Tudor Pro Cycling TeamKurzfristiges Ziel: Etappensieg bei Grand Tour - und langfristig?

Julian Schultz

 · 30.01.2026

Ambitionierte Ziele: Tudor-Teamchef Fabian Cancellara (links), hier mit Marius Mayrhofer, will in dieser Saison den ersten Etappensieg bei einer Grand Tour erreichen.
Foto: Picture Alliance
Das noch junge Tudor Pro Cycling Team nahm dieses Jahr erstmals an der Tour Down Under teil. Das Schweizer Team hat dank seines Status als Top-Team aus der zweitklassigen Pro Series weitere Starts bei großen Rennen sicher. Was sind die langfristigen Ziele von Tudor?

"Unsere gesicherte Rennplanung und automatischen World-Tour-Einladungen bieten uns wertvolle Planungssicherheit. Das ist ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr”, stellte Teamchef Fabian Cancellara am Rande des Trainingslagers in Spanien fest. Dass sich die Saison gleich beim ersten Rennen der höchsten Kategorie vielversprechend anlässt, konnte der ehemalige Profi da noch nicht wissen. Marco Brenner (Augsburg) verpasste als Vierter der Tour Down Under zwar das Podium, unterstrich bei der Premiere in Australien aber die Ambitionen seines Tudor-Rennstalls.



Etappensieg bei Grand Tour als Ziel

“Unser klares Ziel ist es, uns bis Ende 2028 für die WorldTour zu qualifizieren“, so Cancellara. Die noch junge Saison, für die das Team keine World-Tour-Lizenz beantragt hatte, sei laut des mehrmaligen Olympiasiegers “ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel“. Noch wartet die Mannschaft aus der Schweiz auf einen Etappensieg bei einer Grand Tour. Doch geht es nach Cancellara, soll sich das in den kommenden Monaten ändern. “Mit dem Fokus auf dem Giro, der Tour und der Vuelta ist ein Etappensieg bei einer der Grand Tour unser vorrangiges Ziel“, so der 44-Jährige.

Bestes Pro-Team der Vorsaison

Nachdem Tudor Pro Cycling im Vorjahr noch eine Wild Card benötigte, um erstmals in seiner jungen Team-Historie an der Tour de France teilnehmen zu können, ist den Eidgenossen in diesem Jahr ein Startplatz sicher. Auch beim Giro d’Italia und der Vuelta a España ist der Rennstall nicht mehr auf eine Einladung angewiesen. Auslöser ist das Punktesystem des Radsport-Weltverbands UCI, wonach die zwei besten Pro-Teams automatisch für die Saison-Highlights qualifiziert sind. Die Equipe um Brenner schloss 2025 als bester Zweitdivisonär vor dem ebenfalls aufstrebenden Pinarello-Q36.5-Team um Superstar Thomas Pidcock ab.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
In Julian Alaphilippe (links) und Stefan Küng führen zwei Routiniers den Kader bei Tudor Pro Cycling an.Foto: Getty Images.In Julian Alaphilippe (links) und Stefan Küng führen zwei Routiniers den Kader bei Tudor Pro Cycling an.

Große Hoffnungen für einen Etappensieg bei der Tour de France (4. bis 26. Juli) dürften dabei auf Stefan Küng ruhen, der nach sieben Jahren bei Groupama-FDJ neu zum Team kam. Für den Schweizer Zeitfahrspezialisten sei das Mannschaftszeitfahren in Barcelona “ein wichtiger Höhepunkt in meinem Rennkalender”, wie der 32-Jährige gegenüber mehrere Medien sagte. In Julian Alaphilippe (Frankreich) setzt Tudor auf einen weiteren Routinier, der bei der Tour traditionell viele Freiheiten genießt und in Frankreich nach sportlich eher holprigen Jahren seinen insgesamt siebten Etappensieg einfahren kann. Auch Matteo Trentin (Italien) und Marc Hirschi (Schweiz) sind bereits mit einem Teilerfolg bei der Frankreich-Rundfahrt dekoriert.

Vier Deutsche im Tudor-Kader

Neben Brenner zählen mit Marius Mayerhofer (Tübingen), Florian Stork (Bünde) und Hannes Wilksch (Straußberg) drei weitere deutsche Fahrer zum Profi-Kader bei Tudor Pro Cycling. Für Mayerhofer, der im Vorjahr zum ersten Mal Tour-Luft schnuppern durfte, startete die neue Saison allerdings schmerzhaft: Nach einem Sturz bei der Tour Down Under erholt sich der 25-Jährige aktuell von mehreren Knochenbrüchen.

Julian Schultz ist studierter Sportwissenschaftler und gelernter Sportjournalist und zeichnet für Tests von Kompletträdern verantwortlich. Vom Wettkampfboliden bis zum Gravelbike testet er die neuesten Modelle und hält die Augen nach aktuellen Trends offen. So auch bei der Tour de France, wo sich der Test-Redakteur seit 2022 auf die Suche nach technischen Details und Geschichten aus dem Fahrerlager macht.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport