Sandra Schuberth
· 31.03.2026
Douglas Ryder gründete das Team nach dem Ende von Qhubeka NextHash, weil er immer wieder in den Spitzensport zurückkehren wollte. Was folgte, war eine der bemerkenswertesten Aufbaugeschichten im modernen Radsport. Im Dezember 2022 erteilte die UCI dem Q36.5 Pro Cycling Team die ProTeam-Lizenz für die Saison 2023 – und der Rennstall machte sofort auf sich aufmerksam: Sieben Profi-Siege im ersten Jahr, darunter Etappensiege und nationale Meistertitel, unterstrichen das Potenzial des neu gegründeten Schweizer Teams.
Zur Saison 2026 vollzog das Team einen weiteren Entwicklungsschritt. Das Schweizer ProTeam Q36.5 fährt seit 2026 nicht mehr auf Scott-, sondern auf Pinarello-Rennrädern. Gleichzeitig rückte die italienische Radmarke als Titelpartner in den Teamnamen auf: Offiziell heißt die Mannschaft jetzt Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team. Die Zusammenarbeit hat eine klare strukturelle Grundlage: Pinarello-Eigentümer Ivan Glasenberg hält auch große Anteile an der Radbekleidungsmarke Q36.5. Die zwei Titelsponsoren Pinarello und Q36.5 sind aus Italien.
Das sportliche Herzstück des Teams ist und bleibt Tom Pidcock. Die neue Partnerschaft feiert auch eine erneuerte Zusammenarbeit zwischen Pinarello und dem Olympia- und Weltmeister im Cross-Country-Mountainbike, Weltmeister im Cyclocross, Tour-de-France-Etappensieger und Vuelta-a-España-Podiumsfahrer. Für Pidcock ist es eine Rückkehr zu vertrauten Gefährten: „Ich bin wirklich froh, jetzt wieder voll auf Pinarello unterwegs zu sein. Es fühlt sich wie eine Heimkehr an", wurde Pidcock bei der Bekanntgabe zitiert.
Sein Bruder Joe Pidcock und Kurt Bogaerts, langjähriger persönlicher Trainer und ehemaliger Sportlicher Leider von INEOS, folgten Tom ebenfalls zu Q36.5. Bereits in seiner ersten Saison für das Team rechtfertigte Pidcock das Vertrauen: Er gewann bei der AlUla Tour zwei Etappen, die Punktewertung und seinen ersten Gesamtsieg im Profi-Peloton.
Teamleader Pidcock wird von neun neuen Fahrern unterstützt – darunter die Klassiker-Spezialisten Fred Wright und Quinten Hermans, der erfahrene Sprinter Sam Bennett, GC-Spezialist Eddie Dunbar sowie das Nachwuchstalent Thomas Gloag.
Besonderes Augenmerk liegt auf Bennett: Im November wurde bei ihm ein Vorhofflimmern diagnostiziert, das durch eine Katheterablation behoben werden konnte. Die Hoffnung ist, dass damit die zuletzt fehlende Explosivität zurückkehrt.
Die Hälfte der Neuzugänge stärken das Team im Hochgebirge und eröffnen mehr Optionen für Rundfahrten, während mehrere weitere Fahrer ihre Stärken bei hügeligen und anspruchsvollen Eintagesrennen haben. Das Material: Pinarello-Räder, SRAM-Schaltung, Zipp-Laufräder, Vittoria-Reifen, Abus-Helme und Trikots von Q36.5.
Das große Ziel der Saison ist klar benannt: Pinarello Q36.5 ist als automatischer Qualifikant aus den ProTeam-Reihen für die Tour de France 2026 dabei – als eines der drei bestplatzierten ProTeams der Saison 2025 nach UCI-Punkten. Für das Team ist es das erste Mal überhaupt.
General Manager Doug Ryder sagte dazu: „Bei der Tour de France zu starten ist ein Moment des großen Stolzes für alle, die in dieses Projekt involviert sind – Fahrer, Stab und Partner gleichermaßen. Die Tour ist das größte Schaufenster unseres Sports, und damit geht eine riesige Verantwortung einher."
Voraussichtlich wird Pidcock in Frankreich auf Gesamtwertung fahren. Sollte er im Klassement früh Zeit verlieren, ist dem Briten, der 2022 die Alpe-d'Huez-Etappe gewann, auch eine erfolgreiche Etappenjagd zuzutrauen.
Die Ambition des Teams ist klar formuliert: die Heimat der Innovation im Radsport zu sein. Mit einem charismatischen Teamleader, zwei starken italienischen Partnern und einem erstmals vollständig für Grand-Tour-Ambitionen aufgestellten Kader könnte 2026 das Jahr sein, in dem Pinarello Q36.5 endgültig aus dem Schatten der WorldTour-Giganten heraustritt.

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