Top-Talente 2024Timo Kielich - Aufstieg gerechtfertigt

Sebastian Lindner

 · 08.11.2024

Timo Kielich kann mit seinem Jahr als Neo-Profi zufrieden sein. Der 25-Jährige, der erst spät die Chance bekam, Berufsradfahrer zu werden, lieferte das, was man von ihm erwarten konnte.
Foto: picture alliance / Roth / CV
Zu Beginn der Saison 2024 hatte TOUR den Blick auf zehn Youngster geworfen, die gute Chancen auf einen Durchbruch im Peloton der Profis haben. So lief das Jahr für Timo Kielich.


Der Schritt ins Profi-Lager mit 24 Jahren - für die heutige Zeit ist das außergewöhnlich spät. Allerdings ist Timo Kielich auch nur auf dem Papier erst so spät Berufsradfahrer geworden. De facto stand er 2022 und 2023 zwar noch im Development Team von Alpecin-Deceuninck unter Vertrag, was ihn vom Status her zum Kontinental-Fahrer machte. Doch auch in diesen beiden Saisons war er fast ausschließlich mit dem World-Tour-Team unterwegs. Weil zur Saison 2024 endlich ein Kaderplatz bei den Profis frei wurde, durfte Kielich dann auch offiziell aufsteigen.

Dass sich der Belgier, der im August 25 Jahre alt wurde, jene Beförderung verdient hat und auch sportlich bestätigen kann, stellte er bereits früh in der Saison unter Beweis. Beim belgischen Halbklassiker Le Samyn (1.1) bekam Kielich freie Fahrt und fuhr im anspruchsvollen Finale mit Bergaufsprint als bester Fahrer seines Teams auf Rang fünf. Etwa einen Monat später gehörte er zur Fluchtgruppe bei der Volta NXT Classic (1.1), setzte sich aus der heraus mit Pascal Eenkhoorn ab und gewann dann den Zweiersprint. Dritter wurde Kielichs Teamkollege Henri Uhlig, der ebenfalls Neo-Profi ist und ähnliche Qualitäten wie der Belgier mitbringt.

Unterordnen für van der Poel und Philipsen

Stichwort ähnliche Qualitäten: Im Klassikerteam Alpecin-Deceuninck haben die noch viele weitere Fahrer - und mitunter auch auf ganz anderem Niveau. So etwa Jasper Philipsen und Mathieu van der Poel. Ist einer der beiden Stars am Start, muss sich Kielich unterordnen. Allerdings ist das bei einem Großteil der Klassiker der Fall. Aus diesem Grund muss der Belgier für Kapitänsrollen auch auf kleinere Rundfahrten ausweichen, die mitunter ähnlich beschaffen sind. So wie die Tour de Wallonie. Dort holte er im vergangenen Jahr seinen ersten Sieg bei einem Profi-Rennen. In dieser Saison reichte es für einen zweiten und einen dritten Platz.

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Zudem hat sich Kielich auch erstmals auf Grand-Tour-Terrain begeben. Beim Giro d’Italia fuhr er seine erste dreiwöchige Landesrundfahrt. Für Kaden Groves leistete er dort wertvolle Arbeit, zu einem Etappensieg konnte er den Australier aber auch nicht fahren. Anders sah das bei Paris-Roubaix aus. Dort konnten van der Poel und Philipsen auch dank der Kielich-Unterstützung einen Doppelsieg feiern. Auch Brugge-De Panne konnte Philipsen für sich entscheiden, nachdem er von der Unterstützung seines Landsmannes profitierte.

Kielich mit der Chance auf mehr - aber nicht im Klassikerteam schlechthin

Auch 2025 steht Timo Kielich noch bei Alpecin-Deceuninck unter Vertrag. Und sollte er sich mit der Rolle als Helfer, der in ein paar wenigen Rennen im Jahr die Chance bekommt, auf eigene Rechnung zu fahren, zufriedengeben - und so ist er einzuschätzen - dürfte es für ihn auch darüberhinaus im Team weitergehen. Strebt er nach mehr, dürfte Kielich aber auch in kleineren World Teams oder bei ambitionierten Zweitligisten durchaus mit einer freieren Rolle rechnen können.



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