Interview Topsprinter Dylan Groenewegen“Wir träumen von einem Etappensieg bei der Tour de France”

Andreas Kublik

 · 25.01.2026

Interview Topsprinter Dylan Groenewegen: “Wir träumen von einem Etappensieg bei der Tour de France”Foto: Joren Benjamins/Unibet Rose Rockets
Dylan Groenewegen
Dylan Groenewegen hat als Sprinter bereits sechs Etappen bei der Tour de France gewonnen. Nun ist der 32-jährige Niederländer zum Team Unibet Rose Rockets gewechselt. Der in Frankreich lizensierte Rennstall, gegründet von drei niederländischen Youtubern, ist einer der Aufsteiger des Jahres, hat sich massiv verstärkt, muss allerdings noch auf Einladungen zu den wichtigsten Rennen hoffen. Mit TOUR spricht Groenewegen über das ungewöhnliche, gemeinsame Projekt

TOUR: Sie haben in Ihrer Karriere bereits sechs Etappen bei der Tour de France gewonnen. Jetzt sind Sie zum Team Unibet Rose Rockets gewechselt, das als international zweitklassiges Team auf Einladung zu den großen Rennen hoffen muss. Warum haben Sie sich dennoch für den Wechsel entschieden?

DYLAN GROENEWEGEN: Ich hatte letztes Jahr einige Treffen mit dem Team, es fühlt sich dort wirklich gut an, fast wie eine Familie. Ich kann sagen, was ich will, und sie können mir alles sagen. Es gibt also einen sehr engen Kontakt. Gemeinsam können etwas Großartiges aufbauen. Und genau das war mir auch wichtig: etwas aufzubauen und wieder mein Bestes zu geben.



Das Team hat eine Lizenz als Pro Team und muss bei den großen Rennen vorerst auf eine relativ kurzfristige Einladung per Wildcard hoffen. War das kein Hinderungsgrund?

Richtig, es ist noch nicht hundertprozentig sicher, ob wir überhaupt an einer Grand Tour (Giro, Tour oder Vuelta; Anm. d. Red.) teilnehmen werden. Wir können nur unser Bestes geben. Ich weiß, dass wir im Vergleich zu einem World-Tour-Team etwas kleiner aufgestellt sind. Aber mir gefällt das Rennprogramm, das wir bis Juli bereits haben. Ich bin wirklich froh über diese Chance, mein volles Potenzial auszuschöpfen.

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Die Art und Weise, wie Sie Kontakt aufgenommen und die Gespräche vor der Vertragsunterzeichnung geführt haben, war etwas ungewöhnlich. Man kann das auf den Internet-Kanälen des Teams sehen. Können Sie in wenigen Worten aus Ihrer Sicht beschreiben, wie es dazu kam?

Es hat fast als Witz begonnen, auch wenn das vielleicht nicht die richtige Wortwahl ist. Ja, ich hatte schon ein bisschen Hintergrundinformationen, aber wie man im Video sehen kann, haben wir uns Nachrichten geschickt und angefangen zu reden. Zuerst über alles und nichts. Dann haben wir auch über den Vertrag gesprochen, und es wurde immer seriöser. Es lag an mir, ob ich die guten Chancen im Team sah.

Der Auftritt des Teams, die Arbeitsweise – vieles ist ungewöhnlich bei dem Team, das sich aus dem Youtube-Kanal Tour de Tietema entwickelt hat. Wie erleben Sie das?

Ja, ich denke, die Medienarbeit – und wenn man sich die Social Media Kanäle so ansieht – unterscheidet es sich von anderen Teams. Die meisten Teams machen nur Videos über Radsport. Dieses Team hingegen macht auch lustige Videos und zeigt die humorvolle Seite der Trainingslager und Rennen. Die Internetseite gefällt mir auch. Trotzdem ist es ein professionelles Team. Wir wollen uns weiterentwickeln und trainieren ernsthaft. Aber es ist auch wichtig, jüngeren Leuten oder Leuten, die den Radsport noch nicht so gut kennen, zu zeigen, wie spannend Radsport sein kann. Aber am Ende fahren wir auf Ergebnisse. Insofern unterscheidet es sich nicht von den anderen Teams.

Die drei Teamgründer Bas Tietema, Josse Wester und Devin van der Veen haben ursprünglich als Fans und Youtuber die Tour de France begleitet. Bei den Radprofis sind sie bekannt, weil sie seit Jahren nach der Schlussetappe auf den Champs-Élysées Pizza an die Rennfahrer verteilen und damit sehr gut angekommen. Hätten Sie sich einst vorstellen können, dass Sie mit den Jungs mal ernsthaft in einem Team zusammenarbeiten können?

Nein, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass es so seriös wird und sie ein Profiteam starten könnten. Es ging damit los, dass sie ein Lied über mich gemacht haben. Das war schon 2019. Danach waren sie aber hauptsächlich auf YouTube aktiv und haben Videos gemacht.

