ProCyclingStats erfasst seit 2014 systematisch Fahrerverletzungen. Die Datenbank bietet einen wertvollen Einblick in die tatsächlichen Gefahren des Profiradsports und ermöglicht es, Verletzungsmuster zu erkennen und präventive Maßnahmen zu entwickeln. Die zeitliche Entwicklung der Verletzungszahlen ist besorgniserregend. Während 2014 noch 119 Verletzungen erfasst wurden, schnellte diese Zahl in den folgenden Jahren dramatisch nach oben. Der Trend ist eindeutig: Der Profiradsport wird immer gefährlicher. Eine einfache Erklärung für den Anstieg der Unfälle gibt es nicht. Fakt ist aber: der Profiradsport wird immer schneller. Wout van Aert hat Paris-Roubaix mit einem Schnitt von 48,91 km/h gewonnen.
2014-2017: Nach einem Anstieg auf 222 Verletzungen im Jahr 2015 pendelten sich die Zahlen zunächst auf einem Niveau zwischen 136 und 169 Fällen ein.
2018-2020: Eine Phase relativer Stabilität mit 149 bis 208 Fällen jährlich. Das Jahr 2020 zeigt mit nur 141 Verletzungen einen deutlichen Einbruch – vermutlich bedingt durch die COVID-19-Pandemie und die damit verbundene reduzierte Rennsaison.
2021-2025: Der dramatische Anstieg: Ab 2021 begann ein kontinuierlicher und besorgniserregender Aufwärtstrend:
In nur vier Jahren (2021-2025) verdoppelte sich die Anzahl der Verletzungen nahezu. Das laufende Jahr 2026 zeigt bislang 182 erfasste Fälle (Stand Ende April). Hochgerechnet auf ein volles Jahr könnte 2026 das bisherige Rekordniveau von 2025 noch übertreffen.
Ein Schlüsselbeinbruch ist die häufigste Verletzung bei Radfahrern: 29% aller erfassten Verletzungen waren Schlüsselbeinbrüche. Diese Tatsache überrascht Insider kaum: Bei Stürzen landet der Fahrer typischerweise auf der Schulter oder dem ausgestreckten Arm, was enorme Kräfte auf das Schlüsselbein ausübt. Die aktuelle Saison 2026 bestätigt diesen Trend eindrucksvoll: Marc Hirschi ist nur einer von vielen Radsportlern, die sich im Frühjahr das Schlüsselbein gebrochen haben. Auch Marianne Vos (Visma – Lease a Bike) hat sich bei ihrem Sturz auf der 1. Etappe der Vuelta Femenina (2.WWT) einen Schlüsselbeinbruch zugezogen.
Neben Schlüsselbeinbrüchen zeigen die aktuellen Verletzungsmeldungen ein breites Spektrum:
Besonders die klassischen Frühjahrsrennen fordern ihren Tribut. Paris-Roubaix, oft als "Hölle des Nordens" bezeichnet, ist bekannt für seine Gefährlichkeit. Kamilla Aasebø erlitt bei Paris-Roubaix einen Kieferbruch und Ellenbogenbruch – ein Beispiel für die Schwere der Verletzungen bei diesem Monument.
Neben den traumatischen Verletzungen durch Stürze gibt es auch sport-spezifische Probleme. Jesse Kramer leidet seit dem 15. April 2026 unter Endofibrose und fällt voraussichtlich 13 Wochen aus. Endofibrose ist eine durch Überlastung verursachte Gefäßerkrankung, die besonders Radprofis betrifft und oft eine längere Pause erfordert.
Die PCS-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Profiradsport wird immer gefährlicher. Schlüsselbeinbrüche dominieren die Verletzungsstatistik, doch auch schwere Bein-, Arm- und Kopfverletzungen sind an der Tagesordnung. Jeder Renntag kann für einen Fahrer das vorzeitige Saisonende bedeuten. Die fortlaufende Dokumentation durch ProCyclingStats hilft dabei, das Bewusstsein für diese Risiken zu schärfen. Allerdings sind die Daten nicht wissenschaftlich valide. Es ist schwer einzuschätzen, wie zuverlässig Verletzungen gemeldet werden und ob alle Fälle aufgeführt sind. In jedem Fall geht es nur um die Spitze des Eisbergs - erfasst wird nur, was zu längeren Ausfällen führt. Der Sturz von George Bennett bei Strade Bianche (siehe Foto oben) sah dramatisch aus und er konnte das Rennen nicht beenden - erfasst wurde er nicht, denn Bennett konnte bald wieder Rennen fahren. *Datenquelle: ProCyclingStats.com – Stand April 2026

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