große Landesrundfahrten und Monumente des Radsports gewinnen konnten.

Die Erfolge von Vincenzo Nibali

  • 2x Giro d’Italia Gesamtwertung
  • 1x Tour de France Gesamtwertung
  • 1x Vuelta a Espana Gesamtwertung
  • 2x Lombardei-Rundfahrt (2015, 2017)
  • 1x Mailand-Sanremo 2018
  • 2x Tirreno-Adriatico Gesamtwertung (2012, 2013)
  • 7 Etappensiege beim Giro d’Italia
  • 6 Etappensiege bei der Tour de France
  • 1 Etappensieg bei der Vuelta a Espana
  • 2x Gesamtwertung Giro del Trentino (2008, 2013)
  • 1x Gesamtwertung Tour of Oman (2016)
  • 1x Grand Prix Ouest France - Plouay (2006)
  • 11x Podium bei einer Grand Tour

Nibali gelang es Rennen zu biegen, die schon verloren schienen - manchmal mit der Brechstange, manchmal durch taktische Kniffe. Und auch wenn diese Zeiten nun bald vorbei sind. Viele Radsportfans werden ihm dafür noch lange dankbar sein.