Insgesamt 16 Siege konnte Lotte Kopecky (Team SD Worx - Protime) 2024 feiern, darunter so prestigeträchtige wie den Weltmeistertitel auf der Straße, Paris-Roubaix oder Strade Bianche. Die 28-jährige Belgierin zeigte sich als echte Allrounderin, holte neben den Siegen bei den Klassikern auch Platz zwei in der Gesamtwertung des Giro d’Italia oder die europäische Krone im Zeitfahren. In Summe bescherte ihr das 6389 Punkte in der UCI Weltrangliste und damit Platz 1 in diesem Ranking.
Damit verdrängte Kopecky ihre (Noch-)Teamkollegin Demi Vollering von der Spitze. Die Niederländerin hatte im Vorjahr den Platz an der Sonne inne, muss sich nun aber mit Rang zwei, 5011,29 Zählern und damit einem satten Rückstand auf Kopecky begnügen. Dabei sammelte auch Vollering 15 Siege, gewann die Vuelta, die Baskenland- und die Burgos-Rundfahrt, und reichlich Podiumsplätze bei den großen Klassikern und der Tour de France.
Dennoch kamen für die 27-Jährige in diesem Jahr rund 1000 Punkte weniger zusammen als im Vorjahr. Kopecky hingegen, im Vorjahr Zweite, sattelte nochmal satte 2000 drauf. Damit beendete sie die sieben Jahre andauernde Führung einer Niederländerin in der Weltrangliste zum Jahresende und wurde gleichzeitig erste Belgierin an der Spitze des Rankings. Neben Emma Johansson (Schweden) 2013 und Megan Guarnier (USA) 2017 ist sie überhaupt erst die dritte Nicht-Niederländerin, die die Rangliste seit der Einführung 2009 anführt. Zudem ist ihre Punkteausbeute in dieser Saison ein neuer Rekord.
Auf Rang drei der Liste wird Elisa Longo Borghini (Lidl-Trek) geführt. Die Gewinnerin des Giros und der Flandern-Rundfahrt brachte es auf 4798,81 Punkte. 2023 fehlte sie noch in den Top 10. Durch ihren Aufstieg verhinderte die Italienerin den kompletten SD-Worx-Triumph, den es noch im Vorjahr gegeben hatte. Zwar wurde Lorena Wiebes mit 3811 Punkten erneut Vierte, doch die 2023 noch auf Platz drei rangierende Marlen Reusser konnte aufgrund ihrer langen Krankheit kaum Zählbares sammeln.
Ebenso wie Reusser ist auch Liane Lippert (Movistar Team) nicht mehr in den Top 10 zu finden. Auch die Deutsche stieg nach langer Verletzung erst spät in die Saison ein, konnte erst beim Giro im Juli mit einem Etappensieg an die Form der vergangenen Saison anknüpfen, aber nicht mehr genügend Punkte sammeln. Im vergangenen Jahr noch Neunte, musste sich die Friedrichshafenerin nun mit Rang 29 zufriedengeben. Mit 1239,76 Punkten blieb sie aber weiterhin beste Deutsche. Auf Platz 48 folgt Antonia Niedermaier (Canyon//SRAM Racing) mit 880,33 Punkten.
Für Tour-de-France-Siegerin Kasia Niewiadoma (Canyon//SRAM Racing) reichte es trotz dieses Sieges, dem Gewinn des Fleche Wallonne und Rang zwei bei der Flandern-Rundfahrt nur zum siebenten Platz (2574 Punkte). Im letzten Jahr war sie noch Sechste mit 200 Punkten weniger. Vor ihr platzierten sich dieses Mal noch die fünfmalige Weltranglistenerste Marianne Vos (Team Visma | Lease a Bike) und Elisa Balsamo aus Italien. Mit Juliette Labous (Team dsm-firmenich PostNL) und Evita Muzic (FDJ-Suez) schafften es auch zwei Französinnen in die Top 10, die von Zeitfahr-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin Grace Brown (FDJ-Suez) abgeschlossen werden.
Während die UCI im Männerbereich auch getrennte Weltranglisten für Eintages- und Mehretappenrennen führt, existiert für die Frauen lediglich ein gesondertes Ranking für die World-Tour-Rennen. In dem tauschen aber lediglich Niewiadoma, Vos und Balsamo die Plätze. Dazu liegt statt Brown ihre australische Landsfrau Neve Bradbury (Canyon//SRAM Racing) auf Platz 10.
Das Ranking bei den Damen ist ähnlich komplex wie bei den Männern. Allerdings steht die Tour de France im Frauenbereich nicht wie bei den Herren über allem. Tour, Giro, Vuelta und andere Rundfahrten der UCI Women’s World Tour werden gleich behandelt - für die Gesamtsiegerin gibt es jeweils 400 Punkte. Genau wie bei den Klassikern. Ein Sieg bei Paris-Roubaix, der Flandern-Rundfahrt oder dem Amstel Gold Race beispielsweise bringt genauso 400 Punkte.
Mehr Zähler auf einen Schlag ließen sich 2024 nur bei den Straßenrennen von Olympia und den Weltmeisterschaften einfahren. Die Siege in beiden Wettbewerben brachten Kristen Faulkner und Kopecky satte 600 Punkte ein. Auch Rang zwei war mit 475 Punkten mehr, die dritten Plätze genauso viel Wert wie ein Klassiker- oder Rundfahrtsieg. Bei den Zeitfahren gab es 350, 250 und 200 Zähler für die Medaillenränge.