Julian Schultz
· 27.01.2026
Mit der Tour Down Under betrat das Tudor Pro Cycling Team Neuland. Erstmals in seiner jungen Geschichte war der Rennstall in Australien am Start. Dank seines Status als Top-Team aus der zweitklassigen Pro Series sind den Schweizern weitere Starts bei den großen Rennen sicher. Das kurzfristige Ziel bleibt ein Etappensieg bei einer Grand Tour. Und langfristig?
"Unsere gesicherte Rennplanung und automatischen World-Tour-Einladungen bieten uns wertvolle Planungssicherheit. Das ist ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr”, stellte Teamchef Fabian Cancellara am Rande des Trainingslagers in Spanien fest. Dass sich die Saison gleich beim ersten Rennen der höchsten Kategorie vielversprechend anlässt, konnte der ehemalige Profi da noch nicht wissen. Marco Brenner (Augsburg) verpasste als Vierter der Tour Down Under zwar das Podium, unterstrich bei der Premiere in Australien aber die Ambitionen seines Tudor-Rennstalls.
“Unser klares Ziel ist es, uns bis Ende 2028 für die WorldTour zu qualifizieren“, so Cancellara. Die noch junge Saison, für die das Team keine World-Tour-Lizenz beantragt hatte, sei laut des mehrmaligen Olympiasiegers “ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel“. Noch wartet die Mannschaft aus der Schweiz auf einen Etappensieg bei einer Grand Tour. Doch geht es nach Cancellara, soll sich das in den kommenden Monaten ändern. “Mit dem Fokus auf dem Giro, der Tour und der Vuelta ist ein Etappensieg bei einer der Grand Tour unser vorrangiges Ziel“, so der 44-Jährige.
Nachdem Tudor Pro Cycling im Vorjahr noch eine Wild Card benötigte, um erstmals in seiner jungen Team-Historie an der Tour de France teilnehmen zu können, ist den Eidgenossen in diesem Jahr ein Startplatz sicher. Auch beim Giro d’Italia und der Vuelta a España ist der Rennstall nicht mehr auf eine Einladung angewiesen. Auslöser ist das Punktesystem des Radsport-Weltverbands UCI, wonach die zwei besten Pro-Teams automatisch für die Saison-Highlights qualifiziert sind. Die Equipe um Brenner schloss 2025 als bester Zweitdivisonär vor dem ebenfalls aufstrebenden Pinarello-Q36.5-Team um Superstar Thomas Pidcock ab.
Große Hoffnungen für einen Etappensieg bei der Tour de France (4. bis 26. Juli) dürften dabei auf Stefan Küng ruhen, der nach sieben Jahren bei Groupama-FDJ neu zum Team kam. Für den Schweizer Zeitfahrspezialisten sei das Mannschaftszeitfahren in Barcelona “ein wichtiger Höhepunkt in meinem Rennkalender”, wie der 32-Jährige gegenüber mehrere Medien sagte. In Julian Alaphilippe (Frankreich) setzt Tudor auf einen weiteren Routinier, der bei der Tour traditionell viele Freiheiten genießt und in Frankreich nach sportlich eher holprigen Jahren seinen insgesamt siebten Etappensieg einfahren kann. Auch Matteo Trentin (Italien) und Marc Hirschi (Schweiz) sind bereits mit einem Teilerfolg bei der Frankreich-Rundfahrt dekoriert.
Neben Brenner zählen mit Marius Mayerhofer (Tübingen), Florian Stork (Bünde) und Hannes Wilksch (Straußberg) drei weitere deutsche Fahrer zum Profi-Kader bei Tudor Pro Cycling. Für Mayerhofer, der im Vorjahr zum ersten Mal Tour-Luft schnuppern durfte, startete die neue Saison allerdings schmerzhaft: Nach einem Sturz bei der Tour Down Under erholt sich der 25-Jährige aktuell von mehreren Knochenbrüchen.