Der heutige Teamchef Bas Tietema turnte damals im dazugehörigen Video auf Heuballen herum und performte den Song „Dylan Groenewegen“, der auch in Radiosendern in den Niederlanden lief. Man könnte es als ersten Flirt mit Ihnen ansehen…

Erst danach haben sie mit dem Radsportteam angefangen. 2024 haben sie dann ein Video mit Josse Wester gedreht, einem der Besitzer. Er trug die gleichen Klamotten wie ich, den gleichen Helm, die gleiche Sonnenbrille, fuhr auf meinem Rad und gab Interviews wie ich. Ja, das sind die lustigen Videos. 2024 hatten sie ein Radsportteam, allerdings nur auf Continental-Niveau, ein kleineres Team. Aber letztes Jahr habe ich gesehen, dass sie Fortschritte gemacht haben. Und letztes Jahr wurde es dann immer ernster. Irgendwann sagte ich: „Ja, klar, machen wir’s einfach und glauben an unseren großen Traum.“ Und jetzt bin ich im Team.

Aus Rivalen werden Kollegen: Zusammenarbeit mit Sprintcoach Marcel Kittel

Erfolgreich: Dylan Groenewegen nach seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France - 2017 auf den Champs-ÉlyséesFoto: Getty Images / Tim de WaeleErfolgreich: Dylan Groenewegen nach seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France - 2017 auf den Champs-Élysées

Ein wichtiger Teil des Projekts Unibet Rose Rockets ist auch der neue Sprintcoach: Marcel Kittel, der mit 14 Etappensiegen erfolgreichste Deutsche bei der Tour de France. Sie sind früher gegeneinander gesprintet – wie ist Ihre Verbindung?

Marcel war einer der stärksten Sprinter, das hat er bei Tour und Giro bewiesen, er hat viele Rennen gewonnen. Er war wirklich schwer zu schlagen. Ich habe 2017 meine erste Etappe bei der Tour gewonnen (die 21. in Paris auf den Champs-Élysées; Anm. d. Red.) – da war er aber schon nachhause gefahren. Zuvor hatte er aber schon fünf Etappen gewonnen.

Jetzt ist er extra für Sie als Sprintcoach neu im Team …

Das ist wirklich schön für mich. Er nimmt mir einiges ab, erklärt den Jüngeren im Team alles, er kümmert sich um die Meetings. Ich kann mich also auf die Trainingseinheiten mit dem Sprintzug und mich selbst konzentrieren. Ich mag ihn als Sprintcoach, auch bezüglich des Blick aufs Material. Also, ich bin echt motiviert. Das Team ist wirklich motiviert – und das ist eine ziemlich gute Kombi.

Wie ist Ihr Ansatz, Ihr Wunsch für einen Sprint?

Ich mag Hochgeschwindigkeitsprints, so ähnlich wie Marcel sie mochte. Klar, er ist etwas größer und damit kräftiger als ich (1,77 Meter und 70 Kilogramm zu 1,88 Meter und 82 Kilo; Anm. d. Red.). Ich bin ein bisschen kleiner, aber wir sind ähnliche Sprintertypen. Wir mögen hohe Geschwindigkeiten. Wir mögen es beide, einen wirklich guten Sprintzug vor uns zu haben.

Wie sehen Ihre Ziele aus?

Ich will mich von der besten Seite zeigen, mich wieder auf mein bestes Niveau bringen. Wir sind auf einem guten Weg, und ich glaube, ich bin wieder nah an meiner Bestform. Der große Traum gemeinsam mit dem Team ist es, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen.

Fühlen Sie sich wirklich dafür bereit? Die Tour de France 2025 im Trikot von Jayco-AlUla verlief enttäuschend. Rang 13 war Ihr bestes Ergebnis…

Vor der Tour fühlte ich mich gut, die Rennen lief gut, ich habe gewonnen …

Sie feierten Etappensiege bei der Slowenien- und der Ungarn-Rundfahrt. Aber dann klappte nicht mehr viel.

Während der Tour wurde ich ein bisschen krank. Ich fühlte mich nicht hundertprozentig fit. Zum Saisonende hatte ich noch ein paar zweite Plätze. Ich hoffe, wir können bald wieder Siege daraus machen. Die Zeichen stehen auf Grün.

Erstes Saisonhighlight könnte Mailand-San Remo werden. Die Wildcards für das Rennen sind noch nicht vergeben. Wäre das Rennen denn grundsätzlich interessant für Sie?

Schwierig. Positiv gesehen ist es für einen Sprinter möglich zu gewinnen, Jungs wie Cavendish haben das bewiesen. Aber die Spitzengruppen am Ende des Rennens werden immer kleiner. Wenn man auf die letzten Rennen, die letzten Jahre blickt: Es sind immer häufiger nur drei, vier Mann übrig. Und ich bin nun mal beim Klettern nicht gut genug, um Typen wie Pogacar oder Mathieu van der Poel folgen zu können. Man muss sagen, es ist aktuell schwierig für einen Sprinter, dieses Rennen zu gewinnen, als reiner Sprinter wie ich.

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