Erst seit 2022 gibt es die Tour de France Femmes. Man könnte fast meinen, der professionelle Frauenradsport sei eine neue Errungenschaft, aber das TOUR-Archiv beweist das Gegenteil. Die Reportage von der Cross-WM in St. Wedel 2005 macht mit einem doppelseitigen Foto von Hanka Kupfernagel auf – damals eines der bekanntesten Gesichter des Frauenradsports in Deutschland; TOUR feierte ihren Erfolg beim Heimrennen: “Ein Hollywood-Regisseur hätte das Happy End Ende Januar kaum filmreifer inszenieren können. ‘Unglaublich! Ich war so erleichtert, als ich durchs Stadion fuhr. Es war wie im Film’, fand auch Hanka Kupfernagel selbst, als sie die letzten Meter auf dem Weg zum WM-Titel in Sankt Wendel fuhr.
Nach langer Durststrecke, harter Arbeit und überwundenen Selbstzweifeln dann doch der große Erfolg – das wurde mit viel Gefühl gefeiert. Im Ziel lagen sich die neue Weltmeisterin und ihr Trainer und Lebenspartner Mike Kluge in den Armen.” Vor 20 Jahren veröffentlichte TOUR in der März-Ausgabe zudem ein ganzseitiges Poster von Judith Arndt, die im September 2004 im italienischen Verona Straßenweltmeisterin geworden war.
Auf der Rückseite des faltbaren Posters waren die Renntermine des Jahres 2005 abgedruckt – auf einer eigenen Seite die der Frauenrennen. Die Veranstaltungen waren über die ganze Welt verteilt und reichten von der Neuseeland-Rundfahrt über die Tour du Montreal, den Giro d’Italia Feminile, die Route de France Féminine, die Tour du Grand Montréal bis zum Giro della Toscana. Nicht alle dieser Rennen haben allerdings die folgenden Jahre überlebt. Der neue Schwung für den Frauenradsport ist also eher wie ein Neustart nach einer Durststrecke. Und Luft nach oben ist dabei immer noch!