Der Unfall ereignete sich 95 Kilometer vor dem Ziel des mit 170 Kilometern längsten Teilstücks der Rundfahrt, das auf einem sieben Mal zu fahrenden Rundkurs rund um Stirling ausgefahren wurde. Plötzlich sprangen zwei Kängurus auf die Straße. “Die europäischen Fahrer fragen mich immer, was das gefährlichste Tier in Australien ist. Und ich sage dann: Kängurus”, sagte Vine im Ziel, sich spätestens jetzt bestätigt fühlend. “Sie warten und verstecken sich im Gebüsch und dann springen sie direkt vor dir heraus und du kannst nicht mehr anhalten
"Jeder fragt mich immer, was das Gefährlichste ist, was es in Australien gibt – und ich sage immer: Kängurus", erzählte Vine nach dem Rennen von dem Vorfall rund 96 Kilometer vor Rennende, von dem in den TV-Bildern nur noch das Ende zu sehen war, als Vine und Co. bereits auf der Straße lagen und ein Känguru von der Straße hoppelte – augenscheinlich benommen oder verletzt. Zwei von ihnen sind durchs Peloton gejagt, als wir ungefähr 50 km/h schnell waren. Eins hat dann angehalten, ist von links nach rechts und wieder nach links und dann habe ich es touchiert. Das ist Pech, aber zum Glück konnte ich weiterfahren und das Trikot behalten”, so Vine, dessen ockerfarbenes Leibchen nach dem Sturz deutlich gekennzeichnet war.
Doch nicht alle Profis hatten so viel Glück. Unter anderem mussten auch zwei weitere UAE-Fahrer das Rennen beenden, sodass das Team lediglich drei Fahrer ins Ziel brachte. Insgesamt sah auch der Schlusstag der Rundfahrt nochmal zwölf Aufgaben.
Auch diese Umstände dürften dafür gesorgt haben, dass die Etappe letztlich, anders als erwartet, in einem Sprint ausgefahren wurde. Hinter Sieger Brennan fuhr Finn Fisher-Black (Red Bull - BORA - hansgrohe) auf dem schweren letzten Kilometer, in dem die allerletzten Meter vor dem Zielstrich wieder relativ eben waren auf Rang zwei. Dritter wurde Tobias Lund Andresen (Decathlon CMA CGM). In der Gesamtwertung gab es auf den vordersten Plätzen keine Veränderungen mehr. Hinter Vine landete der Schweizer Mauro Schmid (Team Jayco AlUla) mit 1:03 Minuten Rückstand auf Rang zwei, in Harry Sweeny (EF Education - Easy Post) sicherte sich ein weiterer Australier einen Podiumsplatz. Und auch Marco Brenner (Tudor Pro Cycling Team), der wie Georg Zimmermann (Lotto - Intermarché) zu den 29 Fahrern der ersten Gruppe gehörte, konnte seinen vierten Platz in der Gesamtwertung verteidigen.
Zimmermann schaffte es durch den letzten Tag noch auf Rang 20 der Gesamtwertung. Anton Schiffer (Team Visma | Lease a Bike) beendete seine erste WorldTour-Rundfahrt sogar als 14. Der 26-Jährige hatte im Finale noch für Brennan gearbeitet und wurde mit acht Sekunden mehr als der Sieger gestoppt.
Die Punktewertung der Rundfahrt entschied Andresen mit deutlichem Vorsprung vor Brennan für sich. Auch Martin Urianstad Bugge (Uno-X Mobility) holte sich das Bergtrikot ungefährdet. Bester Jungprofi war Andrea Raccagni (Soudal Quick-Step), der 21 Jahre alte Italiener wurde Gesamtsechster. Die Mannschaftswertung ging an Jayco AlUla.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Team Visma | Lease a Bike | 03:58:08 |
| 2 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +00:00:00 |
| 3 | Decathlon CMA CGM Team | +00:00:00 |
| 4 | NSN Cycling Team | +00:00:00 |
| 5 | XDS Astana Team | +00:00:00 |
| 6 | Australia | +00:00:00 |
Entsprechend des Profils, das Chancen für verschiedene Szenarien bot, war der Start der Etappe nervös. Zahlreiche Fahrer versuchten sich auf der ersten Runde aus dem Feld zu lösen. Nachhaltig weg kam aber weder eine Gruppe noch ein Solist. Das schafften erst Luke Plapp (Jayco AlUla) und Pascal Eenkhoorn (Soudal Quick-Step), die dann noch Unterstützung von Robert Stannard (Bahrain - Victorious) bekamen und als Trio die Gruppe des Tages bildeten. Es war schon fast Rennhälfte erreicht, als von hinten in Pavel Novak (Movistar Team) noch ein vierter Mann dazustieß, der zuvor lange allein im Wind gekämpft hatte.
Der Vorsprung der Ausreißer war da von über zwei bereits wieder auf rund eine Minute geschmolzen. Doch dann ereignete sich im Feld der Känguru-Unfall. Weil das Feld auf den gestürzten Gesamtführenden Vine wartete, ehe es wieder volle Fahrt aufnahm, hatte das Spitzenquartett danach plötzlich fast vier Minuten Vorsprung. Doch im Feld organisierte sich eine Koalition aus mehreren Teams, die das Rennen nun in einem Sprint beenden wollte. Und so zeigte die Uhr zwei Runden vor dem Ende wieder einen Abstand von etwa anderthalb Minuten. Zudem fiel die Spitzengruppe auseinander.
Als vom ehemaligen Spitzenquartett nur noch Eenkhoorn und Stannard übrig waren, als es auf die letzte Runde ging, wurde es im Feld nochmal unruhig. Denn es attackierten Santiago Buitrago (Bahrain -Victorious), die beiden Movistar-Männer Jefferson Cepeda und Javier Romo sowie Gal Glivar (Alpecin – Premier Tech). Sie schafften es nach vorn zu Stannard, der inzwischen auch Eenkhoorn abgeschüttelt hatte und kurze Zeit später dasselbe Schicksal erleiden musste. Das neue Spitzenquartett ging mit einer knappen halben Minute auf die letzten 15 Kilometer.
Während Romo für Cepeda arbeitete und dann den Anschluss verlor, schaffte es das übrige Trio bis in den zwei Kilometer langen Schlussanstieg, zehn Sekunden verblieb ihm eingangs. Doch das sollte nicht reichen. 800 Meter vor dem Ziel waren die Ausreißer gestellt, sodass dann doch die Sprinter die Chance bekamen, den Tagessieg unter sich auszumachen.