UAE-Mechaniker berichtetPogačar siegte in Sanremo mit gebrochenem Rahmen

Jens Klötzer

 · 24.03.2026

Auf Rennbildern lässt sich eine besonders schwere Beschädigung an der Anbindung zum Sitzrohr erkennen
Foto: Getty Images/Fabio Ferrari
Tadej Pogačar soll Mailand-Sanremo mit einem gebrochenen Rahmen gewonnen haben. Sein Mechaniker Boštjan Kavčnik enthüllte gegenüber dem slowenischen Nachrichtenportal “Delo”, dass der Hinterbau seines Colnago Y1RS beim Sturz 32 Kilometer vor dem Ziel schwer beschädigt wurde.

Der Rennverlauf der diesjährigen Ausgabe von Mailand-Sanremo ist Stoff für die Geschichtsbücher. Der UAE Team Emirates-Mechaniker Boštjan Kavčnik enthüllte gegenüber dem slowenischen Nachrichtenmagazin "Delo" nun weitere Details zum Sieg von Tadej Pogačar, die das Drama noch größer erscheinen lassen. Der Slowene soll das erste Monument der Saison mit einem gebrochenen Rahmen gewonnen haben.

"Normalerweise ist das Team schon anderthalb Stunden unterwegs, bis Tadej alle Verpflichtungen nach dem Rennen erledigt hat. Diesmal haben wir auf ihn gewartet und ihm gratuliert, bevor wir Sanremo verließen. Es war ein besonderes Rennen für uns alle. Er gewann trotz des Dramas und obwohl sein Rahmen beim Sturz brach und die Bremsscheibe an den Bremsbelägen schliff", erklärte Kavčnik gegenüber Delo.si.

Schaden erst im Ziel entdeckt

Pogačar und sein Team bemerkten die Beschädigungen des Colnago Y1RS demnach erst nach der Zielankunft. "Der Hinterbau war beschädigt, gab zum Glück aber nicht nach. Hätte Tadej den Zustand des Rads gekannt, wäre er nicht so kompromisslos abgefahren, dass selbst Tom Pidcock kaum mithalten konnte. Dieses Rad kommt nun in eine spezielle Sammlung, obwohl es defekt ist", so Kavčnik. Das Team hätte Pogačars Rad umgehend gewechselt, wenn sie von der Beschädigung gewusst hätten.

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Wo genau der Rahmen gebrochen ist, sagte der Mechaniker nicht. Auf Bildern des Rennens, die nach dem Sturz entstanden, sind diverse Beschädigungen als Folge des Crashs zu erkennen. Die linke Sitzstrebe trägt mehrere Schrammen, eine größere Beschädigung scheint an der zentralen Anbindung ans Sitzrohr aufgetreten zu sein.

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Der Sturz ereignete sich 32 Kilometer vor dem Ziel. "Tadej flog auf die linke Seite, die kein Schaltwerk hat, aber die Schaltung aktivierte trotzdem den Crash-Modus. Tadej legte sie selbst wieder ein und hatte das Gefühl, dass sonst alles stimmt, also haben wir das Rad nicht gewechselt", berichtete Kavčnik. Der Sturz veränderte die taktischen Pläne kaum. "Es passierte, als wir das Tempo erhöhen wollten, und genau das taten unsere Fahrer, aber nicht an der Spitze des Rennens, sondern im Feld. Glücklicherweise ist Tadej so gut vorbereitet, dass er das Verpasste aufholen konnte."

Neue Ausrüstung für Sanremo

Im Vergleich zum Vorjahr änderte das Team für den Klassiker einiges am Material des Weltmeisters. "Zum ersten Mal entschied sich Tadej für nur ein Kettenblatt. Durch das Entfernen eines Kettenblatts und des Umwerfers gewannen wir bei Gewicht und Aerodynamik. Er benutzte auch höhere Felgen mit schmaleren Reifen. Letztes Jahr waren es 30 Millimeter, dieses Jahr 28. Unsere Performanceabteilung berechnete, dass dies in so einem schnellen Rennen am effektivsten wäre", erklärte Kavčnik.

Nach Mailand-Sanremo ist vor Paris-Roubaix

Kavčnik war im Dezember auch mit Pogačar auf der Paris-Roubaix-Strecke unterwegs. "Vor dem Rennen in Flandern machen wir eine weitere Tour durch Roubaix. Bisher haben wir die Daten erhalten, die die Sportabteilung benötigt, um zu berechnen, welche Ausrüstung und Einstellungen am besten sind. Tadej hat sich bereits entschieden, mit dem Modell Y1RS anzutreten, das er bisher noch nicht in Roubaix gefahren ist. Deshalb haben wir die Fahrt auf den Kopfsteinpflastern oft wiederholt und verschiedene Reifenbreiten und Drücke getestet. Die Mechaniker versprachen uns Material, das für das Fahren auf Kopfsteinpflaster angepasst wird."

Pogačar bereitete Sanremo und Roubaix mit gleichem Eifer vor. "Das sind bestimmte Rennen, bei denen man die Straßen und Kurven spüren muss. Es geht nicht nur darum, besseres Material als früher auszuwählen, sondern auch um Tadejs Bereitschaft. Und die ist auf einem noch höheren Niveau als früher", betonte Kavčnik. Die Rivalen spürten dies bei Strade Bianche und Mailand-Sanremo.

Der beste Fahrer der Welt verbesserte sich weiter und konzentriert sich nun auf Paris-Roubaix am 12. April. "In Sanremo spürte er, wo die Konkurrenz steht. Er stand bereits mit dem Kopf in Roubaix am Ziel. Direkt nach dem Rennen sagte er mir, dass er dort Reifen braucht, weil er mit dem Training anfangen muss", berichtete Kavčnik. Pogačar will seine Monumenten-Sammlung vervollständigen und in diesem Jahr zum ersten Mal auch in Roubaix siegen.



Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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